Quelle: Archiv MG - KULTUR KUNST/DICHTER - Kunst, Dichter, Intellektuelle


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 57, 28.06.1982
       
       Wochenschau
       
       Böll/Kopelew:
       

ANTIKOMMUNISMUS IN OST UND WEST: AUF ZUM LETZTEN GEFECHT

"Antikommunismus in Ost und West", einen Diskussionsband mit die- sem Titel verantworten der deutsche Dichter Böll und sein Freund Kopelew, von Beruf guter Mensch und Russenopfer. Das erstaunliche Fazit: Die Sowjetunion ist die "Hauptbrutstätte für den Antikom- munismus." Deshalb soll der freie Westen sich, sprich: seine in- tellektuellen Schönredner von dem engstirnigen "Feindbild" be- freien, seinerseits aus Antikommunismus gegen die Russen zu zie- hen. Gleich schnörkellos gegen den Sowjetstaat zu sein, eröffnet nämlich Böll und Konsorten die Freiheit, dazu auch noch die I d e e des Kommunismus als geistige Waffe beizusteuern. Warum auch nur einen Intellektuellen mit seiner Verdächtigung als "Kommunistenfreund" aus der westlichen Einheitsfront gegen den Osten ausgrenzen, wie es Böll selbst anno 77 widerfuhr, wo er doch stets nur einer von denen sein wollte, "die sich nicht mit den räuberischen Verhältnissen zufrieden geben" und die Räuber immer schon in Rußland dingfest gemacht haben. Jetzt spätestens gehört sich jedes Mißverständnis ausgeräumt. Böll und seine Kon- sorten stehen bei Fuß. Ihre Sorge gilt allein der klaren ideolo- gischen Leitlinie: Die "Sowjets, ich nenne die so" (Böll) haben an a l l e m s c h u l d zu sein! Wenn die NATO-Staaten die Kreditfalle aus der Entspannnungszeit jetzt zum Wirtschaftskrieg gegen die SU nutzen, will ein deutscher Dichter und Denker sagen: Die Sowjetökonomie ist "im Unterschied zur kapitalistischen Akku- mulation absolut unproduktiv", weil sie nur "Schmarotzern nutzt". Also geschieht ihr die planmäßige Ruinierung durch den Westen recht. Wenn NATO-Staaten und -Vorposten im Südatlantik, in El Salvador und im Libanon kriegerische Siege einbringen, fühlt sich ein deutscher Dichter und Denker gedrängt, zu warnen, das "nicht den Machthabern z.B. in Polen als Entschuldigung an die Hand zu geben". Es kommt ihm nämlich auf die Truppenmoral an, daß es beim Marschieren lassen und Verheizen westlicher Staatsbürger den prinzipiellen Unterschied an Menschenwürde macht, "wenn man sie einfach nur mit einem vorgehaltenen Fanal marschieren läßt, 10, 25, 60 Kilometer, das kann schlecht genug sein, aber es bleibt immer noch menschlich, selbst wenn mancher dabei auf der Strecke bleibt. Aber wenn man sie mit Gewalt vorwärtstreibt..." Schließ- lich, wenn die NATO am "letzten Kapitel des Kommunismus" arbei- tet, dann quält die Hüter ihres freien Geistes eben nur die Sorge, auch diese eindeutige Absichtserklärung des Westens auf die Niedertracht des Gegners zurückzuführen, auf daß ihr Gewissen seine Selbstgerechtigkeit hat: der "Antikommunismus" schlägt zu Recht dort ein, wo er aus"gebrütet" worden ist! Von dieser Warte aus ergeht sich Dichter und Denker in Einpeitscherei, ganz frei. "Konform mit einer Regierung, mit keiner"! Da wird Politikern und Geschäftemachern ganz kritisch vorgeworfen, daß sie das Recht "ehrlicher Menschen" verraten und verkaufen. Jene, indem sie noch immer Diplomatie betreiben, "an den Ehrenwachen vorbeimarschieren und sich umarmen oder nur Hände schütteln, und zu gleicher Zeit ehrliche Menschen eingesperrt bleiben" - als wäre das Ende der Diplomatie eine Gefangenenbefreiung. Und die "Erdgaskäufer und Röhrenverhäufer. Die sind mitverantwortlich für die Politik der sowjetischen Behörden." Im Eifer des Gefechtes merken diese Het- zer nicht einmal, daß ihnen eine Wahrheit über westliche Urheber- schaft und Nutznießer von Gewalt und Ausbeutung im Osten unter- laufen ist. Zu guter Letzt schlagen Böll und Kopelew den westlichen Strategen ganz ohne Konformität deren Mittel vor: "mit den Sowjets... ener- gisch sprechen", sowjetischen "Diplomaten die Bewegungsfreiheit begrenzen,... die Botschaftskader ein bißchen kürzer halten.... sowjetische Schiffe nicht befrachten" usw. usf. Und mit dem gan- zen Reichtum freier Phantasie erspinnt sich Kopelew schon seine Heimat d a n a c h: "Was ich meinem Land wünsche, ist eine Teilung. Eine Teilung, von der ich glaube, daß sie die Rettung der Menschheit wäre. Mini- staaten. Mit einem Übergesetz, mit einer UNO oder wie das auch heißen soll." zurück