Quelle: Archiv MG - KULTUR KUNST/DICHTER - Kunst, Dichter, Intellektuelle


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 98, 03.07.1984
       
       Wochenschau
       

KULTURNOTIZ

Gestorben ist der französische Philosoph Michel Foucault. Ihm widmete die FAZ einen Nachruf, der die einzige positive Wirkung des Druckerstreiks belegt: Von solchem Zeug gab es die letzten Wochen weniger als die übliche Dosis zu lesen. Foucault, so die FAZ, habe das "eindrucksvolle, aber ungenaue Etikett des S t r u k t u r a l i s m u s zeitlebens von sich gewiesen." Vergeblich, denn "zur Charakterisierung seines vielschichtigen Werks bleibt nicht viel mehr als das ungenaue, aber doch ein- drucksvolle Etikett." Dann folgt eine wüste B e s c h i m- p f u n g, die aber für die Maßstäbe des F e u i l l e t o n s eine Laudatio hergibt, weil sich über sowas am gepflegtesten s c h w a f e l n läßt: Foucault "war kein Freund der präzisen Begriffe und der klaren Analyse... ihm lag die überraschende Pointe und die brüske Behauptung mehr als das geduldige Erklären und der überzeugende Beleg. Es war die 'Ästhetik des Ungefähren', die seine Bücher lesenswert, aber auch schwer verständlich machte." Also ein begriffsloser Schwätzer mit abwegigen Einfällen und unverdaulichen Büchern? Weit gefehlt: "Der Preis für das Werk, dessen Kraft vor allem im Zerstörerischen lag." Das "bemerkt ein Kritiker (in der FAZ) respektvoll." Zumal das "Zerstörerische" nur Foucaults "eigene Natur zerrüttet hat." Sein "kompromißloses Engagement für die Benachteiligten, die Kranken, die Irren und Straftäter" brachte ihn nämlich, "brilliant, aber nicht ohne Einseitigkeit" - dies suggeriert ein FAZ-Feuilletonist -, in jenes Pariser Nervenkrankenhaus, in dem er "im Alter von 57 Jahren gestorben ist." Als ausgefallener Charakter ("mitbedingt durch persönliche Erfahrungen") füllt er so noch den kostbaren Platz der FAZ-Notausgabe und den seinen kriegt er von Herrn Konrad Adam zugewiesen: "Sein Einfluß blieb jedoch regional und vielfach auch periodisch begrenzt." zurück