Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA ARGENTINIEN - Zinstragend, zur Zeit demokratisch

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       Nachhilfeunterricht der Bundeswehr
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       Zwischen der Bundeswehr und dem argentinischen Militär, dem hier-
       zulande  schon   einmal  undemokratische  Obristenmentalität  und
       schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen  nachgesagt wurden, be-
       stehen traditionell  "brüderliche Bande"  (alle  Zitate  aus  der
       "Süddeutschen Zeitung"  vom 13.5.). Schließlich ist die BRD einer
       der Hauptausrüster dieser südamerikanischen Armee, hat gemeinsame
       Waffenprojekte mit Argentinien und stellt Ausbildungspersonal. Da
       es sich  um eine Hilfstruppe der NATO handelt, fühlt sich die BRD
       auch für die geistige Aufrüstung der argentinischen Armee verant-
       wortlich.  Für   diese  Erziehungsarbeit   zur  "Integration  der
       (argentinischen) Armee  in  die  Demokratie"  haben  die  Konrad-
       Adenauer-Stiftung der  CDU und die Friedrich-Naumann-Stiftung der
       FDP einige  Gelder übrig,  um Bundeswehrgeneräle und -inspekteure
       auf Agitationsreise nach Übersee zu schicken.
       Die "informieren"  dann, "ohne  zu belehren", ihre argentinischen
       Waffenbrüder darüber,  daß die  angesagte und  von  der  BRD  er-
       wünschte "geistige  Reform" der  Truppe  augenblicklich  Alfonsin
       heißt, und  preisen ihnen  das "deutsche  Modell" vom  "Bürger in
       Uniform" an.  Dabei können freilich, bei aller innigen Waffenbrü-
       derschaft, Mißverständnisse nicht ausbleiben.
       
       "Es war  das Thema,  das schon etliche deutsche Offiziere den Ar-
       gentiniern nahezubringen  versucht hatten:  die Bundeswehr in der
       Demokratie und in der NATO, ihre Offiziersausbildung mit 'Innerer
       Führung', 'Staatsbürger  in Uniform'  etc. Die  meisten Fragen...
       zielten aber überraschend auf etwas ganz anderes: Wie hält es die
       Bundeswehr mit der Terrorismusbekämpfung?"
       
       Was daran  überraschend sein  soll, ist  ziemlich  unbegreiflich.
       Schließlich läuft  auch im  bundesdeutschen  Kasernenalltag  kein
       "Staatsbürger in  Uniform" herum und beeinträchtigt den Kampfauf-
       trag der  Bundeswehr; das  ist vielmehr  der gute  Titel, mit dem
       eine gute  Nation auf  ihre Armee abfärbt. Daß Terrorismusbekämp-
       fung für  die Bundeswehr  kein Thema ist, liegt an etwas ganz an-
       derem: an  gewissen Feinheiten  der polizeilich-militärischen Ar-
       beitsteilung  hierzulande.  Einer  Arbeitsteilung  übrigens,  die
       nicht bloß argentinischen Waffenträgern überhaupt nicht einleuch-
       tet.  D i e  sehen ihren nationalen Auftrag jedenfalls nicht erst
       in Notstandszeiten  darin, auf  den Gehorsam  i m  Land aufzupas-
       sen. Und das sollte bundesdeutsche Kommißköpfe "überraschen"?
       Ein Mißverständnis  konnte allerdings  ausgeräumt werden. Die Be-
       geisterung des Bundeswehr-Ideologen Graf Baudissin für eine demo-
       kratisch  funktionale   Armee  hatten   die   Südamerikaner   als
       "Demokratie in der Armee", als "aufgeweichte Befehlskette" in den
       falschen Hals  bekommen. Da  durften sie  sich von  kompetenterer
       Stelle belehren  lassen: "Befehlen sei auch in Deutschland zu ge-
       horchen, aber nicht blind."
       

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