Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA CHILE - Freiheit statt Sozialismus
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Unzufriedenheit mit Pinochet
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Ungeduld mit dem Militärregime macht sich in den Hauptstädten der
Freien Welt bemerkbar. Selbst die "FAZ" spricht seit kurzem von
einem Diktator, der gescheitert sein soll, weil er 10 Jahre nach
seinem Putsch wieder "zum Ausnahmezustand zurückkehren muß".
Der Imperialismus und seine Ideologen kennen keine Dankbarkeit
gegenüber ihren Kreaturen: Immerhin hat der General Augusto Pino-
chet in den Jahren seines Wirkens mit der l i n k e n
O p p o s i t i o n in Chile so radikal aufgeräumt, daß die Al-
ternative zu seinem Regime heute nicht mehr Unidad Popular, son-
dern "Übergang zu einer pluralistischen Demokratie" heißt. Dafür
sprachen sich letzte Woche die in Brüssel versammelten EG-Außen-
minister aus und bezeichneten als "einzigen Weg" dahin "den Dia-
log zwischen der Militärregierung und der demokratischen Opposi-
tion". Für Verhandlungen mit dem Henker ist der Ausnahmezustand
ungünstig, weiß z.B. die "Süddeutsche Zeitung", weil darunter
auch ein Parteitag der Christdemokraten verzögert wird, was eine
Abwahl der bisherigen "linksgerichteten Parteimehrheit" verhin-
dere. Pinochets "Unnachgiebigkeit" hat bislang bei den
"Nationalen Protesttagen mehr als 100 Personen das Leben geko-
stet", von denen angenommen werden muß, daß sie für eine Demokra-
tie durchaus brauchbar gewesen wären - im Unterschied zu den
Zehntausenden von "Personen", die von Pinochets Todesschwadronen
nach 1973 beim "Wiederherstellen von Ruhe und Ordnung" ermordet
worden sind, ohne daß dies die politischen und ökonomischen Be-
ziehungen der NATO-Staaten zu Chile beeinträchtigt hätte. Jetzt
hingegen drückt selbst US-Außenminister Shultz "die Enttäuschung
der amerikanischen Regierung über die Gewaltanwendung chileni-
scher Sicherheitskräfte gegen Demonstranten aus". Und, was noch
ungleich schwerer wiegt: "Staatschef Pinochet sei sich der Ent-
täuschung der USA wohl bewußt". Zum Glück sind die USA zur Zeit
mit der Gewaltanwendung ihrer Sicherheitskräfte gegen Nicaragua-
ner beschäftigt. Dessen ist sich der Gorilla in Santiago wohl be-
wußt: "Wir kämpfen gegen denselben Feind wie die USA in Mittel-
amerika!" Weil es bei der Kommunismusbekämpfung allerdings aus-
schließlich auf den E r f o l g ankommt, nörgeln seine imperia-
listischen Paten jetzt auf einmal an den M e t h o d e n herum.
Dabei wird nicht vergessen, daß er immer noch einer der Unseren
ist. Forderungen, in deren Namen man Nicaragua verurteilt, sind
hier völlig fehl am Platze: freie Wahlen - viel zu früh. Freie
Betätigung der Regimegegner - viel zu unsicher. Keine Rüstung
über die "legitimen Verteidigungsbedürfnisse" hinaus - wo kämen
wir denn da hin? Beseitigung von Not und Elend doch nicht, wenn
sie sich lohnen. Kein Stützpunkt für Russen - dafür hat man den
Pinochet ja schließlich. Denn Chile ist kein "totalitärer" Staat,
sondern braucht bloß eine "autoritäre" Führung. Auch
Die chilenische Kirche
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hat inzwischen gespürt, woher der Hl. Geist weht, und nach zwölf
Jahren Hochämtern für und mit Pinochet unhaltbare Zustände aus-
findig gemacht: "Druck und Spannung" soll es in Chile geben -
daschauher. Der Erzbischof von Santiago:
"Ich fühle, daß der Herr uns als Kirche eine dringende Aktion ge-
bietet, um so viel Schmerz zu lindern."
Der Pinochet soll exkommuniziert werden, wenn er so weitermacht;
sofort habe er sich zu einem "Dialog über die Gegenwart und Zu-
kunft unseres Landes" zu stellen, wo sie ihm ganz sicher ganz
freche Sachen sagen werden; und um ihrerseits "Druck und Span-
nung" zu erzeugen, werden die Gläubigen zu einem "Tag des Fastens
und Betens" außerhalb der Fußballstadien aufgefordert.
Da ächzt der Caudillo und jauchzt das Christenvolk!
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