Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA CHILE - Freiheit statt Sozialismus
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CHILENISCHES LEXIKON
Central Nacional de Inteligecia (CNI)
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Geheimdienstzentrale, die nicht nur gegen Staatsfeinde ermittelt,
sondern auch beauftragt ist, Staatsfeinde zu erledigen. An ihrer
Spitze steht ein dem Staatschef ergebener Offizier. So ergeben,
daß er ohne weiteres seinen Posten räumt, falls ein prominentes
Opfer gewisse diplomatische Komplikationen verursacht. Er wird
als Attache in die BRD, nach Südafrika oder zu einer anderen be-
freundeten Nation geschickt. Der neue Chef kann so unbelastet und
mit dem nötigen Eifer die Arbeit fortsetzen.
Chicago Boys
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Leitende Beamte im Wirtschaftsministerium. Als Studenten in den
USA besuchten sie die Vorlesungen von Milton Friedman an der Uni-
versität von Chicago. Friedman betrachtet den Kapitalismus ausge-
rechnet vom Standpunkt des Geldes und seiner Vermehrung aus und
beobachtet in der Praxis des Kapitalismus eine ständige Mißach-
tung dieses Standpunktes. Das leuchtete seinen chilenischen Schü-
lern ein, zumal die chilenische Wirtschaft ohne eine eigene harte
Währung mehr schlecht als recht versorgt war. Die Regierung der
Waffenträger war auch schnell überzeugt von dieser Kritik, die
den Weg zu einem harten Peso wies. Die Aussicht auf einen harten
Peso ließ die Augen der Generäle funkeln. Was kann man nicht al-
les für einen harten Peso kaufen! U-Boote bei Herrn Koschnick,
Fregatten bei Mrs. Thatcher... Die Sache wär für die Chicago Boys
in Chile einfach, weil es eigentlich schon eine harte Währung
gab, über die Kredite und Außenhandel abgewickelt wurden: den
Dollar; es genügte, den Peso fest an diesen anzuketten, und das
Werk war fertig. Der R e s t - Produktion und Konsum - war eine
Frage der Anpassung. Die Überwachung der staatlichen Gelddrucke-
rei wurde von Pinochet persönlich übernommen. Die Anpassung ge-
lang, machte aber keinen Halt vor dem "harten" Peso. Als das Werk
in die Phase der Kreditamortisierung eintrat, mußte der Peso
dringend ruiniert werden, um den Export anzukurbeln. Die Ge-
neräle, beraten von ihren Chicago Boys, wollten das aber nicht
sofort einsehen, bis sie sich vor die Alternative gestellt sahen,
entweder als unfähige Staatsmänner abzutreten oder einer weiteren
Kreditierung unter neuen IWF-Auflagen zuzustimmen. Selbstver-
ständlich wollten die Generäle den großen Wirtschaftskrach wegen
seiner politischen Konsequenzen vermeiden, und so trennten sie
sich von ihren Wirtschaftsberatern.
Es wäre verkehrt, die Chicago Boys als Versager abzustempeln. Das
System, dem sie dienten, ist international, und wenn eine Nation
den Schaden trägt, trägt eine andere den Nutzen. Im Spiegel der
erfolgreichen Konkurrenten sieht sich Chile ziemlich am Ende. Für
einen Chicago Boy steht aber fest: Es muß wieder von vorne anfan-
gen.
Doctrina de Seguridad Nacional (DSN)
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Nationale Sicherheitsdoktrin. In Militär- und Polizeischulen gül-
tige Lehre, die davon ausgeht, daß sich die Freie Welt im Krieg
gegen den Kommunismus befindet. Der innere Feind ist "jede Per-
son, die eine radikale Änderung der Gesellschaftsform anstrebt",
so die offizielle Definition. Die Lehre ist keine chilenische Er-
findung, sondern ein US-Fabrikat. Der Waffenlieferant schickt mit
den Geräten auch die Zielscheiben gleich mit.
Mapuche
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Bewohner Chiles indianischer Abstammung, auch Araukaner genannt.
Jahrhundertelang ein Sicherheitsproblem der spanischen Kolonial-
herren. Pater Molina wußte von ihnen in seiner "Geschichte von
Chile" aus dem Jahre 1788 folgendes zu berichten: "Die Herren
(gemeint sind die Häuptlinge, die von den Spaniern einiges ge-
lernt hatten), die Geschmack an ihrer Herrschaft gefunden haben,
hätten gerne ihre Macht vergrößert und als absolute Herrscher re-
giert. Das Volk aber, das noch nicht fähig ist, den Despotismus
zu ertragen, läuft ihnen vor solchen Ansprüchen davon, zwingt
sie, sich zu beherrschen und ihre Macht im Rahmen der alten Sit-
ten zu gestalten."
Diese Zeiten sind in Chile längst vorbei. Was die Häuptlinge
nicht schafften, hat die moderne chilenische Staatsgewalt in den
letzten Jahren mit besonderer Zielstrebigkeit verwirklicht. Denn
diese Indianer waren eine bevorzugte Zielgruppe der Volksfrontre-
gierung gewesen. Die hatte sie in Kooperativen organisiert, ihnen
Schulen, Traktoren und kostenlose Milchspeisungen für die Kleinen
gebracht - und damit "ihre kulturelle Identität zerstört" und,
als Schlimmstes, Haß gegen die Großgrundbesitzer eingeimpft.
Die Militärregierung beendete diese "Misere" militärisch, löste
die Kooperativen auf, verhaftete oder liquidierte die Anführer
von Landbesetzungen und die Volksfrontagitatoren, aber nicht mit
dem Ziel, "das Rad der Geschichte" einfach zurückzudrehen. Die
Rechtslage der Indianer wurde auf ganz moderne Weise revolutio-
niert. Die Reservate wurden aufgelöst, die Gemeinschaften als
Rechtspersonen abgeschafft und der Indianer als moderner Bürger
und Steuerzahler Chiles mit Rechten und Pflichten ausgestattet.
Aus einem Reservat entstanden so viele kleine Ländereien, das
Land wurde aufgeteilt, und da die neuen Bürger kein Geld hatten,
wurde ihnen eine Hypothekarschuld auferlegt. Als Getreideanbauer
und unverbesserliche Selbstversorger waren sie für die Nation
wertlos, so daß sie schnell ihre Schulden, ihr Hab und Gut los
wurden und so dem harten Dasein eines armen Bauern entrinnen
konnten. Sie landeten in den Slums der kleinen und großen Städte,
wo einige Staatsfeinde wurden und andere einen kulturell einwand-
freien Alkoholismus pflegen. Ihre Nachkommen steigen als Bettler
in das freie Leben ein. Deren Seele ist gerettet, denn "Junge
Pioniere" sind sie nicht geworden, und das ist es schließlich,
worauf es ankommt.
Poblaciones
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Elendsviertel. Nationales Erbe, das die Militärregierung durch
ihre Wirtschaftspolitik vermehrt hat und nun als Sicherheitspro-
blem behandelt. Die Regierung, die das Wachstum der Armut so ent-
schlossen fördert, vernachlässigt andererseits nicht die Bekämp-
fung der Armen. Bei ihren sicherheitspolitischen Aktivitäten in
den Elendsvierteln fühlt sie sich von der Kirche belästigt. Diese
Institution erhebt nämlich den Anspruch, das Elend zu betreuen,
ihm eine religiöse Würde zu geben, und mit Volksküchen und Almo-
sen der Staatsgewalt zu zeigen, daß auch dort Bürger Chiles le-
ben, die sich wie jeder anständige Bürger verhalten, sobald eine
Überlebenschance in Aussicht ist. Das Militär weist solche kirch-
lichen Ambitionen als unrealistisch zurück und besteht auf einer
periodischen militärischen Behandlung dieser Sorte von Bürgern,
die es als Kriminelle und Politkriminelle einstuft. Nach einem
Polizeibesuch im Elendsviertel, angesichts zerschlagener Hütten
und weinender Frauen, die um ihre verschleppten Angehörigen trau-
ern, passiert es manchmal, daß ein Kirchenmann seine christliche
Beherrschung verliert und, anstatt wie sein Bischof jede Gewalt-
anwendung zu verurteilen, sagt, man sollte sich das alles ei-
gentlich nicht mehr gefallen lassen. Bei der nächsten Sicher-
heitsoperation ist er dann dran.
Schuldenmanagement
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Techniken zur Verwirklichung des höchsten wirtschaftlichen Ziels
der chilenischen Nation: die Befriedigung anderer Nationen. Das
erfordert eine genaue Kenntnis dessen, was diese Nationen von der
eigenen wollen. Deshalb wäre der Idealmanager der Gläubiger
selbst, was aber wegen der Machtfragen, die sich daraus ergeben
würden, ein Ideal bleibt. In Zeiten der nationalen Insolvenz kann
die Befriedigung des fremden Interesses nur durch eine sehr ge-
naue Abstimmung zwischen beiden Seiten erfolgen.
Aus der Konkursmasse, die die chilenische Wirtschaft darstellt,
soll sich der Kreditgeber weiter bedienen; gleichzeitig sollen
die Unterhaltskosten gesenkt werden. Da der gesamte Außenhandel
der Schuldner von Gläubigern finanziert wird, muß der Schuldner
Handelsbilanzerfolge erzielen. Im Fall Chiles muß er den Abtrans-
port von Rohstoffen, Lebensmitteln und Agrarprodukten so gestal-
ten, daß er immer lieferfähig bleibt. Er muß immer bedenken, daß
die Preise dieser Produkte Kosten für die Gläubiger sind, also je
niedriger, desto besser für die Weltwirtschaft.
Der imperialistische Erfolg ist dann perfekt, wenn es gelingt,
diese Handelsbilanzüberschüsse für den Schuldendienst optimal
einzusetzen. Das verlangt rechtliche Modifikationen in der Ge-
setzgebung des Schuldnerlandes; bei Streitfragen zwischen inlän-
dischen und ausländischen Rechtspersonen soll die Justiz der
Gläubiger entscheiden.
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