Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA CHILE - Freiheit statt Sozialismus
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PINOCHET, CHILENISCHER SOLDAT UND SICHERHEITSMANAGER
DES IMPERIALISMUS
Sein Leben lang war er Soldat. Seit 1973 ist er als Präsident der
Republik Politiker, ohne aufgehört zu haben, als Oberkommandie-
render der Armee Soldat zu sein.
Sein Vorgänger im Präsidentenamt ernannte ihn in einer seiner
letzten Amtshandlungen zum Chef der Armee, nachdem sein Vorgänger
auf diesem Posten, General Prats, zurückgetreten war. Pinochet
ermordete - erwiesenermaßen nicht eigenhändig - beide. Den einen
auf dem Weg zur Eroberung der Macht, den anderen im Zuge ihrer
Konsolidierung.
Er ist kein Feind der Demokratie. Pinochet verehrt die richtigen
Demokratien, vor allem die amerikanische, denn er wollte sein
Chile enger an sie binden. Was er sehr gründlich verachtet, ist
die c h i l e n i s c h e Demokratie. Chilenische Politiker
gelten für ihn, im Gegensatz zu einem Reagan oder einer Mrs.
Thatcher, als korrupte, willenlose Subjekte, und die Parteienkon-
kurrenz im Lande als eine Krankheit, bei der die Formen der Demo-
kratie gegen ihren ökonomischen Inhalt gekehrt werden, der poli-
tische Gehorsam in Ungehorsam und der Respekt vor dem Privatei-
gentum in Respektlosigkeit verwandelt wird. Auf diese Weise wurde
in Chile jahrelang gegen die nationalen Interessen der größten
Demokratie der Welt verstoßen, bis Pinochet eben an die Macht, an
die Spitze der Armee kam. Er nahm an höchster Stelle die Sicher-
heitsinteressen der USA in Chile wahr und leistete so auf seine
Art mit der Errichtung einer Diktatur einen Dienst gegenüber dem
Westen, einen Dienst also für die Demokratie schlechthin.
Es ist auch nicht wahr, daß er meint, es sei für die Staatsfüh-
rung immer das Einfachste und Sicherste, zu töten - so etwas
überläßt er von Fall zu Fall seinem Sicherheitsdienst -, sondern
er meint, die permanente Notwehrlage der Nation erkannt zu haben:
"Der Marxismus ist mehr als eine perverse Lehre an sich, er ist
ein permanenter Überfall", der das Töten immerzu erforderlich
macht.
Demokratische Legitimationsakte liebt er so sehr, daß er sich als
einziger Kandidat zur Wahl stellte, die Armee als Wahlhelfer ein-
setzte und gewann. Auch die neue Verfassung ließ er vor das Volk
bringen. Und das Volk sagte Ja!
Als er zum Präsidenten gewählt wurde, besann er sich schlau auf
seine Hausmacht und blieb Oberkommandierender der Armee. Ewig
will er nicht an der Macht bleiben, teilen will er sie aber auch
nicht. Was ihm angesichts der wachsenden Unzufriedenheit seiner
Untertanen in immer klareren Konturen vorschwebt, ist, einen
neuen 11. September zu veranstalten, einen, der seine Machtüber-
nahme weit in den Schatten stellen wird, eine Apotheose der Ge-
walt, die seiner Größe als Staatsmann gerecht wird.
Vor kurzem sagte er im Fernsehen zu seinen Gegnern: "Macht euch
keine Illusionen! Wenn ihr mich tötet, werden andere an meine
Stelle kommen und die gleiche Politik fortsetzen." Richtig! Sich
selber als die Charaktermaske einer imperialistischen Notwendig-
keit zu sehen, steht ihm hervorragend. An ihm klebt die Maske des
Henkers, des größten Henkers des chilenischen Volkes, und ebenso
wie seine demokratischen Lenker ist auch er austauschbar.
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