Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA CHILE - Freiheit statt Sozialismus


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 21, 20.06.1983
       
       Wochenschau
       

9 JAHRE UND 9 MONATE PINOCHET -

und den befragten demokratischen, von christlicher Moral erfüll- ten Aufpassern des Weltgeschehens waren Terror und Verelendung beim Kupferlieferanten und Kreditimporteur Chile sehr recht. So recht, daß sie das eine nur unter dem Titel "Ordnung - schmerz- haft, letztlich aber wohltuend und nötig" zur Kenntnis genommen, das andere als "mutiges, vielleicht zu gewagtes Experiment mit der freien Marktwirtschaft" wohlwollend-kritisch beäugt haben. Wo Hunger und Folter sich nicht gänzlich ignorieren ließen, leiste- ten sie den ideologischen Dienst, jeden Kritiker auf eine vorab abzuliefernde Polen- und SU-Schelte festzulegen, wobei der "humanitäre" Widerwillen dort dem bösen System, in Chile dagegen den Auswüchsen eines prinzipiell guten Systems zu gelten hat. Dann hat Pinochet den "unverzeihlichen Fehler" (Kohl) begangen, einmal den Falschen verhaften zu lassen; den Führer der chileni- schen Christdemokraten, der eine dem Westen wohlgefällige Linie des kritischen Opportunismus gegenüber der Militärdiktatur einge- schlagen hatte und als löbliche Alternative jüngst erst noch von Kanzler Kohl empfangen worden war. Das ging zu weit! Kommunisten verhaften und umbringen - aber immer. Ein verelendetes Proleta- riat terrorisieren, weil es ein einziger Sumpf des Sozialismus ist - na klar. Aber ein alternatives, frommes B o l l w e r k g e g e n linke Umtriebe in den Knast stecken: das treibt einen Geißler und einen Kohl auf die Freiheitsbarrikaden. Und ihrem christdemokratischen Freiheitskampf war Erfolg beschieden. Z w e i T a g e H a f t haben genügt, um aus Sebor Valdez das ärmste Opfer der Junta zu machen - und aus seiner von außen erz- wungenen Freilassung einen christdemokratischen deutschen Rechtsanspruch auf eine Neuordnung der chilenischen Verhältnisse - gemeinsam mit den USA und d e r e n Protégé Pinochet, soweit der noch verläßlich ist. So praktiziert der Imperialismus die Bergpredigt gegen seine politischen Geschöpfe. zurück