Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA CHILE - Freiheit statt Sozialismus
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Wochenschau
KEINE SCHLAGZEILEN MACHTE
diese Tage die Lage in Chile, die Verhängung des Kriegsrechts und
die Verkündung des Belagerungszustandes über Santiago. Dieser
Staat, dem ja wie so manchem anderen bekannten Terrorregime hier-
zulande ganz offiziell der Vertrauensvorschuß verliehen ist,
dortige Verhaftungen, Folterungen und Schießbefehle auf Opposi-
tionelle als dornenreichen "Weg zu Demokratisierung" betrachten
zu wollen, verliert diesen propagandistischen Sympathiebonus eben
auch dann nicht, wenn das Gerede von der Lockerung des staatli-
chen Zugriffes regierungsamtlich durch Polizeiknüppel und den
Einsatz des Militärs gegen den inneren Feind dementiert wird. Und
warum nicht? Schließlich sind die lateinamerikanischein Gorillas
"unsere" verläßlichen Partner und der Zustand des Landes, für den
sie mit all ihrer Gewalt einstehen, ist nützlich für uns. Drum
macht es auch gar nix, wenn die Machthaber dort unten ihre eigene
und erweiterte Ermächtigung zur Liquidierung jeglichen Widerstan-
des mit Sprüchen kommentieren, als wollten sie hiesigen Demokra-
tieidealisten Nachhilfeunterricht in Sachen Polizeistaat ertei-
len. So räumte der als "Liberaler" gerühmte Innenminister seinen
Posten mit dem Argument, er habe eingesehen, daß
"Liberalisierung" nichts tauge, "weil sie nur das Entstehen oppo-
sitioneller Gruppen begünstigt". Ein "Argument", das jedem zivi-
lisierten Demokraten sofort einleuchtet: Freiheit ist die Gnade
des Staates, seinen Untertanen das Ja-Sagen zu erlauben, andern-
falls... siehe Chile.
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