Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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DIE LAGE IN NICARAGUA
Wenn ein US-Flugzeugträger mit 6.000 Mann und 90 Flugzeugen in
der Karibik kreuzt, ergänzt durch 15 Marineeinheiten der USA;
wenn in Honduras eine US-amerikanische Fallschirmeinheit ab-
springt, die beim "Straßenbau" eingesetzt werden soll; wenn Auf-
klärungsflugzeuge der Amerikaner über Nicaragua jede Bewegung auf
dem Lande kontrollieren und amerikanische Kriegsschiffe jede See-
fracht nach Corinto, dem größten Hafen Nicaraguas, begleiten;
wenn weltöffentlich Überlegungen über unerlaubte (wer erlaubt
hier wem was?) Waffenlieferungen an die Sandinisten angestellt
werden, dann kann man konstatieren: Eine US-Invasion in Nicaragua
findet eindeutig n i c h t statt! Das ist sogar die Wahrheit,
wenngleich nur die halbe. Denn das, was da zur Zeit in und um Ni-
caragua passiert, ist alles andere als eine U n t e r l a s-
s u n g:
Die Invasion findet nicht statt. Nur Krieg!
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Wenn die USA über ihren CIA ausgerechnet zur Kaffee-Erntezeit die
Contras zu verstärkten Einsätzen ins Land schicken und entspre-
chend ausrüsten; wenn also die Verrichtung der alltäglichen Ar-
beit in bestimmten Gegenden des Landes eine Sache von Leben und
Tod ist, dann läßt sich auch dazu sagen: Eine US-Invasion in Ni-
caragua findet nicht statt. Und auch daran ist eben soviel wahr,
daß amerikanische Dollars, Waffen, militärische Ausbildung, Logi-
stik und Befehle einen Bürgerkrieg anheizen, ohne daß auch nur
ein amerikanischer Ledernacken höchstpersönlich seinen Fuß auf
nicaraguanischen Boden gesetzt hat. Also:
Die Invasion findet nicht statt. Nur Krieg!
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Diese gemeine Logik ist sehr gezielt inszeniert worden. Da setzen
die Amerikaner gleich am Tage nach Reagans Wiederwahl mit unver-
hüllten Drohungen, Manövern und Truppenbewegungen erst die Inva-
sion in Nicaragua auf die weltpolitische Tagesordnung. Wochenlang
haben die imperialistischen Hetzblätter nur zwei Themen: erstens,
wann die Invasion zu erwarten sei; und zweitens, daß das Volk von
Nicaragua schon lauthals nach seiner Befreiung durch amerikani-
sche Raketen und Bomben schreie. Dann stellen die USA fest, daß
die Invasionsdrohung bereits ein Mittel ist, ein Land wie Nicara-
gua fertigzumachen. Sie verzichten fürs erste darauf, die militä-
rische Endlösung unmittelbar in die Hand zu nehmen. Und schon
gelten ausgerechnet die O p f e r der mit Krieg flankierten In-
vasionsdrohung als die Blamierten: als Hysteriker, die wohl
selbst etwas im Schilde führen müssen, wo ihre Mobilmachung doch
offensichtlich jeder Grundlage entbehre.
Die Lage in Nicaragua ist also trostlos: Jeder Versuch der Sandi-
nisten, sich auf die offen angekündigte militärische Endlösung
mit einer allgemeinen Mobilmachung, mit der Versetzung von Ern-
tebrigaden von den Plantagen zum Bau von Schützengräben, mit dem
Einkauf von Waffen, die sie überhaupt nur noch in der Sowjetunion
und verbündeten Staaten bekommen, mit täglichen Übungen und Er-
ste-Hilfe-Kursen für die Bevölkerung usw. vorzubereiten, beschert
ihnen gleich d o p p e l t e n Ärger.
E r s t e n s kann ein Land wie Nicaragua all die - ohnehin
durch Somozas blutiges Wirken begrenzten - Kräfte, die es zur
Landesverteidigung aufbietet, nicht bei der Ernte, in den Fabri-
ken und Schulen einsetzen.
Und z w e i t e n s handelt sich Nicaragua mit der Mobilmachung
g e g e n die Invasions d r o h u n g neue Angriffe ein: Die
USA und ihre Verbündeten entdecken darin neue "Beweise" dafür,
daß sie mit ihrer längst feststehenden Verurteilung Nicaraguas
als Regime, dessen Tage gezählt sind, r e c h t haben.
Auch dem geübten imperialistischen Auge, hierzulande wie in den
USA, gilt der vor Nicaragua kreuzende Flugzeugträger Nimitz als
Teil eines harmlosen M a n ö v e r s; wohingegen die Einberu-
fung von Reservisten in Managua im Zweifelsfall "beweist", daß
Nicaragua Honduras überfallen will. So ist die dauernde Invasi-
onsdrohung und der laufende Krieg in Nicaragua wegen der entspre-
chenden militärischen Abwehrmaßnahmen und der Dauermobilmachung
der sehr bewußt von den USA in die Wege geleitete, allmähliche
Ruin der Sandinisten - und dient zugleich zur "Begründung" wei-
tergehender Maßnahmen seitens des Westens.
Geheimverhandlungen zwischen den USA und Managua haben von seiten
der USA denn auch nur einen Sinn: festzustellen, wie erfolgreich
ihre Operation bereits ist und ob die Sandinisten vielleicht
schon Verhandlungsangebote vorlegen, die ihre Kapitulation ein-
schließen. Wie immer ist das Schöne also an solchen Verhandlun-
gen, daß sie kein E r s a t z für den Waffeneinsatz sind, son-
dern gerade umgekehrt mit dem Waffeneinsatz erreichte Erfolge am
grünen Tisch einheimsen sollen. Von wegen, wo geredet wird, wird
nicht geschossen. Wo geschossen wird, haben die Gewinner gut re-
den!
So kann sich der Krieg der USA gegen Nicaragua noch hinziehen.
Damit ist er imperialistischer A l l t a g. Aus den Schlagzei-
len ist Nicaragua schon lange verschwunden. Wo käme die westliche
Journaille auch hin, wenn sie über jede imperialistische Schläch-
terei dauernd berichten würde. Wenn die Operation "Sandinisten
müssen weg" e r f o l g r e i c h zu Ende geführt wird, dann
werden Presse und Fernsehen sich noch einmal diesem Schauplatz
des 3. Weltkriegs zuwenden. Das reicht ja wohl!
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