Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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DIE VERBRECHEN DER RUSSEN
Die MSZ wird sich hüten, den Russen in irgendeiner Sache Recht zu
geben. Die Regierenden verstehen nichts von Planwirtschaft, dafür
verstehen sie sich sehr gut auf die Dialektik, die zwischen Ge-
walt und Moral haust. Die Regierten hinwiederum stellen sich
höchst brav darauf ein und bilden ein Bilderbuchvolk; weitaus
besser gebildet als die Massen im freien Westen verwenden sie
ihre freie Lebenszeit darauf, Patrioten zu sein - ohne unter-
scheiden zu können, welche von den ihnen unterbreiteten Gründen
stimmen und welche nicht.
Diese Auffassung hilft weder den Russen noch der MSZ. Die Russen
haben schon eine fertige Weltanschauung und lassen sich immerzu
von der Akademie der Wissenschaften weiter ausfeilen. Die MSZ hat
keine Weltanschauung, und das wird ihr von allen Seiten, auch vom
anvisierten Publikum, schwer übelgenommen. In Sachen Russen heißt
das, daß unsere V e r u r t e i l u n g einfach nicht mit der
erwünschten Hetze gegen den Feind zusammenfällt. Das stört demo-
kratisch denkende Menschen in diesem, unseren Lande so sehr, daß
sie eine Kritik am realen Sozialismus gar nicht mehr entdecken
bei uns. Die nüchterne Bestandsaufnahme der im Osten betriebenen
Politik kommt ihnen vor wie ein einziges Lob auf den Feind. Ver-
mißt werden die im Westen alleingültigen M a ß s t ä b e der
Kritik; weil wir uns die nicht zueigen machen, dürfen wir uns
ständig fragen lassen, was wir für das "Unrechtssystem" übrig ha-
ben.
Darauf fällt uns auch nichts anderes ein, als erstens die Kon-
struktionsprinzipien des offiziellen Feindbilds zu erklären,
damit jedermann wenigstens an einer Stelle nachlesen kann, wie es
zu den bescheuerten Befunden gelangt, denen nichts wie der
Imperativ universeller imperialistischer Einmischung zu entnehmen
ist. Zweitens halten wir es für geboten, ab und zu die
tatsächlichen Leistungen der Russen zu registrieren, ohne gleich
den Generalhammer einzusetzen, der die "Herrschaft des Rechts" so
unwidersprechlich zum Todesurteil über die Verbrecher im Osten
bemüht.
Der Vorteil liegt auf der Hand. Eine objektive Kritik an den Rus-
sen erlaubt glatt die Entdeckung w e s t l i c h e r V e r-
g e h e n, wenn es denn schon um die Schuldfrage und ihre
Weiterungen gehen soll. Darüber hinaus führt sie auf einen Be-
griff der sowjetischen Touren, auf die Unarten des Imperialismus
zu r e a g i e r e n. Und das macht auch den Nachteil unserer
Argumente klar. Bei "Reaktion" denkt ja doch wieder jeder gleich
an E n t s c h u l d i g u n g, obwohl beides ganz und gar
nicht dasselbe ist.
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