Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Entwicklungshilfe 89:
       

WIR HELFEN NICARAGUA FRAGT SICH NUR: WOZU?

Anfang Juni reiste Nicaraguas Staatspräsident, der Sandinist Or- tega, nach Bonn, um um Geld für den Wiederaufbau des durch den Krieg der Contras zerstörten Landes zu betteln. Bonn sollte die 1983 eingefrorenen Entwicklungshilfegelder wieder bewilligen. Das Ergebnis: eine glatte Abfuhr für den Chef der Sandinisten. Das wäre ja noch schöner, unsere damalige bundesdeutsche Begleitmaß- nahme zum US-finanzierten Contraterror gegen die Sandinisten kurz vor Erreichen des Ziels aufzuheben. Die Sandinisten könnten ja glatt ihrem Volk was zu beißen geben und so ihr Regime noch eine Zeitlang aufrechterhalten. Dafür ist deutsches Geld zu gut. Mitte Juni reiste Bonns Entwicklungshilfeminister, der Christ Warnke, nach Managua, um "vor Ort zu erkunden, welche Fort- schritte die Demokratisierung macht" (Spiegel v. 12.6.89). Er in- formierte sich bei der dortigen kriegsführenden und hetzenden Op- position über ihre Aussichten, die Sandinisten im Februar 1990 bei den Wahlen zum Teufel zu jagen. Das Ergebnis der Erkundigung: Ein Wahlsieg der Opposition ist nicht gesichert, also gibt es "Defizite im Bereich der Demokratisieung" (taz, 10.6.). Und dies- mal hatte Warnke Geld im Koffer: 1,6 Mio. Nahrungsmittelhilfe für die Erzdiozöse Managua, damit die Kirche die Seelen einfängt, um sie gegen den Teufel an der Macht aufzuhetzen. Weiter spendiert Warnke eine Aufstockung der "humanitären Hilfe" für die Hurrikan- Opfer vom letzten Jahr auf 10 Mio DM - natürlich nicht den Sandi- nisten, sondern direkt an denen vorbei den "Hilfsorganisationen vor Ort", damit die Opfer wissen, von wem sie was zu erwarten ha- ben und von wem nicht. Das alles als Einstiegspreis, um seine An- sprüche geltend zu machen. Die Sandinisten kriegen weiterhin kein Geld, dürfen sich dafür aber bei den Wahlen helfen lassen, die zu ihrem friedlichen Sturz führen sollen. Deutsche Computer werden finanziert, damit auch sicher die richtigen Stimmen gezählt wer- den; die Spesen von Wahlbeobachtern werden getragen, damit ein falscher Wahlausgang auch als Wahlbetrug entlarvt werden kann (wir empfehlen Jimmy Carter - der hat schon Erfahrungen in Panama gesammelt). Fehlen eigentlich nur noch die Wahlzettel mit dem Kreuz an der richtigen Stelle vorgedruckt - dann würde sich der Einsatz von ein paar Millionen guter Deutscher Mark sicher loh- nen. zurück