Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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WAS DIE NICARAGUANER AM WENIGSTEN BRAUCHEN, DAS IST DEMOKRATIE!
1.
Warum sollen die Nicaraguaner jetzt wählen? Sie haben die Sandi-
nisten im Aufstand gegen den US-Diktator Somoza gestützt. Sie ha-
ben sich also zwischen dem US-Diktator und den Sandinisten
e n t s c h i e d e n. Wählen, damit Volkes Stimme zum Ausdruck
kommt - einfach absurd!
2.
Nach der Revolution haben die Sandinisten das Volk bewaffnet, da-
mit es sich in dem von den USA angezettelten Krieg der Contra
wehren kann. Das haben die Nicaraguaner getan. Sie haben sich mit
den Waffen gegen Sabotageakte der Contra so gut es ging vertei-
digt. Jetzt sollen sie die Möglichkeit bekommen, der Contra mit
ihrer Wahlstimme eine Teilhabe an der politischen Macht zu ver-
schaffen? Das ist eine Zumutung!
3.
Noch ist der Krieg in Nicaragua nicht beendet. Täglich werden Ni-
caraguaner ermordet. Die Versorgungslage ist durch Wirtschafts-
und Kreditboykott katastrophal. Von seiner Europareise hat Ortega
statt der erhofften 500 Mio. Dollar gerade 50 Mio. Dollar mitge-
bracht. Und was soll - nach Auffassung des versammelten Westens -
den Nicaraguanern vor allem fehlen? Eine demokratische Wahl! Das
ist gemein!
4.
So eine Wahl haben die Sandinisten auf Druck von außen 1984 schon
einmal abgehalten. Teile der Opposition hatten sich damals gleich
abgemeldet, als sie merkten, daß sie chancenlos waren. Und was
haben diese Wahlen Nicaragua gebracht? Nur die überflüssige Be-
stätigung durch das Volk, daß die Sandinisten weiter machen sol-
len. Deswegen waren diese Wahlen für den Westen natürlich
n i c h t demokratisch. Sie hatten das falsche Resultat erbracht.
Das war zu erwarten gewesen!
5.
Jetzt, nach 5 weiteren Kriegs- und Boykottjahren, will der freie
Westen eventuelle Zahlungen von erneuten Wahlen abhängig machen.
Er setzt darauf, daß das nicaraguanische Volk weich gekocht ist;
daß es nicht mehr unterscheiden kann, wem es Hunger und Sterben
zu verdanken hat. Nicht vom S t a t t f i n d e n der Wahlen,
sondern von ihrem antisandinistischen A u s g a n g wird also
abhängig gemacht, ob sie als d e m o k r a t i s c h e Wahlen
Gnade vor den Augen des Westens finden.
6.
Das sollen sich die hiesigen "Nica"-Fans hinter die Ohren schrei-
ben, die Ortega auf dem Marktplatz zugejubelt haben, wie er öf-
fentlich seinen Kotau vor Kohl und Wedemeier vollzog und ein ums
andere Mal beteuerte, man werde allen westlichen Demokratieforde-
rungen nachkommen und sogar US-Botschafter zur Wahl einladen. Für
diese K a p i t u l a t i o n s erklärung gegenüber dem sandini-
stischen Programm gab es Beifall. So geht heutzutage linke
"Solidarität"!
7.
Auch eine 1989 erneut gewonnene Wahl wird Ortega nicht nützen.
Denn die Rückkehr in die "Wertegemeinschaft des freien Westens"
ist von Nicaragua verlangt und nicht eine erneute mehrheitliche
Willensbekundung von Nicaraguanern, daß man diese
"Wertegemeinschaft" unter Somoza hinreichend kennengelernt habe
und deshalb selbst in einem aussichtslosen Kampf gegen sie die
einzige Alternative sehe.
8.
Was die Nicaraguaner also am wenigsten brauchen, ist eine Demo-
kratie
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