Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Der US-Krieg hat die Sandinisten geschafft.
       

DIE UMARMUNG DURCH DIE SPD GIBT IHNEN DEN REST

Wenn der Präsident Nicaraguas in Europa um ein bißchen Frieden und Lockerung der wirtschaftlichen Erpressung bettelt, dann darf er sich des Schulterklopfens deutscher Sozialdemokraten gewiß sein. Ihnen nutzt das allemal. Ihr guter Ruf, in Mittelamerika als Friedensengel vermittelnd und versöhnend tätig zu sein, wird ja von Ortega leibhaftig beglaubigt, wenn ihm nichts anderes mehr übrigbleibt, als sich an die SPD als Hoffnungsträger zu wenden. Den schlechten Ruf, westliche Interessen an einen Revolutionär verraten zu haben, braucht die SPD nicht zu befürchten. Ortega kommt ja kleinlaut als Bittsteller. Beides paßt ins SPD-Konzept: eine staatstragende Partei des Westens mit menschlichem Antlitz. Und wie hat die SPD das zustandegebracht? Als Parasit an einem amerikanischen Krieg. "Vermitteln" sprich: Erpressen ------------------------------ Frühzeitig haben sich Willy Brandt und die Sozialistische Inter- nationale, aber auch die SPD selbst und vor allem Wischnewski als "Vermittler" im Söldnerkrieg der USA gegen Nicaragua eingeklinkt. Bezeichnenderweise immer nur in einer Richtung. Nie sind sie nach Washington gefahren, um mit "deutschem Gewicht" den USA ein biß- chen Respekt vor dem sandinistischen Staatsprogramm der Volksver- sorgung abzuhandeln. Umso häufiger haben sie sich von Ortega ein- laden lassen, um ihm wie eine Lebensversicherung die Annahme der Forderungen anzubieten, in deren Namen die USA Krieg führen lie- ßen. So könnte der Krieg aufhören - mehr versprochen haben die Sozis nie. "B l o c k f r e i h e i t" sollte Nicaragua zusichern - dem w e s t l i c h e n Block natürlich. Und das, während Nicaragua von einem US-Krieg überzogen war und von einem Wirtschaftsboykott des gesamten Westens, der schon gleich gar keine Waffen zur Ver- teidigung lieferte. Also sollte Nicaragua entweder kapitulieren - oder mit Waffenbezügen aus dem Osten "zugeben", daß die USA nicht ganz unrecht haben mit ihrem Krieg. Ortegas Bekenntnis, man habe nie ein Mitglied des Ostblocks werden wollen und bleibe dabei, hat auch den sozialdemokratischen Friedensfreunden nie gereicht. Wenn Ortega jetzt praktisch zugesteht, Nicaragua m ü s s e im W e s t e n nach Hilfe suchen, schmeckt den Sozis die "Blockfreiheit" schon eher. "F r e i e W a h l e n" sollte Nicaragua abhalten. Wahlen, bei denen nur Politiker zur Auswahl stehen, die auf dem Boden des Grundgesetzes des neuen Nicaraguas stehen, waren auch den Sozialdemokraten entschieden zuwenig, die hierzulande die "Gemeinsamkeit der Demokraten" gegen alle "Extremisten" beschwö- ren. Die Sandinisten sollten zugestehen, daß man bei ihnen auch die Extremisten wählen kann: die bewaffneten Contras. "G e m i s c h t e W i r t s c h a f t" sollte in Nicaragua walten. Dabei haben die Sandinisten nie die privaten Geschäftema- cher enteignet, sondern nur ein bißchen in die Sozialpflicht für einen staatlichen Wirtschaftssektor genommen, der auch den vom Geschäft Gelackmeierten Arbeit, Versorgung, Bildung und Gesund- heit verschaffen sollte. Das war auch den Sozis nicht "gemischt" genug. Also haben auch sie nur mehr Freiheit für die private Ge- schäftemacherei verlangt, und das, während die Sandinisten ihre Staatswirtschaft immer mehr zur reinen Kriegswirtschaft umstellen mußten, anstatt das Volk versorgen zu können. Wenn Ortega jetzt in der BRD um ein bißchen Kredit und Mitmachen am kapitalisti- schen Weltmarkt bettelt, schmeckt der SPD die "Mischung" sicher schon besser. Bei den fälligen Waffenstillstandsverhandlungen war SPD-Wischne- wski der Berater der Sandinisten. Und auch hier zeigte sich, wer sich den Rat solcher Freunde zuzieht, hat nichts zu lachen. "Versöhnen" sprich: Zersetzen ----------------------------- "FR: War es nicht auch ein weitgehendes Zugeständnis, daß sich die Contra, obwohl sie noch nicht die Waffen niederlegen wird, sondern vorerst in bestimmten Zonen konzentriert wird, mit Dele- gierten am nationalen Dialog der politischen Parteien beteiligen kann? Wischnewski: Das war ein Punkt, den die Sandinisten, ohne danach gefragt gewesen zu sein, auf meinen Vorschlag hin in Guatemala bei dem letzten Treffen eingebracht haben." (FR, 26.3.88) Für die Zusammenlegung von Terroristen in Großgruppen bei voller Bewaffnung und ihre Beteiligung an einem nationalen Dialog über den zukünftigen Kurs der Nation, dafür spricht sich die SPD aus - in Nicaragua. Seither sieht die SPD "Fortschritte" bei der "nationalen Versöhnung". Und das ist ihre Realität: Die Sandini- sten regieren unter ständiger Bürgerkriegsdrohung. Die Contras mit ihren Dollars aus der "humanitären Hilfe" der USA zerrütten den nicaraguanischen Markt und zeigen ständig, was es kostet, auf der Seite der Sandinisten zu sein. Und ihre politischen Führer machen mit beidem - der "Pressefreiheit" sei dank - Propaganda und Politik im "nationalen Dialog". Und Sozialdemokraten wie jüngst Bremens Wedemeier fahren zum "Freundschaftsbesuch" nach Nicaragua und ermuntern dort die Regierungsgegner, so gehe demo- kratische Opposition. Gesten der Solidarität... ------------------------- Das gibt es auch noch von Sozialdemokraten für Nicaragua: Städte- partnerschaft à la Corinto/Bremen, Sperrmüllsammlungen für nicaraguanische Schulkinder und demonstrative Besuche von SPD'lern beim Einsatz von Arbeitsbrigaden, in denen europäische Touristen auf Solidarität machen. Auf Befriedigung des Bedarfs ist das alles erkennbar nicht be- rechnet. Aber das ist auch gar nicht das Ziel sozialdemokrati- scher Umarmungen. Wenn wirklich bundesdeutscher Reichtum nach Ni- caragua fließen soll, dann hat es dort um etwas ganz anderes zu gehen. ... und worauf sie berechnet sind --------------------------------- "Wischnewski: ...Ich hoffe, daß jetzt auch in der Bundesrepublik die notwendigen Entscheidungen, zum Beispiel in der Wiederauf- nahme einer Kapitalhilfe getroffen werden." "Kapitalhilfe" ist nun mal was anderes als Mildtätigkeit, nämlich Hilfe fürs bundesdeutsche Kapital, aus Nicaragua langsam aber si- cher wieder eine Anlagesphäre für westdeutsche Geschäftemacher zu machen. Bis Nicaragua wieder dafür reif ist, erhalten die miesen Geschenke die Freundschaft. Und bei den Bundesbürgern die gute Meinung, es gehe um "Hilfe". zurück