Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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Der Veranstaltungstip
IMPERIALISMUS UND ANTIIMPERIALISMUS
am Beispiel Nicaragua
Wenn in einem Land der "Dritten Welt", also einem jener Staaten,
deren Existenz Produkt des Imperialismus ist, ein Diktator ver-
trieben wird, der es mit tatkräftiger Organisation der Ausplünde-
rung seines Herrschaftsgebiets zu Reichtum gebracht hat, so sind
solche Erfolge von Befreiungsbewegungen regelmäßig Gegenstand von
interessierten Deutungen. Ob nun ein "zweites Kuba" drohe, war
die besorgt ventilierte Frage in der hiesigen bürgerlichen Jour-
naille - daß dem US-Imperialismus eine folgenreiche Niederlage
beigefügt sei, die hoffnungsfrohe Erfolgsmeldung der Linken, als
vor mehr als einem Jahr in Nicaragua die von US-Dollars und Na-
tionalgarde aufrechterhaltene Somoza-Herrschaft gestürzt wurde
und eine "Junta des nationalen Wiederaufbaus" die Macht im Land
ergriff. Was es mit solchen Interpretationen des Weltgeschehens
auf sich hat, soll die Veranstaltung am Donnerstag klären, auf
der das Geschäft des Imperialismus im "dritten" Teil der Welt un-
tersucht und am Beispiel der Ereignisse in Nicaragua vorgeführt
wird. Dabei werden unter anderem folgende Fragen zur Sprache kom-
men:
- Ist mit dem "Statthalter des Imperialismus" auch der Imperia-
lismus aus dem Land und kann jetzt mit einer Politik im
"wirklichen Interesse des Landes" begonnen werden?
- Was bedeutet es, daß sich der "Wiederaufbau des Landes" auf den
Export von Rohstoffen stützt, mit denen also offensichtlich an-
derswo ein Geschäft zu machen ist: liegt hier ein Fall von wech-
selseitiger oder einseitiger Abhängigkeit vor oder was?
- Worin besteht eigentlich die nun an "der Macht befindliche
"Einheit des Volkes in einem solchen Land? Was haben die Campesi-
nos mit den Kaufleuten in der Stadt zu schaffen?
- Wenn in Nicaragua die "zweite Revolution" als eine Alphabeti-
sierungskarnpagne abgelaufen ist, die sich zum Ziel gesetzt hat,
auch dem letzten Subsistenzbauern lesen und schreiben beizubrin-
gen, geht es dann wirklich nur ums Beherrschen des Alphabets,
oder vor allen Dingen um mehr?
- Indio-Schnitzwerke made in Nicaragua in einem 3. Welt-Laden zu
erstehen, auf Solidaritätsveranstaltungen hierzulande das Volks-
liedgut zu goutieren, was dort jetzt wieder in den Städten und
Dörfern gesungen wird und sich über dichtende Staatsmänner zu
freuen - was ist das für ein Beitrag im Kampf gegen den Imperia-
lismus?
- Wenn nach einer gelungenen Machtübernahme durch die Befreiungs-
bewegung der "Alltag" im Land neu einkehrt: -
"Solange Nicaragua keine Schlagzeilen bei uns macht, können wir
beruhigt sein um dieses Land. Und so lange wird Nicaragua für
Millionen Menschen in aller Welt Hoffnung provozieren, daß Verän-
derung entgegen den Prognosen von Technokraten möglich ist."
(Nicaragua aktuell)
ist dann wirklich Grund zur Beruhigung?
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