Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 87, 17.01.1984
       

ARBEITSBRIGADIST SCHERF INSPIZIERT DIE FRONT

Als MdB SPRANGER von der CSU sich vom CIA die "saubere Arbeit" der US-marines auf Grenada vorführen ließ, hielten manche Stimmen der deutschen Öffentlichkeit das dann doch für eine zu offenher- zige Beglückwünschung des US-Krieges durch einen deutschen Frie- denspolitiker. Wenn Bremens Sozialsenator Henning Scherf als pro- minenter Arbeitsbrigadier in Nicaragua einen anderen Kriegsschau- platz des freien Westens besichtigt, kommt dieser Vorwurf nicht auf. Eher der umgekehrte, hier sympathisiere ein demokratischer Politiker deutscher Nation ungebührlich mit einem freiheitsfeind- lichen Regime. Und das nur, weil es dieser Charakterlinke nicht nur bei seiner Arbeit als Bremens Verelender, sondern auch auf Weltreise versteht, die O p f e r freiheitlicher Politik dafür zu loben, daß sie gegenüber den gewalttätigen Erpressungen Nach- giebigkeit, also "Vernunft" beweisen: "Pressezensur... weitgehend zurückgeschraubt. Außerdem bemühe man sich um die Rückkehr der zahlreichen Emigranten.... Ankündigungen, Wahlen abhalten zu wol- len." Mit diesen "positiven Eindrücken" meldet Scherf nichts Ge- ringeres zurück als den Vollzug all der Ansprüche des Westens durch die Sandinistas, in deren Namen Nicaragua militärisch, po- litisch und ökonomisch bekriegt wird. Kritik am US-Krieg? Von we- gen. "Eine Normalisierung von der täglichen Bedrohung, obwohl weiter gekämpft wird, habe er beobachtet." Allenfalls läßt Scherf durchblicken, seines Erachtens sei zur Erreichung der von ihm ge- teilten westlichen Ziele der Krieg gegen Nicaragua vielleicht überflüssig. Wo doch die Sandinisten in der alternativlosen Hoff- nung, gegenüber der westlichen Kapitulationsforderung wenigstens Zeit zu gewinnen, den ehedem vertriebenen herrschenden Clans wie- der den Zugang zu Reichtum und politischer Macht eröffnen, und wo er, der fünftklassige Lokalpolitiker, sich diesem Staat gegenüber so aufführen konnte, wie er es gegenüber Sozialfällen hier tut. "Eine Medikamentenspende im Wert von rund 50.000 Mark brachte Henning Scherf sicher ans Ziel" - ein Gnadenbrot für einen Staat, dem nicht nur 40 Millionen Mark Bonner Entwicklungshilfe gestri- chen worden sind. Sogar nützlich machen läßt sich das Opfer des Krieges: Scherf verhandelte mit dem Außenhandelsministerium dar- über, den Kaffee des Landes fortan nicht mehr über London, son- dern via Bremen nach Europa zu transportieren. Und schließlich haben sich Regierende wie Volk dort genauso benommen, wie es sich für anständige Sozialfälle freiheitlicher Politik gehört: "herzlich" und "einfach". "Die Unterkünfte waren sehr einfach. Auf dem Dachboden einer Scheune habe jeder seinen Schlafsack aus- gerollt und dort geschlafen sofern ihm nicht die Ratten ins Ge- sicht sprangen." Henning Scherf 10 Tage mittenmang. Das sollen ihm die christlichen Frontinspektoren erst mal nachmachen! *** Die Kinderseite Schrott zu verkaufen -------------------- Übrigens: Schneebälle nach Straßenbahnen zu werfen ist nicht neu! Das hat auch schon der Senator Henning Scherf gemacht. Dummer- weise beobachtete ihn und seine Freunde damals ein Polizist. Als die Kinder ihn sahen, rannten sie fix weg um den nächsten Häuser- block. Der Polizist aber rannte andersherum um den gleichen Block - und bums! standen sie alle voreinander. Und natürlich schimpfte der Polizist ganz fürchterlich. Heute ist der Wachtmeister schon lange pensioniert und der kleine Henning von damals ein großer, vernünftiger Erwachsener. Aber manchmal begegnet er dem Polizisten - und darin bekommt er immer noch einen ganz roten Kopf. Das hat er uns selbst erzählt. hast Das ist Onkel Scherf, wie Kinder ihn lieb haben sollen. Als der Senator noch im Dreikäsehoch Henning schlummerte, hat er schon einmal mit einem Schneeball über die Stränge geschlagen und schämt sich bis heute dafür. Jetzt ist er nämlich ein "großer vernünftiger Erwachsener", der nicht das Gesetz mit Schnee malträtiert, sondern es mit Amtsgewalt selbst ausübt. Neulich hat er erschossenen Nicaraguanern Medikamentenhilfe gebracht, weil sie durch amerikanische Gewehre und deutsche Kreditstreichung brav geworden sind und auch endlich wählen wollen sollen. Und dann bekommt der große Scherf immer noch keinen roten Kopf. Heute ist er ja "vernünftig". Das hat er selbst erzählt. zurück