Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 74, 09.05.1983
       
       Schlußkundgebung der  Demonstration gegen den US-Krieg in Nicara-
       gua
       

USA UND BRD: SCHULTERSCHLUSS FÜR DIE FREIHEIT = BLUTBAD IN NICARAGUA

Mit dieser Demonstration protestieren wir gegen den Krieg, den von den USA aufgestellte und ausstaffierte Söldnertruppen derzeit in Nicaragua führen. Wir protestieren gegen die Politik des freien Westens, die mit dem wohlkalkulierten Abschlachten des Ni- caraguanischen Volkes die Beseitigung des Sandinistischen Staats- wesens betreibt. Wir protestieren gegen den NATO-Imperialismus von USA und BRD, dessen Freiheit weltweit Feind und Freund schei- det und Krieg und Frieden diktiert. Offenbar ist es für die Führer der Weltmacht Nr. 1 die selbstver- ständlichste Sache von der Welt, daß der Sturz eines Diktators wie Somoza, nur weil dieser dem Westen treu ergeben war, eine Un- botmäßigkeit darstellt, die mit allen Mitteln bestraft gehört. Zumal dann, wenn die Nachfolger einer solchen Kreatur an der Staatsspitze nicht einfach nur in deren Fußstapfen treten und sich nicht ohne Vorbehalte auf die Seite der USA schlagen. Des- halb haben die USA die sandinistische Regierung seit ihrer Macht- übernahme nicht nur mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln unter Druck gesetzt, politisch, ökonomisch und militärisch. Rea- gan und Co. sind jetzt so frei, die Erfolge ihrer bisherigen Er- pressungspolitik als Anlässe für den von ihnen inszenierten Krieg abzurufen. Da wird nicht nur die Ökonomie in Nicaragua, die man mittels Kredit zugerichtet hat und nun durch Handelsboykott rui- niert, den Sandinistas als Scheitern ihrer sozialistischen Expe- rimente angehängt. Dreister noch: Erst haben die westlichen Füh- rer durch die vehemente Aufrüstung willfähriger Lakaien wie Hon- duras und Guatemala die sandinistische Regierung dazu gezwungen, Aufbauprogramme zu streichen und alle verfügbaren Mittel in die Verteidigung ihres Territoriums zu stecken. Heute legen ihr die Urheber dieser militärischen Bedrohung eine verhältnismäßige Auf- rüstung zur Last. Als hätten ausgerechnet Reagan und Kohl die bessere Verwendung der Gelder für das Wohl der Menschen im Sinn. Ausgerechnet sie, die das Elend der Campesinos unter Somoza ver- antwortet und benutzt haben. Ausgerechnet sie als NATO-Feldher- ren, die das eigene Volk für die ungeheuere Aufrüstung in die Pflicht nehmen und verarmen. Zynischer und selbstgerechter geht es wirklich nicht mehr! Die USA überziehen Nicaragua heute mit Krieg, weil man es dort gewagt hat, gegen den Amifreund und imperialistischen Kettenhund Somoza einen Aufstand zu machen. Einem Staat, dem der Westen ab- spricht, Stützpunkt und Vollstrecker westlicher Interessen zu sein, entzieht er das Existenzrecht. Das Todesurteil wird derzeit an der nicaraguanischen Bevölkerung exekutiert. So machen die führenden Nationen des freien Westens mit ihrem NATO-Programm "Frieden in Freiheit" blutig ernst: für die Beseitigung der letz- ten Schranke ihrer weltherrschaftlichen Freiheit, die Existenz der sozialistischen Staaten, wird der Rest der Staatenwelt entwe- der als williger Diener mit Kredit und Waffen ausgestattet - oder dem Lager des erklärten Hauptfeindes zugeschlagen, also jetzt schon vernichtet. Seit sich Reagan und seine NATO-Partner von der Geschichte dazu haben beauftragen lassen, ihrer Freiheit ewigen Frieden dadurch zu sichern, daß sie die "letzten Kapitel des Kommunismus" schrei- ben, wird ihr Spruch in die Tat umgesetzt, es gelte Mittelamerika vor der Expansion russischen Einflusses abzusichern. Dieser Spruch ist alles andere als eine unglaubwürdige Begründung des amerikanischen Vorgehens gegen Nicaragua. In ihrer ganzen Durch- sichtigkeit will diese Lüge gar nicht anders geglaubt werden als eben so: Wer sich nicht freiwillig in die westliche Weltrevolu- tion gegen den Kommunismus einreiht, ist ein Sicherheitsrisiko und gehört deshalb zu denen, deren letztes Kapitel der Westen überall schreibt. Daß heutzutage wieder ein Krieg droht, ist also eine Verharmlo- sung. Der Krieg in Nicaragua ist bereits ein Gefecht, das zu dem großen Krieg gehört, auf den sich die NATO derzeit durch massive Aufrüstung vorbereitet. Deshalb richtet sich unser Protest gegen den US-Krieg in Nicaragua auch gegen die Weltfriedensordnung der NATO, für die in Nicaragua Krieg geführt wird. Wir glauben nicht an die Lüge von der weltpolitischen Unschuld der BRD. Die BRD ist nicht nur mit dabei. Ihre Macht ist es im BÜndnis mit den NATO-Freunden, die den USA die Freiheit für ihr Gemetzel garan- tieren hilft. Nicht mit Eingreiftruppen in dieser Region, denn dort sind sie wirklich überflüssig. Die deutsche Bundeswehr hält hier an der Hauptfront des freien Westens den USA den Rücken frei mit einer NATO-Weltkriegsdrohung gegen die Sowjetunion. Diese Macht erweitern die bundesrepublikanischen Führer derzeit ziel- strebig durch ihre Aufrüstung mit Enthauptungsraketen. Die versammelte Macht der NATO im Rücken hat auch die "kleine" BRD instandgesetzt, mit Kredit und DM die Zuständigkeit für die Benutzung des letzten Erdenwinkels praktisch zu behaupten. Des- halb kann sie auch heute der militärischen Zerstörung Nicaraguas die ökonomische hinzufügen. Die Ankündigung, der sandinistischen Regierung die ohnehin schon ausgesetzte Wirtschaftshilfe nun end- gültig zu streichen und die Gelder stattdessen an den Frontstaat El Salvador zu schicken, tut ihre Wirkung. Das Aushungern der ni- caraguanischen Bevölkerung ergänzt zweckmäßig ihre militärische Vernichtung durch US-Söldner. Eine Klarstellung über den Zweck westdeutscher Entwicklungshilfe: Zur Ernährung verelendeter Campesinos ist sie nicht da, sondern für die Benutzung und Aufrüstung verläßlicher Herrschaften wie in El Salvador. An diesem Anspruch gemessen verurteilt die Bundesrepublik Nicara- gua als unwertes Geschöpf im Bonner Hinterhof, das zurecht ver- nichtet gehört. Und El Salvador, das sich durch Wahlen zu unein- geschränktem Terror gegen aufständische Bauern ermächtigt hat, erhält für diesen Beitrag zur Stabilisierung der NATO-Führungsge- walt in Mittelamerika den damit verdienten Lohn. Der Schulter- schluß der Bundesrepublik mit den USA ist also perfekt. Die Ermordung des deutschen Entwicklungshelfers Dr. Pflaum nehmen Bundesregierung und deutsche Presseorgane zum Anlaß, auch noch den Leichnam eines gutgläubigen Idealisten deutscher Entwick- lungshilfe für die Rechtfertigung des Strafgerichts gegen Nicara- gua zu benutzen. Dr. Pflaum wurde nicht von Sandinisten, sondern von deren Schlächtern, den 'Contras' umgebracht. Einen "feigen Mord" nannte Bundeskanzler Kohl diese Tat deshalb, weil der Arzt nur den Kranken habe helfen wollen. Den Tod verdient haben nach dieser Auffassung folgerichtig die Gegner deutsch-amerikanischer Interessen, nicht ihre gutmeinenden kleinen Helfer. Die BILD-Zei- tung hat dieses Opfer der Sandinisten-Gegner zum Kronzeugen dafür ernannt, daß Nicaragua ein Unrechtsstaat sei, der vernichtet ge- hört: nicht einmal Sicherheit und Ordnung könne das Land garan- tieren - wenn es von US-Söldnern überfallen wird! Ein Zynismus, der in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit unwidersprochen bleibt, weil sie ihn teilt. Ein Zynismus, der demjenigen im Falle des verstorbenen Herrn Bur- kert ebenbürtig ist. Egal, ob Herr Burkert an Herzversagen starb, wie es der regierungsamtliche Befund letztlich feststellte: Die deutsche Öffentlichkeit wollte mit ihren Krokodilstränen für den unbekannten Toten einen "Ermordeten" der DDR sehen. Zumindest aber ein Opfer, das die Endlösung auch der deutschen Frage ge- nauso dringlich macht, wie Bundesregierung und NATO sie betrei- ben. Die Lösung d i e s e r Frage ist ohne den Weltkrieg nicht zu haben, eine seiner Schlachten bereinigt Mittelamerika für den Endsieg des Imperialismus. Weil die Maßlosigkeit dieses Anspruchs mit jedem Schritt seiner Durchsetzung für neue Leichen und neues Elend sorgt, protestieren wir - gegen den US-Krieg in Nicaragua - gegen den imperialistischen Schulterschluß der Freiheit zwi- schen USA und BRD - gegen die Weltherrschaft der NATO zurück