Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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Am vergangenen Freitag hatte die Junge Union zu einer Veranstal-
tung ins Nürnberger KOMM eingeladen, bei der ein Contra-Vertreter
aus Nicaragua mit Vertretern der CSU, der SPD und der Grünen auf
dem Podium diskutieren sollte. Einig in der Sache - daß
"Menschenrechtsverletzungen" der sandinistischen Regierung durch-
aus ein bedenkenswertes Thema sind -, aber nicht einverstanden
mit der A n l a g e der geplanten JU-Runde, sagten die ge-
ladenen Jusos und Grünen in letzter Minute ihre Teilnahme wieder
ab. Mit einem Abgesandten der Terroristen im US-Dienst hätten sie
kontrovers, versteht sich - schon über das moralische Recht von
Krieg und Konterrevolution in Nicaragua gestritten. Aber daß die
Debatte "gegen den Willen der KOMM-Mitgliederversammlung"
(allerdings mit Genehmigung von SPD-Glaser) stattfand und ange-
sichts vorhersehbarer Proteste ein massives Polizeiaufgebot er-
warten ließ, bot willkommenen Anlaß zu einer wahltaktischen Ab-
grenzung der feinen Oppositionsparteien: eine Absage, die Ver-
trauen schafft!
Zu der Veranstaltung, die von der JU trotz erheblicher Störungen
durchgezogen wurde (das KOMM wurde zu diesem Zweck kurzfristig in
eine geschlossene Polizeifestung umgewandelt), verteilte die
MARXISTISCHE GRUPPE ein Flugblatt, das wir im folgenden auszugs-
weise dokumentieren:
MIT CONTRAS DISKUTIERT MAN NICHT
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"Die von den demokratischen Parteien beabsichtigte Podiumsdiskus-
sion mit dem Vertreter der Contras ist von vornherein verlogen.
Sie widmet sich der Frage, ob der US-Krieg gegen den sandinisti-
schen Staat g e r e c h t f e r t i g t ist oder nicht. Dabei
wissen alle, daß der Krieg der USA nicht w e g e n der Recht-
fertigung geführt wird - und schon gar nicht aufhörte, wenn sich
etwaige Sünden der Sandinisten gegen die höheren Maßstäbe westli-
chen Regierens gar nicht beweisen ließen. Die ganze Scheindebatte
will vom Zweck des US-Kriegs einfach nichts wissen: Die Amis dul-
den eben keine antikapitalistischen Umstürze mehr, führen überall
auf der Erde dagegen Krieg - auf i h r e m Doppelkontinent
schon gleich.
Gestern hat der US-Kongreß neue 100 Millionen Dollar für die
Contras bewilligt; Reagan braucht die Gelder nun nicht mehr über
dunkle Kanäle zu leiten, die Repräsentanten der Nation haben die
Zerschlagung der nicaraguanischen Revolution offiziell zur natio-
nalen Priorität erhoben: Jetzt ist Sieg Pflicht.
In der BRD wird derweil über die Glaubwürdigkeit der Legitimation
der USA dafür diskutiert. Imperialistische Arbeitsteilung.
An der M e n s c h e n r e c h t s f r a g e soll entschieden
werden, ob "Nicaragua libre" ist oder nicht - und in Menschens-
rechtsfragen sind die Contras ja Fachleute. Natürlich - sie be-
finden sich im Krieg - da können sie leider nicht umhin, die Män-
ner überfallener Dörfer umzubringen. Mit den Sandinisten ist das
genau umgekehrt: Sie werden an den bescheidensten Ansätzen eines
sozialistischen Aufbaus gehindert - und wenn Managua den Kriegs-
zustand ausruft, entlarvt sich für die deutschen Regierungspar-
teien die häßliche Fratze der Diktatur.
SPD und Grüne wiegen bedenklich den Kopf und rechnen Sünden gegen
Entschuldigungsgründe auf.
*
Einig ist man sich darin, daß Nicaragua sein Existenzrecht verlo-
ren, die Contras deutsche Sympathien verdient hätten, wenn die
Sandinisten die Menschenrechte nicht nur ausnahmsweise und notge-
drungen verletzt hätten. - Und jeder weiß, wie es gemeint ist:
Unter dem Titel Pluralismus und Freiheit wird von den Comandantes
verlangt, die Konterrevolution nicht zu behindern.
F r e i h e i t - für die freien Unternehmer, die Armut der Be-
völkerung für billige Saisonarbeit zu nutzen.
F r e i h e i t - für den katholischen Oberpriester, dem revolu-
tionären Volk Demut und Unterordnung zu predigen - außer unter
die Sandinisten.
F r e i h e i t - für eine Presse, die die US-Invasion herbeiru-
fen möchte.
Eine soziale Revolution braucht die bürgerlichen Freiheiten
nicht; sie braucht eine gute Ernte, medizinische Versorgung und
Maschinen. Vor allem hätte sie es nötig, in Ruhe gelassen zu wer-
den. Das genau kriegt sie nicht, nicht nur wegen der amerikani-
schen Oberimperialisten, sondern auch wegen ihrer deutschen
Feinde und ihrer sozialdemokratischen Freunde."
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