Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


       zurück

       Bremer Hochschulzeitung Nr. 74, 09.05.1983
       
       Am vergangenen Wochenende:
       

DREI DEMONSTRATIONEN GEGEN DEN US-KRIEG IN NICARAGUA UND DEN IMPERIALISMUS VON BRD UND USA

Dem Aufruf der MARXISTISCHEN GRUPPE zu Demonstrationen nach Ham- burg und Nürnberg waren 3500 bzw. 4000 Teilnehmer gefolgt. Die dritte Demonstration, an der auch die Marxistische Gruppe Stutt- gart teilnahm, fand in Stuttgart statt und wurde von dortigen Ni- caragua-Komitees veranstaltet. Die Koordination der Mittelamerika-Kommitees: "...wegen der großen Bedeutung der gegenwärtigen ------------------------------------------------ Angriffe auf Nicaragua..." -------------------------- "Boykottieren wir diese Demo..." -------------------------------- "MG-Demo zu Nicaragua Pseudolinke Nabelschau Die Koordination der Hamburger Mittelamerika-Kommitees hält es für wichtig, zur Nicaragua-Demo der "Marxistischen Gruppe" (MG) am 7. Mai öffentlich Stellung zu beziehen, wegen der großen Be- deutung der gegenwärtigen Angriffe auf Nicaragua und weil wir von vielen Seiten nach unserer Haltung zu dieser Demo gefragt wurden. Wir sehen in dieser Demonstration ein sektiererisches Manöver der MG. Sie will mit der US-Intervention in Nicaragua Werbung für sich machen. Daß die MG gar nicht mit anderen zusammen demonstrieren will, wird z.B. dadurch deutlich, daß sie die Mittelamerika-Kommitees zum letzten Montag zu einer Besprechung über die Demo und den Aufruf eingeladen hat, der Aufruf jedoch schon ab dem vorausge- gangenen Freitag bereits verteilt wurde. Weiterhin ist der Demo- Aufruf der MG mit einer ihrer typischen Anpissereien gegen die SPD und den DGB auf dem gleichen Flugblatt verbunden. Wie berech- tigt auch immer eine Kritik an diesen Organisationen sein mag - eine gleichzeitige Mobilisierung gegen die US-Politik und gegen SPD und DGB heißt, auf jeden Versuch zu verzichten, eine breites mögliche Einheit gegen die Kriegspolitik der US-Regierung auf die Beine zu kriegen. Der wahre Charakter der MG-Mobilisierung wird jedoch am besten daran deutlich, daß die MG in verschiedenen Stadtteilen systema- tisch Plakate überklebt hat, die für die Solidaritätsveranstal- tung mit Mittelamerika am 8. Mai, 19.00 Uhr, in der Fabrik wer- ben! Die MG-Demo stellt sich selbst gegen die Solidaritätsarbeit. Sie benutzt Krieg und Mord für die eigene Nabelschau. Boykottieren wir diese Demo, um Sektierertum und Spaltung eine Absage zu erteilen und um größere und gemeinsam Aktionen gegen den US-Krieg vorzubereiten! Hamburg, den 4. Mai 1983" (aus TAZ, 6. Mai 83) 1. Kommt Euch Eure eigene Begründung zum Boykott einer anti-impe- rialistischen Demonstration nicht seltsam vor? Daß die MG nicht mit anderen gemeinsam demonstrieren will, wollt Ihr ausgerechnet der Tatsache entnommen haben, daß sie den Demonstrationsaufruf an Euch und andere verschickt und zur Diskussion über Aufruf und De- monstration eingeladen hat? Seltsam auch dies: daß wir zum Pro- test gegen den deutsch-amerikanischen Imperialismus und den Krieg in Nicaragua aufrufen, mit einem fertigen Flugblatt (womit sonst?!), ist diesmal Euer Vorwurf. Hätten wir nicht zu einer solchen Veranstaltung aufgerufen, wäre eben das der Vorwurf gewe- sen. Das sehen wir doch richtig?! Uns scheint, daß Ihr ohne sol- che Heuchelei nicht länger mit Eurem alten Quatsch meint hausie- ren gehen zu können, die MG täte nichts. Wie komisch sich diese Behauptung angesichts eines Demo-Aufrufs ausnimmt, brauchen wir Euch nicht zu erzählen. Ihr wißt es, weil diese "Anpisserei" nie anders gemeint war als so: was die MG praktisch tut, paßt Euch nicht in den Kram. Den Streit um praktische Differenzen durch den Vorwurf unterlassenener Praxis zu ersetzen, paßt zu einer "Bewegung", der ein "extrabreit" vor ihrem Namen so wichtig ist, daß sie selbst Vertreter von Regierung und Opposition eingemein- den möchte, die in der Form einer Kritik dem US-Krieg in Nicara- gua ihre Zustimmung erteilen. Weder Protest, noch breit, sondern verkehrt! 2. Zwar haben wir in unserem Demonstrations-Aufruf weder SPD noch DGB extra kritisiert. Aber da Ihr beide als Eure Bündnispartner für eine "möglichst breite Einheit" vorstellt, die wir beleidigt hätten, geben wir doch folgendes zu bedenken: "Daß ganze Völker dem Kommunismus in die Hände getrieben werden", kritisierte die SPD durch ihren Glotz-Kopf an Reagans Schlächterei in Nicaragua. Schon mal aufgefallen, daß dieser Standpunkt den Zweck des US- Kriegs gegen Nicaragua teilt und die militärischen Mittel für möglicherweise ineffektiv erklärt? Kommunismus, das ist nach SPD- Lesart ein verbotener politischer Ausweg aus Hunger und Elend, der abgeschnitten werden muß. Das ist das "Problem" von Hunger und Elend, für dessen Regelung und Benutzung der westdeutsche Im- perialismus samt SPD-Opposition seine Zuständigkeit geltend macht. Und die militärische Zerstörung eines unbotmäßigen Sandi- nisten-Staates samt Volk ist die Konsequenz dieses Standpunktes: toten Kommunisten kann kein hungerndes Volk in die Hände getrie- ben werden! Und Tote werden keine Kommunisten mehr! Die Vertreter dieses Standpunkts, sollen ein Bündnispartner im Protest gegen die Metzelei des Imperialismus in Mittelamerika sein? Ausgerechnet die Nachrüstungs-SPD, die mit ihrer ökonomi- schen Zurichtung Nicaraguas den Nachfolgern im deutschen Regie- rungsamt die Erpressungsmittel gegen das Land bereitgelegt hat, soll eine Stütze des Protests sein? Oder sollte es darum schon gar nicht mehr gehen? Appelle an die Bundesregierung und ähnliche Instanzen der Macht haben damit jedenfalls nichts gemein: zwar ist auch die BRD mit ihrer Macht für die Erzeugung von Hunger und Gewalt überall auf der Welt zuständig. Aber deswegen fällt doch die Vermeidung von Opfern gerade nicht in ihre Absicht. Wer also gehört "boykottiert"? 3. "Krieg und Mord" sollen wir auch noch mißbraucht haben, weil wir gegen die imperialistischen Täter demonstrieren. Will Eurem Zynismus gar nicht auffallen, daß Euer Bündnispartner SPD wirk- lich tut, was ihr uns vorwerft? Erst haben Sozialdemokraten wie Offergeld die politische Erpressung Nicaraguas mit der Kredit- waffe betrieben; heute sprechen zur Bestrafung unfolgsamer Sandi- nisten die Waffen - und der SPD kommen Krieg und Leichen gerade recht. Zur Verdeutlichung ihrer Oppositionslinie: sie hätte den Kommunismus ohne Krieg - beseitigt! Apropos Nabelschau: Kommt Euch Eure Stellung diesbezüglich nicht ein wenig schäbig vor, die ja wohl so lautet: "Krieg und Mord" in Nicaragua - jetzt bloß kein Protest von anderer Seite, der unsere Exklusivrechte für die moralische Anteilnahme an den Opfern des Imperialismus mißachtet!? P.S.: Die kleine Lüge, wir hätten Plakate systematisch überklebt, übergehen wir. zurück