Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Dortmunder Hochschulzeitung Nr. 39, 17.04.1984
       

MINENGÜRTEL FÜR RECHT UND FREIHEIT

hat der CIA vor allen nicaraguanischen Häfen installiert. Ein Re- gierungssprecher vermeldet, die hätten schon "den gewünschten Er- folg gehabt und die nicaraguensischen Ex- und Importe per Schiff ins Stocken geraten lassen." (FAZ v. 9.4.) Die boys vom CIA ver- stehen sich offenbar nicht nur aufs Spionieren, Schmieren und Waffenschieben, sie sind eine konkurrenzlos effiziente, ja kriegstüchtige Terrororganisation im Dienste von Frieden und De- mokratie. Die Seeblockade Nicaraguas schließt die Lücke zwischen dem "zivilen" Wirtschaftskrieg einerseits und andererseits den militärischen Verwüstungsaktionen der Contras (mit dem CIA als Sponsor) sowie den pausenlosen Land- und Seemanövern der USA mit den ihnen befreundeten Armeen rund um das unbotmäßige Land - eben die Häfen, durch die immer noch zivile und militärische Mittel der Selbstbehauptung nach Nicaragua gelangen. Das geht natürlich nicht, wenn die Führungsmacht der freien Welt gerade dabei ist, durch den Entzug unverzichtbarer ökonomischen Mittel wie durch Terror Ökonomie und Staat der Sandinisten zum Kollabieren zu bringen, um das augenscheinlich verbohrt prosandinistische Volk dann nach dem vergangenen Muster Somozas bzw. dem aktuellen El Salvadors zur Demokratie erziehen zu lassen (die Aspiranten auf die Posten von Staats-, Polizei- und Todesschwadronenchef treten sich an Nicaraguas Grenzen schon auf die Füße). Die Tatsache der Verminung ist seit Wochen bekannt. Es war das öffentliche Eingeständnis der US-Regierung, dieser Terrorakt sei in ihrem Auftrag durch ihren "Dienst" ausgeführt worden, das Ni- caragua zur Klage beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag bewog. Schlagender als mit der amerikanischen Reaktion läßt sich überhaupt nicht mehr beweisen, daß eine demokratische, erst recht eine amerikanische Regierung nicht moralisch unter Druck zu set- zen ist. Selbige erklärte, "daß sie die Zuständigkeit des Ge- richts in allen Mittelamerika betreffenden Fragen für die näch- sten zwei Jahre nicht anerkennen werde." (FR v. 11.4.) Da haben es die USA mit der dazu nötigen Gewalt geschafft, ihre Rechtsord- nung - die Freiheit des Eigentums - zur Grundlage und zum Auftrag fast aller Staaten der Weit zu machen; da bekunden sie die Bedin- gungslosigkeit ihres Anspruchs, jeder Flugplatz und Hafen von Grenada bis Wladiwostok habe Mittel ihrer Ordnungsmacht zu sein, indem sie ihn als Menschen-, Völker- oder sonstiges höchstes Recht vortragen - und dann lassen sie sich mit Hilfe des Völker- rechts blamieren? Niemals! "Die amtliche Einstellung Washingtons dazu lautet, daß die Verei- nigten Staaten im Recht seien, wenn sie durch ihre Mitteilung an den Den Haager Gerichtshof verhinderten, daß dieses internatio- nale Forum Schauplatz einer Propaganda-Offensive der Sandinistas werde. Sie hätten zugleich nach den Bestimmungen der Satzung der Vereinten Nationen das Recht, alles zu unternehmen, um den ge- waltsamen Umsturz der legalen Regierung El Salvadors durch Cuba und Nicaragua unterstützte Guerilleros zu verhindern." (FAZ v. 11.4.) Wenn das Völkerrecht der moralische Titel ist, von anderen Staa- ten "Zurückhaltung" und Respektierung der eigenen politischen Ab- sichten zu verlangen, dann steht die Propaganda mit dem V ö l k e r r e c h t ausschließlich der Macht zu, deren Gewalt ihre Interessen so unwidersprechlich macht. Daß die amerikani- schen Waffen das amerikanische "Recht, alles zu unternehmen", dem Rest der Welt so nachdrücklich nahelegen, das macht Reagans Ge- wissen bezüglich der Satzung der UN wie überhaupt so gut und die Arroganz der amerikanischen Macht so unverfroren. D a m i t vergleicht sich die diplomatische Geste Präsident Mitterands, die mögliche Bereitschaft Frankreichs zur Räumung der Minen bekannt- zugeben. Mitten im amerikanischen "Vorgarten" einen von Europa abhängigen Staat zu haben, das wäre mal was... Aber vorher gibt es Wichtigeres zu erledigen. P.S. Der amerikanische Kongreß hat jegliche Beteiligung der USA am Verminen nicaraguanischer Häfen oder Gewässer abgelehnt" (SZ) - und das mit großer Mehrheit. Begründung eines demokratischen Abgeordneten: die Welt erwarte, daß das amerikanische Volk zum Völkerrecht stehe. Steht also zu erwarten, daß der Exekutive in Washington die Fortsetzung der Politik des militärischen Aufräu- mens im zentralamerikanischen "Vorgarten" verboten wird? Machen amerikanische Abgeordnete mit ihrem Protest nun etwa die verbrei- tete Ideologie wahr, Reagan versündigt sich an den weltpoliti- schen Aufgaben eines eigentlich "guten", demokratisch-friedlichen Amerika? Das glaube, wer will! Tatsache ist, daß die kritische "Entschließung" des Kongresses im vollen Bewußtsein zustande kam, daß a.) die Verminung nicaraguanischer Häfen längst passiert war bzw. mittlerweile von US-finanzierten "Contras" allein zuwegege- bracht wird und b.) der amerikanische Präsident, von der Verfas- sung so gewollt, ohnehin jede Freiheit hat, eine etwaige Sperrung von Geldern, (die noch nicht einmal beschlossen wurde!) zu unter- laufen. So hat die Washingtoner Arbeitsteilung zwischen Legisla- tive und Executive das Schöne, daß neben und in K o n t r a s t zur gemachten Politik höchstdemokratisch und vor aller Welt der S c h e i n bekräftigt wird, amerikanische Politik habe allen möglichen völkerrechtlichen Prinzipien zu g e h o r c h e n, sei also auch moralisch höchst integer. Das kommt hiesigen Propagandisten amerikanischer Stärke sehr - gelegen: so meint die WELT am Sonntag in einem Kommentar (der im übrigen die CIA-Aktionen im gleichen Atemzug für einen "unklugen Fehltritt" und für "grundsätzlich richtig" erklärt), aus alledem lasse sich lernen, daß es ein Glück ist, in "einer offenen Ge- sellschaft" leben zu dürfen, "weil die gegenseitige Kontrolle der demokratischen Institutionen funktioniert". Was für ein Glück! zurück