Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Wahlsieg der Opposition in Nicaragua:
       

EIN VOLK SIEHT'S EIN

"Sensationell!" lautete neulich die einstimmige Reaktion der Öf- fentlichkeit auf den Wahlsieg der nicaraguanischen Opposition über die Sandinisten. Sehr sensationell, daß die Mehrheit eines Hinterhof-Volks nicht länger gegen die geballte Macht der USA an- treten mag. Eigentlich ist die Sache doch so brutal logisch. Vor zehn Jahren haben die Sandinisten die Somoza-Diktatur gestürzt, um die Un- terwerfung Nicaraguas unter die wirtschaftlichen Interessen Ame- rikas zu beenden und den Staat ein wenig nach den Bedürfnissen des eigenen Volkes einzurichten. Prompt war die Antwort aus Washington da: Partisanenkrieg gepaart mit Wirtschaftsblockade. Offizielle Begründung: "Außergewöhnliche Bedrohung der nationalen Sicherheit" der USA. Und nach acht Jahren pausenloser Bekriegung Nicaraguas saß die Lektion auch: Es kann sich einfach kein Volk leisten, sich dem Zugriff "unserer" Führungsmacht entziehen zu wollen. So hieß die unausweichliche Alternative, über die das Volk dann entscheiden durfte: Wollen wir uns weiterhin von Washington be- schießen und aushungern lassen, oder lieber nicht? Aus ihrem erpresserischen Zweck und Vorgehen gegenüber Nicaragua haben die USA keine Minute lang ein Geheimnis gemacht. Und daß sie mit dem jetzigen Wahlergebnis genau ihre Ernte einfahren, weiß auch jeder. Da die Kapitulation der Nicaraguaner vor der überlegenen imperialistischen Gewalt aber eben so elegant als de- mokratische Wahl inszeniert wurde, tut plötzlich die ganze Welt so, als hätte hier ein vom Marxismus unterdrücktes Volk die Ge- legenheit wahrgenommen, sich für die Segnungen des Kapitalismus auszusprechen! Das Wahlergebnis in Nicaragua ist somit ein weiterer Beleg für die unaufhaltsame Tendenz unserer Zeit, die da heißt: Eines nach dem anderen befreien sich alle Völker aus dem mißglückten Expe- riment namens "Kommunismus". Da tut es nichts zur Sache, daß im Falle Nicaraguas die USA gerade beweisen, wie lässig der Imperia- lismus einen von ihm abhängigen Staat zur Botmäßigkeit z w i n g t - nein, für jeden ein klarer Fall von "Übertragung der Entwicklungen in Osteuropa auf Mittelamerika" und "Erhebung eines Volkes gegen seine Unterdrücker". Bei den osteuropäischen Staaten hat schließlich auch kein Mensch je einen Gedanken darauf verschwendet, woran der "Reale Sozialismus" gescheitert ist. Da ist jeder schon mit der Feststellung zufrieden, daß sich allüber- all "unsere" herrliche Gesellschaftsordnung durchsetzt. Deshalb ist Nicaragua mit der Wahl auch gleich abgehakt, und alles schielt nach Kuba, wo einer der letzten kommunistischen Unter- drücker noch seiner Ausrottung harrt. Daß die Nicaraguaner mit ihrer "Entscheidung" für das "freie Spiel der Marktkräfte", das die Dollars ins Land bringt, für sich selber einen N u t z e n erwarten könnten, behauptet keiner. Ist es doch klar, daß für sie der ganze Vorteil darin besteht, dann n i c h t m e h r vom mächtigen Feind zugrundegerichtet zu werden und dafür das n o r m a l e Schicksal eines Dritt- Welt-Volkes zu genießen. zurück