Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Münchner Hochschulzeitung, 18.01.1984
       
       Wochenschau
       

DER US-KRIEG IN NICARAGUA

läuft an allen drei Fronten, militärisch, diplomatisch und ökono- misch, auf Hochtouren, wie sich drei Titelüberschriften der "Süddeutschen Zeitung" vom 11. Januar unschwer entnehmen läßt: "Abzug der US-Militärs aus Mittelamerika nur bei Demokratisierung Nicaraguas." "Verknüpfung der Hilfe in El Salvador mit Menschenrechtssituation abgelehnt." "Erneute Angriffe von 'Contras'". In der ersten Abteilung stützt sich die Reagan-Administration jetzt auf den Bericht der Kissinger-Kommission, demzufolge es die USA mit einer "direkten Bedrohung ihrer Sicherheiteinteressen" zu tun haben und "einen strategischen Rückschlag größten Ausmaßes, den die Sowjetunion in der Region vorbereitet", abwehren müssen. Der Einsatz von US-Truppen soll dabei "das l e t z t e M i t t e l" sein, weswegen die Aufrüstung der Washingtoner Sa- tellitenstaaten um Nicaragua herum "großzügiger und langfristi- ger" betrieben werden soll. Die USA haben ihre "Forderungen" an die sandinistische Regierung dahingehend präzisiert, daß sie ihr erstmals die Einstellung aller Feindseligkeiten "anbieten" - für den Fall, daß sie z u r ü c k t r i t t: "Durchgreifende poli- tische Veränderungen und die Rückkehr zur Demokratie." Und das Pentagon als kompetente Instanz benennt dem "Regime in Managua" die passenden "Demokraten". "Wir unterstützen die antisandinisti- schen, demokratischen Widerstandskämpfer." Daß damit durchaus der Geist des Herrn Somoza beschworen wird, stellt die zweite Abtei- lung klar, derzufolge eine M i l i t ä r d i k t a t u r der beste "Weg zur Demokratie in Mittelamerika" ist und man ange- sichts des hohen Ziels nicht pingelig sein darf. Wiederum ge- stützt auf das Gutachten der Kissinger-Kommission sollen "die rechtsgerichteten Staaten in der Region in den kommenden fünf Jahren eine Militärhilfe von 8 M i l l i a r d e n D o l l a r bekommen." Die von der Kommission vorgeschlagene "Verknüpfung dieser Hilfe mit einer stärkeren Beachtung der Menschenrechte" ist vom "Pressesprecher des Weißen Hauses a u s d r ü c k- l i c h z u r ü c k g e w i e s e n worden." In Abteilung drei erfährt man aus der Presse, daß die Contras inzwischen mit F l u g z e u g e n u n d P a n z e r n ausgerüstet worden sind. Und die US-Army schickt im Rahmen eines Dauermanövers in Honduras Hubschrauber nach Nicaragua, von denen letzte Woche einer erwischt worden ist. So sorgen die "vereinten Kräfte der Demokratie" dafür, die für Nicaragua lebenswichtigen Pazifikhäfen Puerto Sandino und Potosi immer wieder vorübergehend lahmzulegen. Dazwischen läßt man "Neue Hoffnung auf Frieden in Mittelamerika" (SZ) in Gestalt des "Friedensplans der Contadora-Gruppe" aufkei- men. So haben die Außenminister von Honduras, El Salvador, Guatemala, Costa Rica und Nicaragua am 9. Januar in Panama ein Dokument unterzeichnet, das "die Förderung der nationalen Versöhnung und des Dialogs auf der Grundlage von Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie" vorsieht. Der Hinweis "von Diplomaten, es werde noch lange dauern, bis die Vorstellungen der Contadora-Gruppe durchgesetzt werden können, wenn dies ü b e r h a u p t m ö g- l i c h sei", ist insofern zu pessimistisch, als j e d e L ö s u n g, die von den USA mit Waffen, Diplomatie und Geld durchgesetzt wird, die drei angesprochenen Ideale mit dem Recht der Gewalt exklusiv für sich reklamieren wird. Das wiederum wissen auch "die Diplomaten": "Eine Einigung kann in jedem Fall nur mit Zustimmung der USA erzielt werden." So haben ihre Statthalter in der Region, Honduras und El Salvador, vorsorglich gleich den einzigen konkreten Punkt der Contadora-Vorschlags - ein Waffenlieferungsstop ab 29. Februar 1984 - zu Fall gebracht. zurück