Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Marxistische Gruppe, Dezember 1984
       
       Nicaragua
       

EIN LAND WIRD DEMOKRATISCH FERIGGEMACHT

Nicaragua hat gewählt. Zu 70% die Sandinisten. Damit bleibt Rea- gan keine Wahl. Um das Regime zu beseitigen, muß er mit einem Haufen Nicaraguanern kurzen Prozeß machen. Das Urteil ist ge- fällt, der US-Wähler hat es bestätigt, der Strafvollzug hat schon begonnen. Täter & Opfer ------------- ist die Republik Nicaragua in Mittelamerika. Bis vor ein paar Jahren wußte man wenig bis nichts davon. Einen Diktator namens Somoza gab's da. Nicht zimperlich im Umgang mit Land und Leuten. Aber ein Freund der USA, also k e i n P r o b l e m für uns, höchstens für die Nicaraguaner. Dann kam die Revolution, und die war von Anfang an ein Problem: Die Sandinisten hatten nämlich nicht einfach einen Dikatator vertrieben, sondern auch einen B ü n d n i s p a r t n e r d e r U S A. Wie würde Washington darauf reagieren? Ziemlich rasch ziemlich sauer. Denn die neuen Herrn in Managua hatten nicht vor, einfach als neue Somozas in die Paläste ihres Vorgängers einzuziehen und in seine Geschäfte einzusteigen. Sie waren keine landesüblichen P u t- s c h i s t e n, die nur eine Neuverteilung der Herr- schaftspfründe anstreben, sondern Organisatoren einer R e v o- l u t i o n, mit der die Habenichtse, die landlosen Bauern und die arbeitslosen Tagelöhner zu Brot kommen wollten. Weil die Wirtschaft in Nicaragua dafür nicht vorgesehen ist, mußte jeder Schritt der neuen Regierung in dieser Richtung das Geschäft schmälern, für das die USA Nicaragua eingerichtet und vorgesehen hatten. Kein Wunder, daß die USA solch' revolutionäres Treiben nicht unterstützten, sondern Nicaragua jegliche Unterstützung entzogen. Statt dessen haben sie ihre internationalen Beziehungen spielen lassen und der Regierung alle nur möglichen Schwierigkei- ten gemacht. Weil die Sandinisten nicht aufgaben, sondern sich ihrerseits um neue Beziehungen bemühten, zu Cuba und zu den Ost- blockstaaten, wurden sie von den USA zum p o l i t i s c h e n F e i n d erklärt. Dadurch wurde Nicaragua zum P r o b l e m für die Welt, auf der es nur Freunde und Feinde der USA gibt. Tat & Strafe ------------ Die Sandinisten begingen fortwährend schwere Anschläge gegen Freiheit und Menschenrecht: Als die USA ihnen Kaffee und Zucker nicht mehr abkauften, suchten sie nach neuen Kunden. Als die USA ihnen keine Medikamente und keine Maschinen mehr verkauften, kauften sie, wo sie kriegen konnten, auch in der DDR. Als die USA mittels ihrer CIA Söldner anwarben, sie ausbildeten und ausrüste- ten, über die Grenzen nach Nicaragua schickten zum Zerstören und Morden, da stellten die Sandinisten Milizen auf, besorgten sich Waffen und verteidigten ihre Revolution. Damit machten sie sich des Verbrechens schuldig, gegen den Beschluß der USA weiterhin als Staat existieren zu wollen. Die Strafe folgte auf dem Fuß: Die USA unterstützten jetzt offen die Contra-Armee, sie rüsteten die Nachbarstaaten Honduras und Costa Rica auf, sie schickten Freiwillige an die Grenzen, Kriegsschiffe vor die Küsten und Überschallkampfflugzeuge über die Städte. Und seit der Wiederwahl Reagans überziehen sie das Land mit einer I n v a s i o n s- d r o h u n g. Frieden & Krieg --------------- Die hiesigen Beobachter haben sich den unverfrorenen Standpunkt zugelegt, daß zwischen den USA und Nicaragua n o c h k e i n K r i e g stattfindet, weil die Marinesoldaten noch nicht ange- landet sind wie damals auf Grenada. Frieden also, der bislang 10.000 Nicaraguaner das Leben gekostet hat, mittels US-Waffen, Söldnern und Dollars. Z u r ü c k h a l t u n g der USA, die Nicaraguas Wiederaufbauwirtschaft sabotiert, wo es nur geht. V e r z i c h t a u f I n v a s i o n, der Nicaragua zwingt, Volk und Armee permanent in Alarmzustand zu halten, um auf einen Angriff vorbereitet zu sein. Angesichts der allgemein akzeptier- ten Position der USA, Nicaragua sei ein Problem, das einer Lösung zugeführt werden müsse, kommt kein Mensch mehr auf den nahliegen- den Gedanken, man könne Nicaragua doch einfach in Ruhe lassen, und die USA sollten sich um i h r e Slums kümmern. Das Gegen- teil ist der Fall: Von Kohl bis Brandt reißt jeder deutsche Poli- tiker das Maul auf, wie die "Lage in Mittelamerika entschärft" werden könne - und der Adressat solcher F o r d e r u n g e n sind ausgerechnet die Sandinisten! Haben die denn auch nur ein Kriegsschiff vor Florida? Nein, sie haben überhaupt keins! Das Urteil über Nicaragua ist gefällt, und die Freie Welt schaut sachverständig zu, w i e h a r t d i e S t r a f e a u s f ä l l t: Nur wirtschaftliches Ausbluten und Contra-Ter- ror bis zum Kollaps des Regimes? Vielleicht tut's ein mittlerer Grenzkrieg mit Honduras, bei dem die USA eingreifen "müssen"? Da sind sie ja schon in einem Dauermanöver, für das jetzt Luftlande- truppen eingeflogen sind; zum "Straßenbau" heißt es. Nicht um- sonst beschwört US-Kriegsminister Weinberger bei jeder Gelegen- heit die Gefahr, die von Nicaraguas Milizen den Nachbarländern bis einschließlich Mexiko drohen soll. Oder Invasion zu Lande, zu Wasser und aus der Luft? Das wäre ein Fehler, unken die engagier- ten Kommentatoren, weil "fürs Ansehen der USA schädlich". Hat etwa die Eroberung Grenadas den guten Ruf der USA angeschlagen? Hat der Vietnamkrieg die USA etwa "weltweit isoliert"? NATO-Recht & Recht auf Krieg ---------------------------- Das Recht der USA auf einen Krieg gegen Nicaragua bestreitet nie- mand. Der unverfrorene Standpunkt, daß das "nationale Sicher- heitsinteresse" der USA die unbedingte Verfügbarkeit eines ganzen Kontinents und absolut bereinigte Verhältnisse in allen Staaten dieser "Hemisphäre" gebietet, ruft kein Erschrecken über das W o z u dieser strategischen Betrachtung hervor. Die NATO- Verbündeten erkennen ausdrücklich an, daß die USA in Mittel- amerika auch i h r "Problem" lösen. 2 Millionen Nicaraguaner sind zur "sowjetisch-cubanischen Bedrohung" erklärt worden, weil dem Freien Westen schon die mögliche Unkalkulierbarkeit eines Staats als Gefahr gilt, dessen Region als militärisches Auf- marschgebiet verplant ist. Deshalb bestehen auch "wir" darauf, daß sich Nicaragua entscheidend ändert, damit "wir" uns nicht mehr "bedroht" fühlen müssen. Das ist der Standpunkt von Bundes- regierung u n d Opposition in Bonn. Und a u f diesem Stand- punkt wird über Mittel und Wege diskutiert und sich auch mal der Luxus geleistet, über den "Holzhammer" der "Amis" die Nase zu rümpfen. Muß die Bestrafung der Sandinisten denn w i r k l i c h so hart ausfallen, sind sie denn w i r k l i c h so unerträg- lich und russenfreundlich, kommen denn wirklich keine m i l d e r n d e n U m s t ä n d e mehr in Betracht? - Außer dem Strafmaß scheint die Öffentlichkeit an der Strafaktion nichts mehr zu interessieren. Wer Fragen zu unserem Flugblatt hat oder sich für unsere Politik interessiert kann sich informieren im: MHB-Buchladen, Hartungstr. 7, 2000 Hamburg 13. zurück