Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Nicaraguas Präsident in Bonn zu Gast
       

AUF BITTGANG BEIM FEIND

Jetzt darf Daniel Ortega sogar in Bonn vorsprechen, nachdem die bundesdeutsche Regierung seit sieben Jahren nichts von ihm wissen wollte. Was will er? G e l d und S i c h e r h e i t für sein Land. Und was kriegt er? Noch nicht mal oder vielleicht demnächst einen K r e d i t und f r e c h e F r a g e n: - Haben sich die Sandinisten im Februar nicht dazu verpflichtet, alle "politischen Gefangenen" freizulassen? Wieso haben sie dann bislang nur 2000 Somoza-Gardisten amnestiert? Wann wird endlich auch der Rest in den Genuß der Freiheit kommen, den Kampf gegen die Regierung weiterzuführen? - Ist für die 1990 angesetzten Wahlen sichergestellt, daß die "Opposition" auch wirklich die Macht übernehmen kann, nachdem sich die letzten Wahlen wegen der eindeutigen Mehrheit für Ortega eindeutig als Farce entlarvt haben? - Wieso darf nicht gleich die "Opposition" die Reform der Wahl- und Mediengesetze beschließen? Wird einfach über ihren Kopf hin- weg ihr Recht auf Aushebeln der Regierung geregelt? Wann wird es endlich solche demokratischen Meinungen und Parteien geben, die sicherstellen, daß unsere Freunde das Sagen haben? - Warum gibt es immer noch eine linke Guerilla, die El Salvador unsicher macht? - Ist jetzt wirklich ein Ende mit den mißglückten marxistischen Experimenten, die die Wirtschaft des Landes mit ruiniert haben? Ist Managua konsequent genug in der Streichung von Sozialausga- ben, Entschlackung von überbesetzten Behörden und Streichung von Lebensmittel-Subventionen? Wird jetzt endlich was aus der "gemischten Wirtschaft", die der Bevölkerung Lateinamerikas doch sonst so gut bekommt? - Wo bleibt die eindeutige, unwiderrufliche Blockfreiheit ohne sowjetische Hilfe im Schoß des Westens? Das fügt sich gut ein in die Linie der bundesdeutschen Mittelame- rikapolitik. Die Bonner Regierungen haben immer den Beschluß der USA unterstützt, daß ein sandinistisches Regime in Nicaragua un- erträglich ist und eigentlich beseitigt gehört. Das amerikanische Vorgehen mit Wirtschaftskrieg, Unterhaltung der Contra und diplo- matischer Isolierung hat Bonn um eigene Maßnahmen ergänzt: "Einfrieren der Entwicklungshilfe", diplomatische Hetze und ver- stärkte Hilfe für die rechtsradikalen Nachbarn Nicaraguas. An den Folgen dieser Politik haben sich dann die Genschers und Wischnewskis zu schaffen gemacht - immer die Chancen einer eigen- ständigen deutsch-europäischen Mittelamerikapolitik fest im Blick. Die ist immer so eigenständig, wie es die guten Beziehun- gen zu den USA zulassen. Vermittelt wurde konsequent in eine Richtung: Den Sandinisten wurde klargemacht, daß sie sich eine Beendigung des Kriegs abschminken könnten, wenn sie nicht endgül- tig alle Verhältnisse wieder einrichten, gegen die sie ihre Re- volution gemacht hatten. So ungefähr war die Botschaft des krieg- führenden Gegners auch. Die amerikanischen Kriegsziele, für die Reagan die Sandinisten beseitigen wollte, wurden den Nicaragua- nern als Kompromißangebot unterbreitet. In diesem Sinne darf jetzt Ortega sogar in Bonn vorsprechen. zurück