Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Nicaragua
       

KRIEG UND VERHANDELN PASST PRIMA ZUSAMMEN

Zwei Monate lang haben die USA, vertreten durch die Commandantes der Contras, mit den Sandinistas über deren Kapitulation verhan- delt. Der diplomatische Erfolg der US-Söldner ist beachtlich: Die Sandinistas, die zuerst nur mit ihrem tatsächlichen Kriegsgegner, der US-Regierung, verhandeln wollten, haben sich zu Verhandlungen mit den Contras herbeigelassen und diese damit diplomatisch aner- kannt; sie haben hunderte von Gefangenen freigelassen, die sie vorher wegen Unterstützung des Kriegsgegners aus dem Verkehr ge- zogen hatten; sie haben der Propaganda der Contras und den Akti- vitäten der politischen Betreiber eines Contra-Siegs im eigenen Herrschaftsbereich praktisch jede gewünschte Freiheit eingeräumt; sie haben den Söldnern angeboten, sich an Waffen in Nicaragua zu beteiligen. Nur eines haben sie nicht angeboten: ihre sofortige Kapitulation. Damit sie begreifen, daß dies die einzig friedliche Lösung für Nicaragua wäre, nehmen die USA, vertreten durch die Contras, den Krieg wieder auf. Gescheitert sind nicht die Verhandlungen, sondern höchstens die - ohnehin ziemlich schwachen - Hoffnungen der Sandinisten, durch weitestgehende Zugeständnisse zu erreichen, daß die Contras sich mit ihnen arrangieren. Jetzt ist ihnen wieder einmal klargemacht, daß die Arrangements, die die USA in Nicaragua blutig durchset- zen, einzig darin bestehen, daß die Sandinisten dort nicht mehr vorkommen. Für diesen Fortschritt von Menschenrecht, Freiheit und Demokratie waren die vorgezogenen Kapitulationsverhandlungen eine Etappe: Der von der Mehrheit im Amiparlament verlangte Test, ob das Kriegsziel schon jetzt durch eine Kriegspause und darin stattfindende Verhandlungen diplomatisch zu erreichen ist, hat das in Washington wohl nicht unerwartete Resultat erbracht - und einen R e c h t s t i t e l, den Krieg mit erneuter Unterstüt- zung für die Contras auszuweiten. In diesem Sinne gab ein Spre- cher des US-Außenministers bekannt, daß das "Scheitern" der von der Parlamentsmehrheit gewünschten Verhandlungen beweise, daß es so n o t w e n d i g wie g e r e c h t ist, wenn die USA bei den Waffenlieferungen wieder klotzen statt kleckern. In diesem zynischen Dreiklang von Gewalt, Diplomatie und Moral hat unser "Ben Wisch" alias "Held von Mogadischu", der bei den Verhandlun- gen als Vermittler zugange war, eine würdige Rolle gespielt. In Nicaragua hat er den Sandinisten das amerikanische Kriegsziel verdolmetscht, indem er die Einzelforderungen, in denen die Contras es diplomatisch geltendmachten, den Sandinisten als Chance nahebrachte, die sie sich durch das Eingehen darauf ver- schaffen könnten. Wieder zu Hause, bedauert er öffentlich das "Scheitern" der Verhandlungen und gibt den Contras die Schuld daran. Womit er zweierlei sagt: Erstens lag es nicht an ihm und seinem Einfluß auf die Sandinisten, wenn eine auch für die Contras akzeptable Einigung nicht zustandegekommen ist. Zweitens m u ß es ja nun, wegen der Sturheit der Contras, mit dem Krieg weitergehen. Dieser verlogenen Diagnose hat sich die gesamte bun- desdeutsche Öffentlichkeit angeschlossen. Alle Welt hat längst mitgekriegt, daß der p o l i t i s c h e W i l l e der USA kompromißlos darauf aus ist, die Sandinisten zu beseitigen und eine ihnen bedingungslos gefügige Regierung in Managua einzuset- zen. Alle Welt weiß auch, daß die Contras keine Beschlüsse über das Anfangen und den Abbruch von Verhandlungen fällen, die nicht diejenigen der USA sind. Aber kein politisch gebildeter Mensch kann auch nur konstatieren, welche Maßnahmen die Amis dort gerade ergreifen, ohne einen von i h r e m Z w e c k v e r s c h i e- d e n e n G r u n d dafür ins Spiel zu bringen, durch den die Machenschaften der USA verständlich erscheinen: jetzt sind es die sturen Contras, die die Fortführung des Krieges irgendwie leider unvermeidlich machen. Und mit diesem "leider" ist die Kritik fertig, und geht das Gemetzel seinen verständlichen Gang. zurück