Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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DEMONSTRATION: GEGEN DEN US-KRIEG IN NICARAGUA - KAMPF DEM NATO-IMPERIALISMUS

2500 Menschen folgten am 15.12. in Bochum dem Aufruf der Marxi- stischen Gruppe zur Demonstration gegen den US-Krieg in Nicara- gua. Nach einem Zug durch die Innenstadt wurde die Demo mit einer Kundgebung am Schauspielhaus beendet. Im folgenden dokumentieren wir die Rede der Abschlußßveranstaltung. Mit dieser Demonstration protestieren wir gegen den US-Krieg in Nicaragua. Wir protestieren gegen den NATO-Imperialismus, der weltweit Feind und Freund scheidet und Krieg und Frieden dik- tiert. Längst führen die USA gegen die amdinistische Revolution einen Krieg. Einen Krieg, den nur Anhänger völkerrechtlicher Un- terscheidungen noch nicht als solchen erkennen wollen. So sehr soll man sich an das amerikanische Todesurteil und die seit Jah- ren laufende Erledigung Nicaraguas schon gewöhnt haben, daß einen die 10.000 Leichen - die dort auch ohne Invasion bereits angefal- len sind - gar nicht stören sollen. Den Tätern - den Amis also, die Nicaragua als Störenfried in ihrem blühenden "Vorgarten" na- mens Mittelamerika ausgemacht haben -, den Tätern ist dieser Un- terschied sowieso gleichgültig, weil das Abschlachten durch Contras oder offizielle US-Truppen demselben Zweck dient: der Li- quidierung des sandinistischen Staatswesen - weshalb der US-Impe- rialismus a l l e Optionen dafür vorbereitet und betreibt. Wer dagegen die Absicht und die blutigen Resultate dieses Vorgehens der ältesten Demokratie der Welt empörend findet, dem können sol- che geschmäcklerischen Unterscheidungen, wie sie in der hiesigen kritischen Öffentlichkeit breitgetreten werden, getrost gestohlen bleiben. Mit weniger als der Liquidierung der sandinistischen Re- gierung geben sich die USA nämlich nicht zufrieden. Und jeder weiß es: täglich diktiert der Westen der Regierung in Managua neue Friedensbedingungen. Aber nicht, um auf ihre Erfüllung zu drängen, sondern um auf diese Weise seine b e d i n g u n g s l o s e Feindschaft gegen das Land zu be- kräftigen. Die US-Forderung nach Wahlen u n d ihre gezielte Sa- botage durch die Absage der Oppositionsparteien; die Forderung nach Unterzeichnung des Contadora-Plans durch Nicaragua u n d seine amerikanische Ablehnung wegen dieser Unterzeichnung bewei- sen das. Die Feindschaftserklärung der USA steht eben längst fest: bestra- fen wollen sie die Nicaraguaner dafür, daß sie es gewagt haben, den Ami-Freund und imperialistischen Kettenhund Somoza zu stür- zen. Einem sandinistischen Staat, der sich mehr für die Ernährung seiner Bevölkerung zuständig erklärt als dafür, Stützpunkt und Vollstrecker westlicher Interessen zu sein, entzieht der Imperia- lismus die Existenzberechtigung. Die Vernichtung dieser Existenz betreibt die westliche Staatenwelt mit ökonomischen, politischen und militärischen Mitteln. Da wird eine Kreditsperre über Nicara- gua verhängt, Vorratslager in die Luft gesprengt und die Kaffee- Ernte verbrannt. Und hinterher legt der Westen die verheerenden Wirkungen seiner eigenen Feindschaft den Sandinisten zur Last: die Regierung in Managua kann nicht einmal ihre Bevölkerung er- nähren, heißt es. Da zwingen die USA den Sandinisten einen Bür- gerkrieg mit von ihnen bewaffneten Söldnertruppen auf. Und hin- terher dienen die erzwungenen Abwehrmaßnahmen der Sandinisten als Rechtfertigung des Todesurteils über sie: Das Opfer wehrt sich, also muß man umso härter zuschlagen! Nicaragua verfügt über Waf- fen, aus der Sowjetunion zumal, also wird doch dieser Landstrich zu Recht bekriegt, heißt es. Zynischer und selbstgerechter geht es wirklich nicht mehr. Wer nicht bedingungsloser Freund des Westens ist, ist Feind und wird so behandelt. Jeder Versuch der Verteidigung verweist so ein Land auf Hilfe aus dem östlichen Lager - und hat damit für den Beweis geradezustehen, daß es ohne die Russen eine solche Störung des NATO-Weltfriedens gar nicht geben könnte. Nicaragua wird also zweitens und umso härter wegen der russischen Unterstützung be- kämpft. Die östliche Staatsmacht ist die letzte und einzig harte Schranke gegen den NATO-Weltherrschaftsanspruch. Es ist also we- der abwegig noch übertrieben, was die USA als ihren Kriegsgrund gegen Nicaragua bekanntgeben: der Krieg gegen Nicaragua ist eine Etappe im 3. Weltkrieg gegen den Kommunismus, den der Westen sei- ner Freiheit zu weltweiter Herrschaft wegen für untragbar erklärt hat. Weil die Maßlosigkeit dieses imperialistischen Anspruchs mit jedem Schritt seiner Durchsetzung für neue Leichen und neues Elend sorgt, protestieren wir - gegen den US-Krieg in Nicaragua - gegen den Weltfrieden unter NATO-Diktat, der der dem Westen einen Weltkrieg wert ist. Unser Protest richtet sich zugleich gegen die bundesdeutsche Re- gierung und Opposition, gegen die normale und kritische öffentli- che Meinung in der BRD, dem zweitwichtigsten und zweitmächtigsten Partnerland der NATO. Bei allem Streit um die richtige Behandlung des Sandinisten-Staa- tes besteht nationale Einigkeit im J a zum Imperialismus der Bundesrepublik: in der Anmaßung einer Zuständigkeit für jedes Welteck. Kaum etabliert sich irgendwo eine Linksregierung, schon geht es die Bundesregierung, die oppositionelle Ersatzmannschaft und alle deutschen Weltbürger etwas an! Sie sehen in der sandini- stischen Revolution in Nicaragua ein P r o b l e m, zu dessen L ö s u n g sie sich berufen wissen. Die Bundesregierung sieht die Sache gleich so wie der größte NATO-Partner USA. Die BRD ist an der funktionierenden westlichen Weltherrschaft interessiert, sieht im Krieg der USA gegen die Sandinisten auch ihren weltweiten Einfluß verteidigt und besteht wie Reagan auf der Klarstellung, daß jeder Aufstand gegen einen regierenden Freund des Westens für die Aufständischen tödlich en- det. Dafür tun Kohl und Genscher, was in ihrer Macht steht: Mit ihren Mitteln betreiben sie die wirtschaftliche Ausblutung und diplomatische Isolierung Nicaraguas. Daß sie dann auch noch ein deutsches Kriegsschiff zu den Blockade- und Invasionsübungen der US-Navy vor Nicaragua schicken, ist der extra beabsichtigte Be- weis deutscher Solidarität mit dem US-Krieg gegen die nicaragua- nische Revolution. Die SPD-Opposition will das "Problem Nicaragua" auch lösen - und preist ihr Konzept als eines an, das den USA noch größere "Probleme mit Lateinamerika ersparen" würde. Auf wessen Seite diese Heuchler stehen, ist also keine Frage. Willy Brandts fried- volle Alternative zur "militärischen Lösung" bezieht ihre ganze Überzeugungskraft aus den militärischen Erfolgen der US-Söldner. Die sogenannten Vermittlungsangebote der Sozialistischen Interna- tionale richten sich einzig an die O p f e r des US-Krieges, nicht an die T ä t e r. Da wird nichts vermittelt, sondern auf sozialdemokratisch die US-Feindschaftserklärung übermittelt. Kon- zessionen verlangt Brandt nicht von den USA, sondern von den San- dinisten. Von ihnen verlangt Brandt diplomatisch, was Reagan mit- tels Krieg gegen sie durchsetzt: die Regierung in Managua muß dem westlichen Interesse weichen. Wenn die freie und demokratische Presse von der BILD-Zeitung bis zur WAZ dann die Sünden der Sandinisten gegen die demokratische Herrschaftsform, gegen die Stabilität Mittelamerikas und gegen das weltweite Verbot russischen Einflusses auflistet, dann teilen sie dem deutschen Zeitungsleser präzise mit, worauf eine deutsche Regierung weltweit Anspruch erhebt. Auf Regierungen, die zum de- mokratischen Westen halten. Dann müssen sie auch nicht übermäßig demokratisch sein. Wie z.B. Chile oder Pakistan. Auf Regierungen, die die Macht des Westens vergrößern. Dann ist die Destabilisie- rung falscher Regierungen ganz gerecht und festigt die Bonner Freundschaft mit Irsael und Südafrika. Die weltweite Ausschaltung der Russen, das ist es, worauf die deutsche Regierung im Verein mit ihren NATO-Freunden Anspruch er- hebt - und für dessen Verwirklichung sie ihre Waffen und ihr Volk tagtäglich scharf macht. Aber auch diejenigen, die sich als Sympathisanten der Nicaragua- Revolution ausgeben, möchten den selbstherrlichen Maßstäben der imperialistischen Einigkeit "unserer" famosen Nation nicht auf die Füße treten. Lieber beteiligen sie sich am Tribunal über Ni- caragua, schwingen sich zum Anwalt der Verteidigung auf und plä- dieren auf mildernde Umstände: Nicaragua sei doch immerhin ziem- lich demokratisch; es tue doch manches Gute für die kleinen Leute; es sei gar nicht so hochgerüstet, wie BILD sagt, und keine Dependance von Kuba oder der Sowjetunion. Entschuldigung Nicara- guas vor den Richtschnüren des Imperialismus, ein Plädoyer dafür, daß Nicaragua diese Behandlung durch die USA doch nicht verdient habe - das ist das gerade Gegenteil einer A b s a g e an den imperialistischen Anspruch auf weltweite Zuständigkeit der west- lichen Demokratien. G e g e n diesen Anspruch demonstrieren wir heute. Wir protestieren - gegen den BRD-Imperialismus, der auf größere Teilhabe bei der "Befriedung" Mittelamerikas drängt - gegen den Zynismus der SPD, der für dieses Programm der US- Krieg gerade recht kommt, um sich als "friedliche" Variante des Imperialismus Gehör zu verschaffen - gegen die Gemeinheit der deutschen Öffentlichkeit, die von den westlichen Tätern die "Lösung" des "Problems" Nicaragua einklagt, das diese dem Land mit ihrem Krieg bereiten. zurück