Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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Nicaragua:
DIE USA ESKALIEREN IHRE DEMOKRATISCHE ENDLÖSUNG
Der Krieg gegen Nicaragua kommt voran. Die Contras werden offen-
siver; und gegen die Gegenoffensiven der nicaraguanischen Armee
gehen das honduranische Militär und dessen US-'Berater' in die
Offensive.
Das alles ist sehr folgerichtig: Irgendwie muß sich ja der
offizielle Beschluß des US-Kongresses zur militärischen Auf-
rüstung der Contra-Kräfte geltend machen. Wenn die Hilfe nicht
mehr verdeckt fließt, womit sich lauter Gelegenheiten zu unent-
deckter Korruption bieten, sondern wenn sie gut demokratisch und
bürokratisch zugestellt wird, dann wird sie schon auch wirksamer
werden. Außerdem ist die Kongreß-Entscheidung die politische
Grundlage für den ganz offensichtlich ergangenen Auftrag an die
Regierung von Honduras, sich stärker und direkter am Kriegsge-
schehen zu beteiligen. Die militärische Vorarbeit ist mit jah-
relangen Manövern unter US-Aufsicht und mit der Aufrüstung der
Grenzregion zu Nicaragua längst getan; es wird Zeit, daß sie sich
auszahlt.
Ein demokratisches A r g u m e n t kommt hinzu: Wenn einem ge-
wählten Präsidenten der Weltmacht USA Schwäche und Versagen nach-
gesagt wird - wie anläßlich der nicht recht gelungenen verdeckten
Einmischungsversuche im Iran -, dann bekommt nicht nur der Präsi-
dent, sondern die ganze Nation das Bedürfnis nach außenpoliti-
schen Erfolgen der eigenen Macht. Denn schließlich gilt Reagans
Iran-Initiative nur deswegen als ein peinliches Scheitern, weil
sie an denn maßlosen Anspruch gemessen wird, den USA und deren
Führer dürfte überhaupt nichts mißlingen, sobald sie es sich vor-
genommen haben. Das heißt natürlich etwas für die widerspenstigen
Nicaraguaner.
Auch die Moral spielt in dieser Anspruchshaltung der US-Nation
ihre Rolle. Die Geheimkontakte zu den Mullahs und ihrem Ayatollah
haben ein schiefes Licht auf das Terrorismusbekämpfungsprogramm
der US-Regierung geworfen; sie haben Zweifel daran geweckt, ob
Reagan es auch immer und überall kompromißlos ernst als politi-
sches Todesurteil über eine fremde Staatsmacht meint, wenn er den
moralischen Vorwurf des Terrorismus gegen sie erhebt; diesen
Zweifel auszuräumen, ist der US-Präsident schon allein der Moral
und dem guten antiterroristischen Gewissen seiner Nation schul-
dig.
Die USA haben also nicht bloß die Mittel für den Krieg gegen Ni-
caragua in Gang gesetzt, aufgestockt und geschärft; sie haben
sich auch, parallel dazu, die unwiderleglichsten Rechtstitel auf
kriegerische Erfolge zugelegt: Sich selbst, der Glaubwürdigkeit
ihrer Weltmacht, ist die westliche Führungsnation mehr und mehr
die Vernichtung der sandinistischen Regierung, also einen Sieg
über Nicaragua schuldig. Daneben übrigens auch den Verbündeten,
die ein Menschenrecht auf die Berechenbarkeit ihrer imperialisti-
schen Vormacht haben.
So erzeugt sich das demokratische System mit systematischer Fol-
gerichtigkeit die besten Gründe für die Kriege, die es führt und
noch führen will.
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Landkarte Nicaragua
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