Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 103, 06.11.1984
Flugblatt der MG, verteilt am 3.11. in Bonn auf der Kundgebung
der Nicaragua-Demonstration - gegen den Heuchler und Manager des
imperialistischen Elends, Willy Brandt, und gegen eine falsche
Enttäuschung über ihn.
DER NICHT!
Als Hauptfestredner und Zugpferd zur Nicaragua-Demo hat er sich
bitten lassen: der SPD-Vorsitzende Brandt, Friedenswilly, Manager
und Moralist des bundesdeutschen Anteils an der US-amerikanischen
Weltherrschaft. Unter den letzten Gegnern des imperialistischen
Zugriffs auf Mittelamerika will er kassieren - für Glanzleistun-
gen sozialdemokratischer Heuchelei.
Als "Vermittler"
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zwischen den "verfeindeten Parteien" ist Brandt durch Lateiname-
rika gereist. Welchen goldenen Mittelweg hat er welchen Regierun-
gen denn ans Herz gelegt? Hat er mit seinen menschenfreundlichen
Vermittlungsbemühungen mehr ins Werk gesetzt als die Lüge, es
läge an den Sandinisten, wieviele Leichen dort anfallen? Sollte
ihm wirklich entgangen sein, daß dort die demokratisch beschlos-
sene Zerstörung eines unliebsamen Staatswesens in Nicaragua und
nebenan, in El Salvador, die Vernichtung eines Aufstandes statt-
findet? Beschlossen und auf die Tagesordnung gesetzt, finanziert
und angeleitet durch den Geheimdienst ihrer Majestät, der ameri-
kanischen Weltmacht - unser Beschützer und unentbehrlichen
Freund! Wo, Herr Brandt, ist denn die "Mitte" zwischen Kaputt-
machen und Überleben?
In Mittelamerika
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hat "Vermittler" Brandt sich beliebt gemacht. Den Contadora-Staa-
ten hat er zu ihrem "Friedensplan" gratuliert - den die US-Regie-
rung längst abgelehnt hat. Den Sandinisten hat er mehr Nachgie-
bigkeit gegenüber den USA und ihren Kreaturen vor Ort empfohlen -
nachdem längst klar ist, daß die USA der Regierung Nicaraguas gar
keine Überlebenstaktik mehr durchgehen lassen wollen. Willy
Brandt von der "Sozialistischen Internationalen" - rastlos im
Einsatz, um "das Schlimmste zu verhüten".
Hat er sich da nicht ein bißchen in der Adresse vertan? Ist ihm
wirklich unbekannt, daß die Beschlüsse über das Schicksal Mittel-
amerikas in Washington gefaßt und in Bonn tatkräftig unterstützt
werden? Hat er auch nur den kleinsten Versuch unternommen, mit
seiner europäisch-sozialdemokratischen Moral-Seicherei den
M a c h e r n des Geschehens Eindruck zu machen: der Regierung
Reagan? Oder wenigstens seinem Gesinnungsfreund Mondale, der für
"das Nicaragua-Problem" nichts als "intelligentere", sprich:
w i r k s a m e r e Gewaltanwendung verspricht -?! Hat er wenig-
stens einmal daheim im deutschen Parlament die Wahrheit über
"unsere Interessen" an Mittelamerika, diesen Rechtstitel auf Ein-
mischung mit den USA, und über den Nachschub an Kredit und Waffen
gesagt?
Nein: dazu ist der große Friedensfreund zu r e a l i-
s t i s c h!
Die Opfer
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des amerikanischen Zugriffs hat Brandt mit Rat und Ermahnungen
belästigt. Als Anwalt der politischen Vertreter der Konterrevolu-
tion ist er aufgetreten und hat die Sandinisten aufgefordert,
mitten in ihrem Abwehrkrieg gegen US-Söldner, US-Freiwillige und
demnächst US-Truppen mehr Demokratie zu "wagen". Kann Willy
Brandt, Erfinder der Berufsverbote gegen Linke und Oberbefehlsha-
ber einstiger Terroristenbekämpfung, wirklich übersehen haben,
daß er mit seinen "guten Ratschlägen" den Sandinisten die Selbst-
aufgabe abverlangt? Und das sogar ohne den Schein einer Garantie,
daß die USA sich damit zufrieden geben!
Mit seiner Mahnung zu mehr Demokratie hat Brandt nur eine wei-
tere, sozialdemokratische Masche an den weltöffentlichen "Beweis"
angestrickt, daß es um die Sandinisten doch zumindest nicht be-
sonders schade ist, wenn sie dem Zugriff der USA zum Opfer fal-
len. A u c h eine Art von kritischem Einverständnis mit der
amerikanischen "Weltordnung". Sollte sich Brandt, der erfahrene
Weltpolitiker, über diesen propagandistischen Ertrag seiner
"Vermittlungsbemühungen" tatsächlich getäuscht haben?
Als echter deutscher Sozialdemokrat
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hat Willy Brandt nie im Sinn gehabt, die imperialistischen Er-
folge und Vorhaben der Freien Welt zu behindern. Sie auszunutzen:
für größere deutsche Anteile an der Weltherrschaft und für ein
gutes sozialdemokratisches Gewissen dabei - das ist Friedenspoli-
tik, Marke SPD. In Mittelamerika umherreisen und sich für die Op-
fer einer Politik zuständig zu erklären, die von der Bundesrepu-
blik einschließlich ihrer Sozialdemokratenbündnispartnerschaft-
lich unterstützt wird: das ist eine perfide politische
S p e k u l a t i o n a u f d e n "T a g d a n a c h". Sol-
len die USA doch "die Lage" "unter Kontrolle" halten bzw. wieder
bringen - das ist die G e s c h ä f t s g r u n d l a g e für
die Selbstanpreisungen der "Sozialistischen Internationale" als
die bessere Alternative, die mal wieder nicht zum Zug gekommen
wäre. Wenn Reagan und Co das Drecksgeschäft erledigen, das zur
demokratischen Weltordnung nun einmal dazugehört, dann haben Eu-
ropas Sozialdemokraten es gleich doppelt leicht, sich vor den Be-
troffenen als die edleren Menschenfreunde aufzuspielen: Die
"Lage" ist freiheitlich "bereinigt" - und im Vergleich mit den
dabei angewandten Methoden sehen die "gescheiterten" "Vermittler"
von "links" automatisch sauber aus!
Die Opfer solidarisch zur "Vernunft" ermahnen - mit den Schläch-
tern "Realpolitik" treiben: Das ist Willy Brandt! Leichen pfla-
stern eben den Weg von Friedenspolitikern.
Und dafür soll man sich den im Hofgarten als Festredner anhören?!
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