Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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DIE SOLIDARITÄT DER DEMOKRATEN
Das Schöne an der demokratischen Gewalten t e i l u n g ist, daß
am Ende immer mehr rauskommt an Gewalt. Dreimal legte der US-Prä-
sident seinem Repräsentantenhaus den Antrag zur Finanzierung der
Contras in und vor allem um Nicaragua vor, bis schließlich nur
noch eins zur Debatte stand: Haben wir unser Geld auch optimal
angelegt? Keine Volksvertreterstimme in den USA hat mehr Beden-
ken, ob man sich nicht vielleicht doch raushalten sollte. Letzten
Donnerstag lautete die schärfste Kritik aus den Reihen der Oppo-
sition so: "Wir werden hier aufgefordert, hundert Millionen Dol-
lar für Drogenhändler, Waffenschmuggler und Betrüger zu genehmi-
gen." (Bonior, Demokrat, Michigan). Ein ausgesprochen unsachli-
cher Einwand, angesichts des Sachverhalts, daß sich die Reagan-
Administration schließlich Leute kauft für den "schmutzigen
Krieg" und nicht für die Pflege nicaraguanischen Kulturguts. Die
Herren Führer des "Nicaraguanischen Widerstands" s i n d, als
Gangster im Dienst der USA, ehrenwerte F r e i h e i t s-
k ä m p f e r mit einschlägiger Berufsqualifikation: Calero
besaß die Coca-Cola-Lizenz im Somoza-Staat, Robelo ist Schmier-
und Speiseölfabrikant und Cruz war Botschafter in Washington.
Jetzt wollen sie Nicaragua von der "sandinistischen Tyrannei"
befreien - und wie soll das anders gehen als durch das Umbringen
von möglichst vielen sandinistischen Nicaraguanern? So irrt auch
die liberale "Süddeutsche Zeitung", wenn sie meint "Reagans
persönlichem Triumph" noch ein "zwar... aber" anhängen zu müssen:
"Daß die Dollarmillionen den Contras dazu verhelfen, sich in eine
echte Bürgerkriegspartei zu verwandeln, zu der Hunderttausende
von Nicaraguanern überlaufen, mutet zwar unwahrscheinlich an,
aber die Zahl der Todesopfer wird sicher steigen." (SZ-Kommentar,
27.6.) Und allein dafür wird das Geld angelegt. In Nicaragua
findet nämlich k e i n B ü r g e r k r i e g statt: Der endete
1979 mit der Vertreibung Somozas und der Entwaffnung der
Nationalgarde. Was es jetzt gibt, ist eine K o n t e r r e v o-
l u t i o n, für die sich die USA die Somozisten gekauft haben.
Aus denen wurden in Miami samt und sonders überzeugte
D e m o k r a t e n, die jetzt ihren alten Beruf des Leute-
Terrorisierens als Freiheitskampf ausüben. D a s kritisiert in
den USA keine verantwortliche politische Stimme. Das Herumnörgeln
an der "Lumpensammler-Streitmacht" bestätigt nur die Reagan-
Administration in ihrem Beschluß, daß mehr Hilfe für sie her muß.
Inzwischen konnte man anläßlich des Kidnapping deutscher Helfer
erfahren, daß die Contra sich waffentechnisch auch auf M a d e
i n G e r m a n y stützen kann. Die Solidarität der Demokraten
reicht so von Washington auch über Bonn in die Grenzgebiete von
Honduras und Nicaragua, wo die vorderste Front der Freien Welt
nicht pingelig sein darf bei der Auswahl ihrer Killer. Immerhin
leisten die Contras laut Reagan und Shultz einen wertvollen
Beitrag zur E r h a l t u n g d e s F r i e d e n s: "Ohne
die antisandinistische Guerilla blieben den Vereinigten Staaten
als Optionen nur noch diplomatische Proteste oder eine
Intervention mit eigenen Truppen." (FAZ, 27.6.)
Daneben leisten eine Handvoll Dollars auch noch Dienste für die
US-Innenpolitik: Vor den midterm elections im November will es
sich mancher congressman einfach nicht leisten, in Sachen demo-
kratischer Patriotismus hinter einem Präsidenten zurückzustehen,
dem die Herzen seiner Landsleute noch nie so gewogen waren wie
gerade jetzt, wo er sich selbst als "Contra" bekannt hat. Mehr
t o t e N i c a r a g u a n e r gelten in der Demokratie also
auch als Argument für m e h r W ä h l e r s t i m m e n!
*
Nicht schweigen darf d a z u die deutsche Sozialdemokratie.
Kaum ist Wischnewski aus Lima in Peru zurück, wo der dort amtie-
rende Contra-Chef Garcia dem Ober-Sozialisten Willy Brandt einen
Orden verlieh, weil der deutsche Genosse versprochen hat, aus-
wärts das Gefangenenmassaker als "Kampf der peruanischen Demokra-
tie gegen den Terrorismus" zu verteidigen - da mokiert er sich
für die SPD über die Unterstützung von Terroristen, hinter denen
sie nicht steht. Das sei "für die Friedensbemühungen in Mittel-
amerika ein fast tödlicher Schlag". Wenn Reagan schon keine Rück-
sicht gegen nicaraguanische Campesinos kennt, dann sollte er aber
doch die "Sozialistische Internationale" berücksichtigen. Die
würde nämlich zu gerne die "Contra" überflüssig machen und auch
in Managua einen Garcia einsetzen: Einen Häuptling, der nach
vollbrachtem Massaker die "unnötigen" "Übergriffe" (= "Befehls-
überschreitung bei Tötungsaktionen dulde ich nicht!") untersuchen
läßt.
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