Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Dortmunder Hochschulzeitung Nr. 18B, 10.05.1983
       
       Wochenschau
       

DIE BONNER SCHREIBTISCHTÄTER

haben nur sehr dezente Krokodilstränen über die Ermordung Albrecht Pflaums in Nicaragua öffentlich und anstandshalber ver- gossen. Der Verdacht besteht, daß ein toter Entwicklungshelfer in Mittelamerika politisch ebenso gelegen kommt, wie der Herzinfarkt eines Bundesbürgers auf dem Territorium der DDR. Bei diesem wurde "lückenlose Aufklärung" von einem "Unrechtsregime" verlangt, des- sen "moralische" Schuld und politische "Verantwortung" auf jeden Fall feststeht. Bei Pflaum spricht Kohl von einem "tragischen Tod", fordert "Aufklärung", obwohl sich die "Contras" zur Tat be- kannt haben, gelangt natürlich nie zu einer Verurteilung der Mör- der, weil diese Bündnispartner sind, und schafft es dann lässig, der "Lage in Nicaragua" die Schuld zuzuweisen. Die Kohl-Regierung möchte sich nur allzu gerne aus den Abkommen ihrer Vorgängerin mit dem sandinistischen Nicaragua, die nicht unmittelbar mehr oder weniger versteckte Subventionen für die anti-sandinistische Opposition darstellen, auskoppeln. Jetzt dient der Terror von CIA-Söldnern als Argument gegen die Regierung Nicaraguas, die die Sicherheit deutscher Entwicklungshelfer nicht mehr garantieren könne. Ohnehin haben Ärzte und Krankenschwestern des DED in Nica- ragua seit Beginn der US-Militäroffensive zunehmend die Aufgabe, die Opfer einer Politik, die von ihrem Dienstherrn unterstützt und mitgetragen wird, notdürftig medizinisch zu versorgen. Neben dem w e l t p o l i t i s c h e n Schulterschluß zwischen BRD und USA, den auf der UNO-Bühne der Bonner Botschafter van Well demonstriert, indem er vor dem Sicherheitsrat die US-Politik im Namen der "Nicht-Einmischung", gegen die sich ausgerechnet die Sandinisten versündigt hätten, diplomatisch verklausuliert hoch- hält, gab vorher schon in Bonn den Bruderkuß zwischen nicaragua- nischer Konterrevolution und der westdeutschen christlichen Demo- kratie: Am 25.3. riefen Vertreter der somozistischen FDN-Bande in Bonn zum "gewaltsamen Sturz der sandinistischen Regierung" auf. Eingeladen und der Presse vorgestellt hatte sie die "Internationale Arbeitsgemeinschaft Freiheit und Demokratie", die bekanntlich der gleichen Partei sehr "nahesteht", die den famosen Entwicklungshilfeminister Warnke ins Kabinett entsandt hat. Dies war wohl der Auftakt der von Warnke selbst vorgeschlagenen Zusam- menarbeit "unterhalb der Regierungsebene" gegen "undemokratische Regierungen". zurück