Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl


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       Militärische Offensive des Imperialismus
       

US-STRAFGERICHT IN NICARAGUA

Teach-In 1. Mit der Ausrüstung und Einschleusung somozistischer Söldner- truppen, die vom CIA ausgebildet und von den US-Militärbastionen Honduras und Guatemala unterstützt werden, statuieren die USA in Nicaragua ein blutiges Exempel: Wer sich den Prinzipien der westlichen Weltordnung nicht bedingungslos unterwirft, hat - Regierung wie Volk - sein Lebensrecht verwirkt. Was diese Prinzipien jeweils verlangen, entscheiden ihre Vertreter nach dem Erfolg, den sie bereits errungen haben: Nachdem auch in Nicaragua die materielle Abhängigkeit vom Westen längst durchgesetzt ist, wird heute schon die Unbotmäßigkeit gegen einen Vasallen der Freien Welt als allein ausschlaggebend behandelt. Nur weil die Sandinisten sich nicht ohne Vorbehalte auf die Seite der USA schlagen, wird ihnen dieser Umsturz als zu bestrafende Ungerechtigkeit angerechnet. Wenn Reagan sich inzwischen offen dazu bekennt, daß der Guerillakrieg der "Contras" in Nicaragua die erste von weiteren Eskalationsmöglichkeiten der USA ist, so stellt er ein für allemal klar, daß es in Mittelamerika nur e i n gerechtfertigtes Interesse gibt: das geostrategische Recht der NATO auf willfährige und militärisch hochgerüstete Bündnispartner. Die freiheitliche Gewalt, auch die geringste Abweichung von diesem Auftrag als "Gefährdung der Sicherheit des amerikanischen Kontinents" zu definieren, verschafft der Strafaktion gegen die Sandinisten sogar ein "moralisches Recht" (US-Botschafterin Kirkpatrick). Und je mehr dieses selbstgerechte Urteil des Imperialismus durch den Erfolg seiner gewalttätigen Mittel für "Glaubwürdigkeit" sorgt, desto mehr verpflichten die jedem durchsichtigen Sprachregelungen auf die pure Parteinahme für ihren Zweck; weder die Lüge, die Russen bereiteten von Nicaragua aus die Eroberung von Mittelamerika vor, noch das "begrenzte" Einsatzziel, man wolle angebliche Waffenlieferungen nach El Salvador unterbinden, wollen anders geglaubt werden als so, daß sich, Nicaragua das Blutgericht der USA jedenfalls selbst zugezogen hat. Wer sich nicht freiwillig in die westliche Weltrevolution für freedom and democracy einreibt, ist ein "Sicherheitsrisiko" und gehört deshalb zu denen, deren "letztes Kapitel" der Westen heute allüberall zu schreiben gewillt ist. 2. In der BRD hört man auf damit, sich die geheuchelten und dennoch bezeichnenden Sorgen der US-Opposition gegen Reagans Mittelame- rika-Politik zu eigen zu machen: Ob man sich mit den Anhängern des gestürzten Diktators Somoza nicht die falschen Freunde zuge- legt hätte? Ob die Wiedergewinnung Nicaraguas für die Sache der Freiheit nicht auch diskreter, diplomatisch und mit wirtschaftli- chen Mitteln zu haben wäre? So wenig diese Kritik mit einem Ge- gensatz zu den politischen Zielen der US-Intervention zu tun hat, so viel liegt der neuen Bundesregierung demgegenüber an einer De- monstration westlicher Entschlossenheit. Bundesdeutsche Eingreif- truppen sind für den amerikanischen Kontinent zwar nicht vorgese- hen, weil überflüssig; aber die Ankündigung, der sandinistischen Regierung die ohnehin schon ausgesetzte Wirtschaftshilfe nun end- gültig zu streichen und die Gelder stattdessen nach El Salvador zu schicken, wo sie bisher zurückgehalten wurden, tut ihre Wir- kung. Nicaragua darf die Illusion begraben, daß diplomatische Differenzen zwischen den USA und ihren europäischen NATO-Kollegen der Feindseligkeit des Westens gegen nicht von ihm lizensierte Nationen Abbruch tun, und sich mit einer wachsenden Aushungerung seiner Bevölkerung herumschlagen, die eine sehr zweckmäßige Er- gänzung des militärischen Eingriffs darstellt. Und El Salvador, durch "freie Wahlen" zu uneingeschränkter Unterstützung seines Terrors gegen aufständisches Landvolk legitimiert, erhält für diesen Beitrag zur "Stabilisierung" der NATO-Verfügungsgewalt in der Region den verdienten Lohn. Die BRD macht keinen Hehl daraus, daß auch sie für nicht weniger antritt als die universell gülti- gen Prinzipien der gerechten Herrschaft, für die man hier und überall Zuständigkeit beansprucht: Die wirtschaftliche Ruinierung der Sandinisten befördert die "Achtung der Menschenrechte und der demokratischen Institutionen", auch wenn die so berechtigten Men- schen nur deshalb krepieren müssen, weil sie die falschen "Institutionen" erwischt haben. 3. "Frieden i n Freiheit", also k e i n Frieden ohne F r e i h e i t. Daß niemand in Ruhe gelassen wird, der sich den Kriterien westlicher Herrschaft entzieht, diese Lektion - als weltpolitisches Programm gegen die Sowjetunion gerichtet - wird in Nicaragua durchgezogen. Militärisch durch die USA, ökonomisch und diplomatisch auch durch den NATO-Partner BRD, wird dem impe- rialistischen Anspruch Geltung verschafft, daß nur b e r e c h t i g t e H e r r s c h a f t vor dem Gericht der Freien Welt bestehen kann - also eine, die jedes I n t e- r e s s e des Imperialismus als unumstößliches R e c h t der obersten Sittenwächter der Staatenwelt akzeptiert. zurück