Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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WAS HAT H.-J. WISCHNEWSKI IN NICARAGUA ZU SUCHEN
Unter dem Waffenstillstandsvertrag zwischen Sandinisten und
Contras steht auch ein deutscher Name. Der "Held von Mogadischu",
H.-J. Wischnewski, konnte den bundesdeutschen Fernseh- und Pres-
sefritzen neulich von seinem jüngsten Erfolg berichten.
"Nach monatelangem zähem Ringen" sei es gelungen, "die Regierung
in Managua zum Einlenken zu bewegen."
"Wie mühsam es war, die Sandinisten dazu zu bringen, seufzt
Wischnewski." (Süddeutsche Zeitung 22.2.) Was nicht übermäßig
verwunderlich ist; denn der Vertrag, "für dessen Zustandekommen
die Bundesregierung dem SPD-MdB dankte", faßt sich folgendermaßen
zusammen:
"Die Contras konnten ihre politischen Forderungen weitgehend
durchsetzen." (SZ, 25.3.)
Die Sandinisten müssen sämtliche gefangenen Kriegsgegner ein-
schließlich der Nationalgardisten des von ihnen gestürzten So-
moza-Regimes freilassen. (Eine Gegenleistung entfällt, da die
Contras keine Gefangenen zu machen pflegen.) Sie treten an die
Contras, die bislang vom Gebiet der ausländischen US-Vasallen
Honduras etc. aus operierten, "neutrale Zonen" in Nicaragua ab.
Sie erkennen die Contras als innenpolitische Opposition an und
nehmen mit ihnen einen "Nationalen Dialog" über Verfassungsände-
rungen auf.
Und für dieses Ergebnis haben sich die Sandinisten diesen Mann
als "Vermittler" geholt und als "Regierungsberater" den Vertrag
unterzeichnen lassen? Offensichtlich ist ihnen nichts Besseres
eingefallen, um weiterhin zu versuchen, mit ihrem
e i g e n t l i c h e n Kriegsgegner, den USA, ins Gespräch zu
kommen. Die bundesdeutschen Sozialdemokraten, die a l s
R e g i e r u n g s p a r t e i sofort die Wirtschaftsbeziehun-
gen zum sandinistischen Nicaragua einschränkten, lassen sich als
O p p o s i t i o n s p a r t e i gern die Rolle des "neutralen
Vermittlers" antragen.
Dabei hat Wischnewski den USA rein gar nichts abgehandelt -
Washington reagierte auf den Waffenstillstand mit verstärkten
Handelssanktionen gegen Nicargua und neuen Hilfsgeldern für die
Contras.
Von den Sandinisten hingegen hatte der sozialdemokratische Ver-
mittler einiges zu verlangen. Er hat ihnen das Todesurteil, das
die USA gegen sie vollstreckt sehen wollen, als einzig
"realistische Verhandlungsgrundlage für Nicaragua" angetragen.
Die alte sozialdemokratische Lüge vom "Verhandeln statt Schießen"
setzt er damit so in die Tat um, daß er das Schießen den USA und
ihren Söldnern überläßt und selbst mit den Sandinisten über die
"Chancen" verhandelt, die es da noch gibt. Das "diplomatische Ge-
schick", das ihm hierzulande zugerechnet wird, ist deshalb nichts
weiter als imperialistisches Schmarotzertum. Auf Grundlage der
von den USA v o l l z o g e n e n Zerstörung Nicaraguas "kämpft
der clevere Ben Wisch nun am Verhandlungstisch" auch dafür,
s e i n e r Nation einen möglichst großen Einfluß auf "die Kon-
kursmasse der nicaraguanischen Revolution" zu sichern.
Außer dem Dank der Regierung und seiner Partei könnte ihm das in
der bundesdeutschen Öffentlichkeit vielleicht auch einen neuen
Kosenamen eintragen.
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