Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA NICARAGUA - Die Freiheit läßt keine Wahl
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 11, 09.05.1984
Wochenschau
ZUM US-KRIEG GEGEN NICARAGUA
stelle man sich zur Abwechslung einmal folgendes Szenario vor:
Die Sowjetunion vermint die Hafeneinfahrt von Bremerhaven und
verhindert so jede Ein- und Ausfahrt. Gleichzeitig dringen vom
KGB aufgebaute Truppen von der DDR her auf bundesdeutsches Gebiet
vor. Paramilitärische Einheiten im Landesinnern werden per Hub-
schrauber mit Waffen versorgt. Die Sowjetflotte veranstaltet der-
weil pausenlos Manöver in Ost- und Nordsee. Die russische Regie-
rung steht in aller Öffentlichkeit zu diesen Aktionen. Der Auf-
trag aus Moskau lautet: Sturz der mißliebigen Regierung Kohl.
Die Begründung: In der BRD lagern weit mehr Waffen, als dieses
Land für seine legitimen Verteidigungsbedürfnisse braucht. Über
Bremerhaven werden zusätzlich laufend neue Atomraketen ins Land
geschafft. In diesem Staat wimmelt es nicht nur von ausländischen
Militärberatern und Ausbildern; fremde Truppen aller Gattungen
stehen mit modernstem Gerät ausgerüstet über ganz Westdeutschland
verteilt nur 1000 km vor der sowjetischen Grenze - und sie kennen
nur einen erklärten Feind: die Sowjetunion.
Vorstellbar nur, wenn man sich den III. Weltkrieg gleich mit da-
zudenkt! Anders hingegen wenn solche K r i e g s h a n d-
l u n g e n von der Führungsmacht des Freien Westens gegen das
"Regime" eines Drittweltstaates begangen werden, das sich gemäß
westlichem Konsensus von Bonn bis Washington einfach nicht
gehört. "Differenzen" gibt es lediglich über das W i e seiner
Beseitigung: Selbstläuterung des Sandinismus durch "freund-
schaftlich-solidarischen" D r u c k sozialdemokratischer Polit-
touristen oder die bedingungslose Kapitulation Managuas - dies
das einzige "Verhandlungsangebot" Reagans. Deshalb bekennt sich
die US-Administration offen und ehrlich zu den Taten ihrer
terroristischen Contra-Mannschaft und zum Terror ihres CIA. Die
Arroganz der Weltmacht kümmert sich einen Dreck um von ihr selbst
in die Welt gesetzte Völkerrechtsideale: Jedes Urteil aus Den
Haag zu Mittelamerika wird für 2 Jahre vorab zur Makulatur er-
klärt. Bei allem bleibt der US-Imperialismus streng
d e m o k r a t i s c h. In beiden Häusern des Kongresses feil-
schen die Volksvertreter um die Höhe des Dollarbudgets für die
subversiven Aktionen der Regierung. "Really pissed off!", wie der
Senator Goldwater, sind sie allenfalls, wenn nicht "ausreichend
und rechtzeitig informiert". Wie, so fragt der Mann aus Arizona,
"kann ich die Außenpolitik unseres Landes verteidigen, wenn ich
sie nicht kenne?" Er kennt sie natürlich bestens, aber gefragt
werden möchte man schon, fürs überzeugende Dafürsein. Hierzulande
vermutet man hinter "Ungeschicklichkeiten" der US-Politik (als
solche figurieren noch die leichenträchtigsten Entscheidungen des
Weißen Hauses!) einen "überzogenen Antikommunismus" und speku-
liert ganz kaltschnäuzig-hintergrundinformiert, ob Reagan erst
nach oder gerade wegen seiner Wiederwahl den um Nicaragua herum
im Dauer"manöver" stehenden US-Truppen und Flotteneinheiten den
Marschbefehl zur endgültigen "Befreiung" eines abtrünnigen
US-Dominions erteilen wird. Angesichts dieser "Zurückhaltung"
wird das Zerstörungswerk der Söldnertruppen als "abwartende Tak-
tik" gewertet. Noch ist es nicht zum Schlimmsten gekommen - ein
Einmarsch, ein langwieriges Schlachten ohne E r f o l g s-
g a r a n t i e ("Zweites Vietnam!"). Das ist vorerst auch gar
nicht nötig, denn die USA haben Nicaragua gemäß ihrer Definition
der "Weltlage" zum Problemfall erklärt, diesem Staat das
Ü b e r l e b e n s problem aufgemacht, und sie sorgen schon
jetzt mit Geld und Gewalt dafür, daß er es nicht lösen kann. Alle
"Kritik" ob sich damit die "Probleme Mittelamerikas" lösen
ließen, ist bereits Parteigänger solcher "Selbstverständlich-
keiten" wie der, daß die USA zuständig sind für Mittelamerika,
daß sie mit allem, was sich da abspielt, "Probleme" haben und daß
sie für deren "Lösung" sorgen m ü s s e n. Was bleibt, ist
S t i l k r i t i k an den Henkern.
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