Quelle: Archiv MG - LATEINAMERIKA PANAMA - Kanal mit Volk

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       Panama
       

WEM DIE STUNDE SCHLÄGT

US-Kreaturen sind sie allesamt. Nicht nur General Noriega, der als Armeechef in Panama für die erwünschte Ordnung sorgt und des- sen Verbindungen zur Kokain-Mafia jetzt bei seinen obersten Chefs ins Gerede gekommen sind. Nicht nur Päsident Delvalle - von No- riega ein- und nach Unbotmäßigkeiten wieder abgesetzt und seit seinem Untertauchen von der westlichen Presse als "Freiheitsheld" gefeiert. Denn der ganze Staat Panama ist nichts anderes als eine brauchbare Einrichtung von und für die Amis. Bereits die Gründung der "Republik Panama" verdankt sich ausschließlich dem US-Inter- esse, einen ganzen Landstrich für den gleichnamigen Kanal funk- tional zu gestalten. Daß die dafür als nötig erachtete Herrschaft nicht von US-Statthaltern, sondern von einer heimischen Mann- schaft vor Ort ausgeübt werden durfte und darf, und die US-Hoheit nur für die unmittelbare Kanalzone beansprucht wird, hat dement- sprechend Grund für ewige Dankbarkeit der dortigen Capos gegen- über den Padrones im Weißen Haus zu sein. Dagegen soll sich General Noriega vergangen haben. Nicht, daß er und seine Mannen es am gewaltsamen Umgang gegenüber der eigenen Bevölkerung hätten fehlen lassen. Daß sich im Unterschied zu an- deren lateinamerikanischen Staaten erst in den letzten Wochen so etwas wie eine Opposition im Land formiert hat, deren Wortführer so respektable Persönlichkeiten wie ehemalige Justiz- und Innen- minister sind, kündet vom unbedingten Willen der dortigen Macht- haber, jede auch noch so geringe Unzufriedenheit bereits im Keim zu ersticken. Und für den Fall des Ausbleibens oder der mangeln- den Effizienz solchen Durchgreifens steht immer noch die US-Ein- satztruppe vor Ort zur Verfügung, deren dauerhafte Präsenz darauf verweist, wessen Interessen unbedingten Vorrang haben. Was Noriega heute von Washington angekreidet wird. ist der Um- stand, daß er als der unumschränkte Herr Panamas aus den Augen verloren hat, wessen Brot er ißt. Daß er als heimischer Sachwal- ter der US-Interessen ein selbstverständliches Recht auf großzü- gige Alimentation hat, ist vom US-Außenministerium nie bestritten worden. Als oberstem Kanalwächter stehen ihm genauso saftige Pfründe zu wie als oberstem Chef der unter der Flagge Panamas fahrenden Schiffe. Auch jedes US-Manöver, für das er sein Land zur Verfügung gestellt hat, hat sich auf seinem Konto niederzu- schlagen. Daß Noriega gegen cash nicht nur die Contras, sondern auch die sandinistischen Erzfeinde mit Waffen und Nachschub ver- sorgte, hat in Washington Zweifel an der Nützlichkeit dieses ame- rikanischen Freundes aufkommen lassen. Daß er zudem ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, zu dem die US-Regierung den Kampf gegen ihr "Drogenproblem" ausruft, auf den Lohnlisten der kolumbianischen Drogenringe steht und sich nicht einmal verbal davon distanziert, hat ihn in den USA endgültig zur persona non grata werden lassen. Anders als bei unserem Bundespräsidenten ist ihm zwar nicht die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehrt, wohl aber laufen gegen ihn mehrere Verfahren wegen Rauschgifthandel. Grund genug also, vom Staatspräsidenten seine Absetzung zu verlangen. Als Einmischung in die inneren Verhältnisse Panamas will das freilich niemand so richtig sehen. Genausowenig wie das Einfrieren aller Konten und Zurückhalten der Anteile aus den Umsätzen, die all- jährlich durch die Benutzung des Kanals gemacht werden. Daß dabei in erster Hinsicht die Bevölkerung geschädigt wird, und gerade nicht das Narbengesicht, dem mittlerweile etliche Angebote für ein Exil gemacht werden, wird in Washington mit einem bedauernden "leider" kommentiert. Und die Hinweise, daß man die Wirtschaft Panamas "nicht völlig ruinieren" will, sind die Aufforderung an die Reservechefs in der dortigen Armee, das ihre zu tun, um dann dieselben Geschäfte frei vom Makel des Dealertums fortzuführen. zurück