Quelle: Archiv MG - NAHOST LIBANON - Eine abrufbare Weltkrise
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ARAFAT IN TRIPOLIS
Kriegsbilder aus Tripoli, der Hafenstadt im Norden des Libanon,
kann man seit Tagen fast täglich im Fernsehen und in Zeitungen
genießen.
Verstümmelte Kinder und Panzer in voller Aktion geben anschaulich
Zeugnis von einer Schlächterei, die hierzulande als reichlich
verrückter "Bruderkrieg der Palästinenser" gehandelt wird. "Den
PLO-Chef Arafat ereilt - gerechterweise - das Schicksal, das er
anderen bereiten wollte" - in diese Richtung gehen die gemeinsten
und populärsten Kommentare.
Wirklich nichts als ein "unsinniger Bruderkrieg"?
Was auch immer Arafat und seine Widersacher gegeneinander auszu-
fechten haben: Ihr Kampf wäre rasch zu Ende, gäbe es kein überge-
ordnetes Interesse an ihrem Streit; keine Nutznießer, die die
verfeindeten Parteien mit Waffen ausstatten und darauf achten,
daß bei der ganzen Schießerei i h r e Pläne gefördert werden.
Auf die eine maßgebliche Seite wird tatsächlich mit viel geheu-
chelter Empörung immer wieder hingedeutet: "Die Syrer" hätten
sich eingemischt, um die PLO unter ihre Kontrolle zu bringen. Ha-
ben sie auch; und ihr Interesse geht unmißverständlich auf stär-
kere militärische und politische Positionen im Nordlibanon. Nur:
W a r u m Syrien ein solches Vorgehen gerade jetzt für nötig
hält, das kommt in den entsprechenden Vorwürfen weit weniger zur
Sprache.
Vielleicht deswegen, weil auch das irgendwie auf der Hand liegt.
Ganz zu Recht nehmen die Syrer es ernst, wenn der amerikanische
Präsident sie als Unruhestifter anklagt und für jeden toten US-
Soldaten, egal wer den umgelegt hat, den syrischen "Terroristen"
Vergeltung androht. Eine ganze, etliche tausend Mann starke NATO-
"Friedenstruppe" bereitet alles dafür vor, demnächst von einem
konsolidierten Vasallenstaat "zuhilfe gerufen" zu werden, um mit
entsprechender Verstärkung die Machtpositionen Syriens, des letz-
ten sowjetischen Partners in der Region, beiseite zu räumen. Eine
ganze US-Flotte ist unterwegs, um entsprechende Erfolge absolut
sicherzustellen. Für den Ernstfall steht Israel mit seiner Mili-
tärmacht bereit. Deswegen und d a g e g e n sucht die syrische
Armee ihre Bastionen zu verstärken - Arafats PLO-Kämpfer sind die
ersten Opfer.
Und dienen prompt wieder dem Westen als moralischer Rechtstitel
dafür, sein Eingreifen schneller und härter voranzutreiben. Schon
ist von einer "Friedenstruppe", ähnlich der in Beirut, für Tri-
poli die Rede. Wirklich eine gelungene Konzeption: Man setzt den
Gegner unter militärischen Druck; und wenn der militärisch rea-
giert, gibt es neue Anlässe und Gegenden zum "Friedenstiften".
Insofern sterben auch die tripolitanischen und Arafats Waffenge-
fährten für die Sache der Freiheit. Sie brauchen davon noch nicht
einmal den Schimmer einer Ahnung zu haben.
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