Quelle: Archiv MG - NAHOST PLO - Volk fehlt Staat
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EINE LEICHE ZUM GEBURTSTAG
"Der Untersuchungsausschuß stellte fest, daß der Überfall auf
Wasirs Haus Terrorismus der Art war, den zu verüben nur Staaten
in der Lage sind." (Süddeutsche Zeitung, 19.4.)
In einer gemeinsamen Operation des israelischen Geheimdienstes
Mossad mit Sondereinheiten von Armee und Marine wurde der PLO-
Führer Abu Dschihad in seiner Wohnung in Tunis samt Leibwächtern
und Chauffeur erschossen. Das ist inzwischen so gut wie amtlich,
keine großen Dementis aus Israel, dafür Glückwünsche von kompe-
tenter Seite und weiter so:
"Seit vielen Jahren habe ich wiederholt erklärt, daß wir uns um
die Chefs der mörderischen Terroristenorganisation kümmern und
sie verletzen und beseitigen müssen." (Scharon, nach FAZ, 19.4.)
Die demokratische Presse in der BRD bringt hierzu Schlagzeilen,
die sich wie Urteilsbegründungen für eine Hinrichtung lesen, und
listet alle möglichen "Drahtzieherschaften" des Ermordeten, vom
Olympiamassaker (bei dem man sich allerdings immer die Münchner
Polizei wegdenken muß) bis hin zum aktuellen Aufstand, auf.
Die g e g l ü c k t e M i l i t ä r a k t i o n wird bestaunt,
es gibt für sie volles Verständnis, wenngleich keine rückhaltlose
Billigung: Schließlich will man in seiner Verurteilung "jeglichen
Terrorismus" g l a u b w ü r d i g bleiben.
In den Kommentaren dann die Spekulationen, ob das nicht dem
"Friedensprozeß" im Nahen Osten einen schweren Rückschlag verset-
zen würde; wieso Abu Dschihad, der doch ein "Gemäßigter" war; und
warum gerade jetzt, wo's doch in den besetzten Gebieten am Damp-
fen ist?
Die unbeirrbare Parteilichkeit für Israel und die Propagandalüge,
alle Welt arbeite an einer "friedlichen Lösung" für das
"Palästinenserproblem", sieht auch im Mord an Abu Dschihad nur
"Probleme" statt einen konsequenten Beitrag Israels zu seiner Pa-
lästinenserpolitik: Shamir, Rabin und Peres, die nach einem Be-
richt von "Time" (17/1988) die Aktion angeordnet haben, bestell-
ten bei ihren Spezialisten die Leiche des populärsten Palästinen-
serführers, dessen Funktion für die PLO sicherlich nicht leicht
zu ersetzen sein wird. Das schwächt erstens den Feind, zweitens
demonstriert es den Protestierern in den besetzten Gebieten die
Macht Israels, die bis Tunis reicht und die sich von ein paar
Steinewerfern zu nichts "bewegen" lassen braucht. Und drittens
stärkt dieser E r f o l g seiner Streitkräfte die Moral der ei-
genen Bürger, die zum 40. Geburtstag des Staates noch einen Grund
zum Feiern haben:
"Israelische Militärexperten meinten, die 'exzellente Ausführung'
der Operation in Tunis spreche für eine israelische Aktion." (SZ)
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