Quelle: Archiv MG - NAHOST PLO - Volk fehlt Staat
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ERSCHIESSEN STATT VERPRÜGELN - DER MORAL DER TRUPPE ZULIEBE
Prügeln ist natürlich einerseits "besser als schießen". Die Opfer
sind hinterher, wenn sie Glück haben, "nur" verkrüppelt, aber
"immerhin" noch am Leben. Andererseits: Der Nahkontakt zum Feind
setzt bei den israelischen Soldaten Gelüste frei, die für die te-
legenen Ambitionen des Generalstabs ein echtes Problem darstel-
len. Die demokratische Presse denkt da sorgenzerfurcht mit Is-
rael:
"Das vergangene Wochenende hat in Cisjordanien und Gaza neun To-
desopfer gefordert; es waren somit die blutigsten Tage in den elf
Wochen seit Beginn der Unruhen... Mitte Januar, nach internatio-
nalen Protesten angesichts der vielen Todesopfer, die die is-
raelischen Maßnahmen in den ersten sechs Wochen der Unruhen
gefordert hatten, kündigte Verteidigungsminister Rabin an, daß
die Lage in den besetzten Gebieten nun mittels Prügel unter Kon-
trolle gebracht werde. Das Ziel dieses Schritts war, weniger Blut
zu vergießen - vielleicht weniger aus humanitärer Sorge um die
Palästinenser, sondern um das Bild Israels weltweit wieder zu
verbessern. Eine gewisse, zeitlich begrenzte Brutalisierung der
Armee wurde dabei in Kauf genommen.
Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen. Die palästinensische Be-
völkerung ließ sich keineswegs innerst kurzer Zeit zur Ruhe brin-
gen, und täglich wurden knüppelschwingende israelische Soldaten
weltweit auf den Fernsehschirmen gezeigt. An Gewicht gewann die-
ser Eindruck noch durch häßliche Ausschreitungen, die das erwar-
tete Maß der Brutalisierung um ein weites überschritten. Offen-
sichtlich war der latente Haß vieler Soldaten gegen die palästi-
nensische Bevölkerung weit unterschätzt worden. (General Mitzna
sagte zum Beispiel, gewisse Gewaltakte seiner Soldaten hätte er
sich nicht einmal in seinen schlimmsten Alpträumen vorstellen
können.) ... Die Blutbilanz vom Wochenende läßt nun vermuten, daß
die Führung der israelischen Armee die Konsequenzen gezogen und
Befehle erlassen hat, statt zu prügeln wieder vermehrt scharfe
Munition einzusetzen. Eine solche Wendung ließe sich durch den
Wunsch erklären, weiteren moralischen Schaden von der israeli-
schen Armee abzuwenden." (Neue Zürcher Zeitung, 2.3.88)
Conclusio: Im Sinne einer freien Berichterstattung, die Israel
nicht in der Nähe "menschenverachtender" Abschlachtungspraktiken
ansiedeln möchte, liefert ein sauberer Blattschuß doch das akzep-
tablere Fernsehbild. Wie gut, daß "wir" aus Hitlers KZs gelernt
haben, welche Verfahrensweisen gegenüber "Untermenschen" der Op-
tik wegen besser zu unterlassen sind - und welche Tötungsmethoden
als "saubere" das Abendessen vorm Bildschirm nicht vergällen!
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