Quelle: Archiv MG - NAHOST PLO - Volk fehlt Staat
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Flugzeug entführt / PLO-Führer liquidiert
AUF DIE LEICHE KOMMT ES AN
16 Tage lang hatten Luftpiraten von irgendeiner Allah-Fraktion
ein Flugzeug samt Besatzung und Passagieren in ihrer Gewalt. Ihr
Grund: 17 in Kuwait inhaftierte Gesinnungsgenossen sollten im
Austausch mit den Geiseln freigelassen werden. Zwischendurch er-
ledigte ein Killerkommando den PLO-Führer Abu Dschihad in seinem
Haus in Tunis. Für die westliche Öffentlichkeit wieder mal zwei
geeignete Anlässe, ihre Unterscheidungskünste in Sachen "Gewalt"
einzuüben.
"Gelungene Aktion"
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Das Attentat von Tunis gab Anlaß zum Spekulieren: PLO-interne
Auseinandersetzung oder israelischer Geheimdienst Mossad? Ent-
schieden wurde die Sache ziemlich schnell zugunsten der Israelis.
Schließlich stand der gute Mann auf der Liste der Todeskandida-
ten, die bei Mossad in der Schreibtischschublade liegt, ganz oben
an. Im übrigen plauderten ein paar Kabinettsmitglieder der Regie-
rung in Jerusalem mehr oder weniger offen aus, daß der Auftrag
für den Abschuß bei einer Kleinen Kabinettssitzung erteilt wurde.
Und die generalstabsmäßige Planung und Ausführung spricht sowieso
für "unsere" Freunde, die für die prompte Erledigung solcher
Fälle ja weltweit bekannt sind.
Todeslisten sind hier kein Ausweis für "menschenverachtenden Zy-
nismus", weil sie sich in Händen von Leuten befinden, die für das
westliche Wertesystem von Freiheit und Menschenrechten die Köpfe
rollen lassen. "Feige und hinterhältig", "kalt und berechnend"
sind Attentate dieses Kalibers natürlich genausowenig. Beurtei-
lungsmaßstäbe dieser Art kommen nur zur Anwendung, wenn die Opfer
solcher Gewalttaten Schleyer, Palme oder Zimmermann heißen, also
eindeutig auf der richtigen Seite stehen (standen). Bei Bewegun-
gen und ihren Führern, die im Verdacht stehen, nicht in die west-
liche Weltordnung zu passen, wird P o l i t i k sehr schnell
zum "Verbrechen" erklärt. Deswegen haben die Journalisten eilfer-
tig alle möglichen, der PLO zugeschriebenen Aktionen aufgezählt
und damit fürs Publikum die Urteilsbegründung geliefert: Bei ei-
nem "Terrorchef" kann es auf jeden Fall gar nicht den Falschen
treffen.
Getreu dieser Argumentation handelt es sich bei dem israelischen
Überfall also nicht um heimtückischen Mord, sondern um eine
"kühne Operation", die sich nahtlos an den "berühmten israeli-
schen Überfall auf drei PLO-Führer 1973 in Beirut" (SZ) an-
schließt. Eine rundum erfolgreiche Aktion also, die Zufriedenheit
stiftet und hoffnungsvoll darüber plaudern läßt, ob die PLO end-
lich in eine Führungskrise rutscht.
Sorgenfalten bekommen hiesige Kommentatoren allenfalls bei der
Begutachtung möglicher und eingebildeter Folgen: Ein "kluger, ge-
rechter, ein zu später oder übereilter Schritt?" Drohen "palästi-
nensische Rachelust" und israelische "Vergeltungsschläge"?
Eskaliert der Aufruhr der Palästinenser in den israelischen
Besatzungsgebieten?
Lauter Fragen, die sehr verständnisvoll den Staat Israel vor
"Problemen" warnen wollen, während der seinen erklärten Gegnern
welche macht und ihnen wieder mal die Hoffnungslosigkeit ihres
Protests unmißverständlich einbleut: mit einem toten PLO-Führer
und zusätzlichen Leichen im Gaza-Streifen.
Auf das
"Konto des Terrors"
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dagegen geht die Kaperung des Jumbos der Kuwait Airways, und die
eignet sich hervorragend für "Beweisführungen" folgender Art:
"Auch inwieweit die Perser hinter der Entführung standen, wird
sich nicht feststellen lassen. Arabische Medien und Politiker
(und die Süddeutsche Zeitung) werden dies immer behaupten, auch
wenn es nicht die Spur eines Beweises gibt. Teheran wird es immer
bestreiten, auch wenn eine solche Verwicklung auf der Hand
liegt." (SZ)
Die "Spur eines Beweises" wird ja auch gar nicht benötigt, wenn
"eine Verwicklung auf der Hand liegt". Weil feststeht, daß die
Entführer und ihre Hintermänner nicht im westlichen Lager stehen,
kann es sich bei ihnen nur um Verbrecher und verrückte Fanatiker
handeln.
Wenn afghanische Mudschahedin mit einer von CIA-Hintermännern ge-
lieferten Stinger-Rakete ein Passagier-Flugzeug abschießen, dann
wird das als Erfolg im Kampf gegen die Russen verbucht und kei-
nesfalls als Tat fanatischer Gotteskrieger; wenn Contras in Nica-
ragua wieder mal ein paar Bauern überfallen und die Ernte ver-
nichten, nennt sich das "Kampf um demokratische Verhältnisse" und
wenn eine westlich unterstützte Räuberbande und südafrikanische
Einmärsche in Mosambik und Angola jedes bißchen wirtschaftlichen
Aufbau verunmöglichen, gilt das als Beitrag zur Förderung der
"Einsicht" der dortigen Regierungen, daß "sozialistische Experi-
mente" sich nicht lohnen. Terrorismus heißt das nicht. Vielmehr
handelt es sich um ehrenwerte Freiheitskämpfer im Dienst der Men-
schenrechte.
Von dem Urteil der Gefährlichkeit des "Weltterrorismus" und sei-
ner "Zentren" will sich eine aufgeklärte Öffentlichkeit schon
gleich gar nicht abbringen lassen, taugt doch dessen Ausmalung so
schön dazu, den eigenen politischen Ansprüchen den Ehrentitel der
Verbrechensbekämpfung zu verleihen. Keinem will da auffallen, daß
eine Flugzeugentführung als Erpressungsmittel gegen einen
S t a a t eine mehr als matte Angelegenheit ist, und nur deshalb
überhaupt ins Kalkül gezogen wird, weil es dieser Partei an den
überlegenen diplomatischen und militärischen Optionen, wie sie
sonst im Verkehr zwischen Staaten gebräuchlich sind, von Anfang
an mangelt. Entsprechend gestaltete sich der "Erfolg" der ganzen
Aktion: Mehr als eine eindeutige Sorte von Aufmerksamkeit ist ihr
nicht zuteil geworden: Der Kampf gegen den "internationalen Ter-
rorismus" ist notwendiger denn je - und in diesem Fall nicht ganz
geglückt.
"Für die Überlebenden ein Glück, für die Terroristen keine ganze
Niederlage. Den Verbrechern ist es zwar allem Anschein nach nicht
gelungen, ihre Kumpane in Kuwait freizupressen. Aber sie haben
zwei Menschen erschossen und andere geschädigt. Dennoch ließ man
sie entkommen. Sie haben 'trainiert', sie können bald wieder ter-
rorisieren." (Bild)
Der kuwaitische Standpunkt, im Namen der Staatsräson notfalls ein
paar "unschuldige" Passagiere hops gehen zu lassen, geht für die
demokratische Öffentlichkeit selbstredend in Ordnung. Überflüssig
die Frage, was denn so sehr für den kuwaitischen Staat spricht,
daß er sich keinesfalls erpressen lassen darf. Und Spiegelbild-
lich dazu offenes Bedauern darüber, den Terroristen keine voll-
ständige Niederlage verpaßt zu haben. Da muß sich der "ehrliche
Makler" Algerien schon ein paar kritische Untertöne gefallen las-
sen. Womöglich stecken die mit denen unter einer Decke. Für keine
Seite Partei zu nehmen heißt eben auch, nicht umstandslos westli-
che Weltordnungsgesichtspunkte zur Geltung zu bringen. Und die
verlangen ohne Wenn und Aber das Abräumen solcher Fanatiker. Daß
die Forderung nach Strafe ohne ein kräftiges Blutbad nicht zu ha-
ben ist, wissen alle, was aber auch überhaupt niemanden stört.
Solche Schädigungen von Leib und Leben müssen bedauerlicherweise
in Kauf genommen werden. Die Opfer hätten sich dann sogar noch
extra gut dafür geeignet, die Gefährlichkeit solcher Terroristen
zu demonstrieren und geradezu danach verlangt, in zukünftigen
Fällen mit gleicher Härte zuzuschlagen.
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