Quelle: Archiv MG - NAHOST PLO - Volk fehlt Staat


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       Die PLO ruft einen eigenen Staat aus:
       

DAS HAT DEN PALÄSTINENSERN GERADE NOCH GEFEHLT!

Anerkennung oder Nicht-Anerkennung, Begutachtung als "Beitrag zu den Friedensbemühungen im Nahen Osten", Würdigung der völker- rechtlichen Aspekte - das sind die Gesichtspunkte, unter denen die Ausrufung eines Palästinenserstaates besprochen wird. Nicht der Rede wert ist offenbar, was bei diesem Projekt die P a l ä s t i n e n s e r eigentlich verloren haben. Jenseits aller verantwortungsvollen diplomatisch-weltpolitischen Erwägun- gen gilt Eines als sicher: diesen Leuten fehlt eine eigene palä- stinensische Nation. Warum eigentlich? Die Erfahrungen, die das "Volk der Palästinen- ser" in den letzten 40 Jahren mit seiner "nationalen Identität" machen durfte, beweisen jedenfalls ziemlich genau das Gegenteil: - Sein Palästinenserdasein verdankt dieser "Volksstamm" der Staatsgründung Israels - wie jede ordentliche Staatsgründung eine gewaltsame Angelegenheit. Die "zionistische Bewegung" kämpfte sich die Landstriche frei, die als "Heimstatt des jüdischen Vol- kes" ausersehen waren; für die nötige Rückendeckung und Mittel sorgte die westliche Welt. Wer das Pech hatte, kein Jude zu sein, und zufällig in dieser Gegend lebte, wurde vertrieben. Als In- sasse eines Flüchtlingslagers in den umliegenden arabischen Staa- ten bekam er seine neue "palästinensische Identität" verpaßt. - Aus der wäre nichts geworden - ohne die weiterführenden Berech- nungen der arabischen Staatenwelt. Die arabischen "Aufnahme"- Staaten schätzten die Flüchtlingsmassen nur in einer Hinsicht: Als jederzeit einsetzbares Faustpfand in ihrem Kampf gegen Is- rael. Deshalb wurde dafür gesorgt, daß sie aus ihren Flüchtlings- lagern nicht herauskamen. Eine Integration in die Restbevölkerung war politisch nicht erwünscht. So bekam man als Palästinenser tatsächlich die Chance, seine neu erworbene nationale Identität zu pflegen und zu entwickeln. - "Volksführer", die gemerkt haben, daß sich aus dem Lagerelend politisch Kapital schlagen läßt, haben sich selbstverständlich gefunden. Die PLO hat seit ihrer Gründung mit dem Verweis auf das Opfer-Dasein des "palästinensischen Volkes" für eine original palästinensische Staatsgewalt agitiert. Gesetzt hat sie dabei auf den nationalistischen Fehlschluß, daß Opfer von politischen Kal- kulationen angeblich nichts so sehr brauchen wie eine eigene Ob- rigkeit, die mit ihrem Volk nach ganz eigenen Berechnungen um- springt. Die Lebensperspektiven der palästinensichen Lagerinsas- sen wurden dadurch um ein interessantes Angebot erweitert: Sie konnten Soldaten im (Noch-Nicht-)Staatsdienst der PLO werden. Zu gewinnen hatten sie dabei nichts. Es wurden Märtyrer gesucht, die sich in symbolischen "Widerstandsaktionen" gegen die vom Freien Westen hochgerüstete israelische Militärmacht verheizen ließen. Dabei hatten sie das zusätzliche Pech, unter die unter US-Schirm- herrschaft weltweit gültig gemachte Terrorismus-Definition zu fallen. Terroristen müssen bekanntlich mit Stumpf und Stil ausge- rottet werden - das war dann wieder das Pech der Bewohner der Pa- lästinenserlager, die die Israelis im Rahmen ihrer "Terrorvergeltungsschläge" regelmäßig zusammenbomben ließen. - Der Staats-Ehrgeiz der PLO hat darunter nicht gelitten - und alle Staaten vor Ort haben es die Palästinenser büßen lassen, wenn ihnen der Ehrgeiz ihrer Führung mal wieder zu weit ging. Is- rael hat dauernd für Unsicherheit gesorgt. Jordaniens König hat im "Schwarzen September" blutig aufgeräumt, die "Palästina- Flüchtlinge" durften mal wieder umziehen, diesmal in libanesische Lager. Bis wieder die israelische Armee mit ihren christlichen Vasallen an der Reihe war. Ihr Feldzug "Frieden für Galiläa" hätte "das Palästinenserproblem" fast gelöst. Hinterher sind aber immer noch welche übriggeblieben - auf Wanderschaft durch den "Nahen Osten", oder in den übriggebliebenen Lagern als Opfer ei- nes dauernden Kleinkriegs. - Mittlerweile waren ein paar hunderttausend andere "Ureinwohner" der gemütlichen Landschaft zwischen Mittelmeer und Jordantal den Weg der "nationalen palästinensischen Identität" gegangen - nach bewährtem Muster. Von Israel erobert; diesmal nicht - massenhaft - vertrieben; statt dessen insgesamt als eine Art Lagerinsassen definiert und unter die Aufsicht israelischer Besatzungstruppen gestellt; ohne Umzug eine Sorte politischer "Flüchtlinge": An dieser "Identität" kommen seit zwei Jahrzehnten auch die boden- ständigen Araber auf der Westbank und im Gaza-Streifen nicht vor- bei. Und trotzdem sind es immer noch zwei verschiedene Sachen: Von den Israeli werden sie schlecht behandelt - von der PLO werden sie mit der wackligen Aussicht auf einen eigenen Paß bedient. Wer das mit dem Versprechen einer guten Behandlung verwechselt - der ist ein guter Palästinenser. - Die schlecht behandelten arabischen Bewohner der israelischen Besatzungsgebiete wehren sich, mit bescheidenen Mitteln und ohne Aussicht auf Erfolg, seit einem Jahr. Dieses Elend hat den Staatswillen der PLO enorm beflügelt. Sie verdolmetscht es der restlichen Welt als Sehnsucht nach i h r e r H e r r- s c h a f t. Und siehe da, eines Tages erfährt der Palästinenser aus dem Radio oder vom Nachbarn, daß er jetzt einen eigenen, nach allen Regeln der diplomatischen Kunst ausgerufenen Staat "sein eigen" nennen darf. Ein richtiger Untertan erster Klasse des Meister Arafat ist er damit zwar noch nicht, denn die politischen Kräfteverhält- nisse, die sind nicht so. Wem der Palästinenser vor Ort gehorchen muß, wird noch allemal in Washington und anderen wichtigen Haupt- städten entschieden. Andererseits hat die PLO-Führung mit ihrem Staatsbeschluß klargestellt, daß sie ihre Zukunft darin sieht, von den wirklichen Machthabern dieser Staatenwelt als politischer Handlanger geschätzt und benutzt zu werden, zusätzlich zu dem be- währten Vorposten Israel. Und das wird es ja dann wohl sein was die Palästinenser sich - abgesehen davon, daß es ihn nicht gibt - von "ihrem" Staat erwar- ten dürfen. zurück