Quelle: Archiv MG - NAHOST PLO - Volk fehlt Staat


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 78, 14.06.1983
       
       Wochenschau
       

DIE PLO

führt ihren "bewaffneten Kampf gegen Zionismus und Imperialismus" seit letzter Woche vorwiegend als Auseinandersetzung innerhalb der im Libanon verbliebenen Kampfverbände der Al-Fatah weiter, bei der es auch schon die ersten Toten und Verwundeten gegeben hat. Der "heroische Sieg" in der Schlacht um Beirut, den Yassir Arafat und die Mehrheit des Palästinenserparlaments in Tunis per Abstimmung errungen haben wollen, sieht für die Fedayin in der Bekaa so aus, daß sie z w i s c h e n syrischen und israeli- schen Truppen eingekeilt vor der bitteren Alternative stehen, entweder im Krieg Israels gegen Syrien verheizt oder für eine Vertagung des nächsten Nahostkriegs geopfert zu werden. Wenn die Rebellen unter Führung ranghoher Fatah-Offiziere j e t z t nicht mehr "wollen, daß in unserem Namen über all diese Pläne verhandelt wird - über den Fahd-Plan, über den sogenannten Rea- gan-Friedensplan", und ebenfalls erst j e t z t bemerken, daß es ein Fehler ist, "sich in die Hände der arabischen Potentaten zu begeben" (Abu Mussa im "Spiegel"), dann beschweren sie sich nach einer m i l i t ä r i s c h e n N i e d e r l a g e und angesichts der p o l i t i s c h e n Einflußlosigkeit der PLO auf den Gang i m p e r i a l i s t i s c h e r Friedensregelun- gen im Nahen Osten über haargenau die Grundlagen der PLO-Politik, mithilfe derer sie überhaupt Waffen bekamen und sich einbilden durften, ein politischer F a k t o r in der arabischen Welt zu sein. Allerdings ohne sie zu k r i t i s i e r e n: Abu Mussa "wendet" sich gegen "das süße Leben der Führungsfunktionäre" und gegen die a k t u e l l e "Bündnispolitik" Arafats mit dem Pa- lästinenserschlächter Hussein von Jordanien und setzt dagegen auf die syrischen "Kampfgenossen". Weil Assad n o c h den Reagan- Plan ablehnt, sind die Massaker im Flüchtlingslager Tel Zatar und die syrische Unterstützung der Christenmilizen im libanesischen Bürgerkrieg vergessen. Weil die martialischen Sprüche Abu Mussas ("Wir wollen kämpfen!") vom Kommandanten einer e i n g e- s c h l o s s e n e n e n Guerillatruppe kommen und allein Arafat und seinem Anhang in der PLO Schwierigkeiten bereiten, registriert die westliche Presse den "Machtkampf der PLO" überparteilich hämisch ("Letzte Warnung an Mr. Palestine", Süd- deutsche Zeitung). Eine etwaige Machtverschiebung innerhalb der PLO zugunsten der "Radikalen" Habasch oder Hawatmeh ist kein Grund zur Besorgnis: Man kommentiert genüßlich einen Streit um Führungsrechte über die Konkursmasse der "palästinensischen Revo- lution", mit deren Anhängern die israelische Soldateska der Freien Welt unter dem Beifall der Weltpresse so gründlich und blutig aufgeräumt hat. zurück