Quelle: Archiv MG - USA AUSSENPOLITIK - 45 Jahre Weltherrschaft
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Bonner Charaktere: Richard Burt
WIE DIE AMERIKANER IHREM FRONTSTAAT DAS LEBEN SCHWER MACHEN
Seit einem Jahr vertritt Richard Burt in Bonn die Interessen der
Vereinigten Staaten. Er ist als Diplomat dazu da, der deutschen
Regierung zu verklickern, mit welchen amerikanichen Interessen
sie kalkulieren muß, wenn sie Politik machen will. Die Herren in
Bonn haben für solche Mitteilungen der Weltmacht Nr. 1 allemal
ein offenes Ohr, denn sie wollen ja ihr eigenes nationales Inter-
esse erfolgreich geltend machen, indem sie das der Gegenseite
nutzen.
Die Bundesrepublik hat es in der Abwicklung solcher Interessen-
konkurrenz zur wirtschaftlichen und politischen Großmacht ge-
bracht, die den USA ein Stück imperialistische Konkurrenz machen
kann. Sie tut dies unter Ausnutzung des Bündnisses mit den Amis,
was die BRD im westlichen Lager gewichtiger hat werden lassen und
die Wucht dieses imperialistischen Vereins beträchtlich gestei-
gert hat. Das soll nun zwar plötzlich nicht alles vorbei sein,
wohl aber gestört:
"Seitdem die Amerikaner ihre Politik der Stärke gnadenlos durch-
powern und sich einem weltweiten Interventionismus verschreiben,
hat Washington die Abstimmung mit den Verbündeten oder gar Rück-
sichtnahme auf deren Interessen ziemlich arrogant vernachläs-
sigt." (Spiegel 18/1986)
Die Botschaft hör'n wir wohl...
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Das sind Sorgen! Am Gang der Weltpolitik hin zum nächsten Welt-
krieg irritiert in Deutschland, nicht gebührend beteiligt zu
sein. Die eigene Idee von einem noch bedeutenderen Mitmachersta-
tus soll arrogant übergangen worden sein. Solche Sorge macht sich
an der Figur des neuen amerikanischen Botschafters fest:
"Eine 'neue Ruppigkeit' ('Die Zeit') bestimmt das Verhalten der
Amerikaner gegenüber ihren Verbündeten, und Richard Burt scheint
sie zu verkörpern: Der Botschafter als die Botschaft." (ib.)
Was wird nicht alles an dem M e n s c h e n entdeckt, als läge
nicht in seinem A m t als Koordinator der führenden Nato-Staa-
ten die weltpolitische Härte. Als das eigentliche Opfer dieser
Politik kommt sich ausgerechnet der amerikanische Juniorpartner
vor! Da muß wohl eine Kleinigkeit übersehen worden sein.
Herr Burt selber betrachtet den globalen Feldzug gegen das "Reich
des Bösen" unter dem Gesichtspunkt eines Diplomaten, den hierbei
die "deutsch-amerikanischen Beziehungen" interessieren. Er kann
sie nur loben:
"Die USA und die Bundesrepublik (seien) die beiden führenden De-
mokratien der Welt, und zwischen den tragenden Säulen der Allianz
als Mittler zu wirken, sehe er als persönliche Herausforderung
an." (Stern)
Mit bloßen Komplimenten zur Völkerfreundschaft über den großen
Teich hinweg hat diese Aussage nicht das geringste zu schaffen:
Die nordatlantische Allianz dient schließlich nicht dem Schüler-
tausch. Die politischen Führer in Bonn bekommen aus den USA si-
gnalisiert, wie sehr den Amerikanern an dem bisherigen Erfolgs-
kurs der Bundesrepublik gelegen ist, sich über Europa hinaus
Weltgeltung verschafft zu haben.
...allein, wir sind auch wer!
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Andererseits müssen sie sich von Mister Burt sagen lassen, daß
die USA als westliche Führungsmacht ihre eigenen weltpolitischen
Ambitionen natürlich unter optimaler Benutzung ihrer deutschen
und europäischen Bundesgenossen zu verfolgen gedenken. Vor der
Hanns-Seidel-Stiftung der CSU hat Burt gesagt,
"daß Kirchturmpolitik in Europa und Rückzug der Amerikaner auf
sich selbst die Nato schwächen können. Wir müssen aber in der Al-
lianz zusammenarbeiten, damit in den Vereinigten Staaten nicht
der Eindruck entsteht, die Europäer trügen nicht ihren gerechten
Anteil an den Lasten." (Spiegel 4/1986)
Auf einen "Rückzug" aus dem Bündnis ist selbstverständlich keine
der angesprochenen Seiten aus. Sonst wäre die Einladung zur
"Zusammenarbeit" albern. Den guten "Eindruck" davon wollen aller-
dings die Amis haben, wie ihr Mann mit seinen dezenten diplomati-
schen Hinweisen zu verstehen gibt. Mit dem Stichwort "gerechter
Anteil" bringt er den generellen Verdacht zur Diskussion, die
Leistungen der Partner seien für die Erwartungen des Großen Bru-
ders nicht ausreichend. Gegen derartige Vorwürfe läßt sich von
deutscher Seite nur erfolglos anfechten. Der deutsche Beitrag
kann nie stark genug sein, was der Regierung in Bonn teils
schmeichelt, teils Besorgnis über das Tempo der amerikanischen
Gangart abverlangt. Ein inhaltlicher Streit um den antisowjeti-
schen Kurs des Bündnisses entsteht aus dieser Sorge jedenfalls
nicht, sondern ein Gezerre darüber, was beim Einsatz der nationa-
len Mittel deutscherseits bedacht werden muß. Es sind die natio-
nalen Vorbehalte dieses Staates, seine Potenzen ohne gebührende
Rücksicht für den von den USA reklamierten Zweck einzusetzen, die
gegenwärtig das "Klima" zwischen Bonn und Washington "belasten".
Aus amerikanischer Sicht ist die Kritik klar: Gewisse
"kleinkrämerische" Extratouren der Deutschen im Osthandel mit der
Moskauer Zentrale für Weltverschwörung oder im Geschäft mit dem
zum Terroristen erklärten libyschen Staatschef Gadafi kommen den
Amis gemessen an ihrem Hauptanliegen - nicht besonders effektiv
vor. Sie vermögen in solch vorteilhafter Ausnützerei des feindli-
chen Lagers den e i n e n Vorteil nicht zu entdecken, der sie
interessiert: Die besten Wirtschaftsbeziehungen zum Gegner sind
für sie die, die als wirkungsvolles Erpressungsmittel dienen,
wenn rigoros mit ihrem Abbruch gedroht wird. - Die deutsche Seite
sieht dies anders und hat ja nun auch wirklich keine
"kleinkrämerischen" Gesichtspunkte im Sinn, wenn sie sich aus der
weiteren Pflege solcher Beziehungen politisches Gewicht im Umgang
mit diesen Ländern verspricht. Angesicht der g r o ß e n Lö-
sung, die die USA auf der Welt anstreben; nehmen sich diese In-
teressen ihres kleineren Verbündeten allerdings reichlich kurz-
sichtig aus. Wenn dem Gegner der Krieg erst einmal aufgemacht
ist, ist's mit dem Handel eh vorbei. Die Bonner sträuben sich ge-
gen diese schlagenden Einsichten und meinen, beim Niedermachen
des Gegners dürfe aber doch die deutsche Geltung, die internatio-
nal erreicht sei, keinen gravierenden Schaden nehmen.
Scharfmacherei im Amt I: Libyen
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Botschafter Burt hatte seit seinem Amtsantritt in Deutschland
also eifrig zu tun: das Sträuben des Juniors zu überwinden und
ihm dabei zur erwünschten Aufwertung entgegenkommend auf die
Schulter zu klopfen. Zunächst galt es, Libyen zu isolieren und in
der Bundesrepublik den folgenden Bombenkrieg populär zu machen -
eine nicht ganz leicht zu lösende Aufgabe, wie der in so geheimer
Mission nun auch wieder nicht tätige Diplomat öffentlich im
"Spiegel" bekannte:
"Sind Sie enttäuscht, daß sich die Bonner Regierung geweigert
hat, sich an den amerikanischen Sanktionen gegen Libyen zu betei-
ligen? -
Wir stehen derzeit in Beratungen mit der deutschen Regierung über
das Problem der Verbindung Libyens zum Terrorismus... Die Ge-
schichte ist voll von Beispielen, die lehren, daß eine Appease-
mentpolitik gegenüber Terrorismus mehr und mehr Tote im Gefolge
hat." (ib.)
Als Vertreter der USA hat Richard Burt der Bundesrepublik aller-
dings noch ein paar andere blutige Anträge zu machen, an der Ge-
staltung des Weltfriedens maßgeblich mitzuwirken. Ihr Interesse,
an internationaler Bedeutung dazuzugewinnen, wenn sie ihre Mittel
US-gemäßer einsetzt, sollte ja keinesfalls einfach unter den
Tisch der Verhandlung gekehrt werden:
"Ich habe vorgeschlagen, die Rolle der Bundesrepublik und Europas
in der Welt zu diskutieren. ... Und daß es die Vereinigten Staa-
ten begrüßen würden, wenn die Europäer als Mittel zum Schutz
westlicher Interessen und zur Förderung des friedlichen Wandels
eine gewichtigere Rolle spielten." (ib.)
Solche Offerten lassen einen guten Deutschen aufhorchen:
"Zum Beispiel?... Auch in Nicaragua?" (ib.)
Im Hinterhof der USA ist selbstredend Fehlanzeige, aber Herr Burt
kennt auch sonst lohnende Aufgaben, über die er sich unter Brü-
dern gern einmal unterhält:
"Das gilt auch für Länder, die verschiedenen Bedrohungen ausge-
setzt sind wie etwa Pakistan, das - mit sowjetischen Streitkräf-
ten an seiner Grenze - an vorderster Front steht... Und auch hier
geht es wieder um eine Frage von Sicherheitshilfe für Länder, die
eine solche Unterstützung brauchen. -
Was verstehen Sie unter Sicherheitshilfe? -
Waffenverkäufe. -
Das soll doch nicht etwa Aktivitäten der Bundeswehr außerhalb des
Nato-Bereiches einschließen? -
Nein. -
Es gibt dafür Stimmen in den Vereinigten Staaten. -
Ja, vielleicht..." (ib.)
Daß Mister Burt zu den weltpolitischen Scharfmachern gehört,
kreidet ihm unter seinen deutschen Gesprächspartnern sicher kei-
ner an, - wo sich doch mit dem Mann so kompetent über die Aus-
sichten eines erweiterten deutschen Engagements angesichts einer
von den USA kräftig angeheizten "Weltlage" plaudern läßt.
Im Fall Libyen haben die Dinge über Burts diplomatische Kontakte
rascheste Fortschritte gebracht. Den Vereinigten Staaten war das
zögerliche Trittfassen ihrer Partner überhaupt kein Problem, son-
dern Anlaß dafür, die Sache selbst zu forcieren und die anderen
vor vollendete Tatsachen zu stellen:
"Als erster Amerikaner und mit einer Sicherheit die dem Stand der
Ermittlungen in keiner Weise entsprach, verkündete Burt bereits
zwei Tage nach dem Anschlag auf die Berliner Diskothek 'La
Belle', es gebe 'klare Anzeichen' für die Verantwortlichkeit Li-
byens an der Terrortat... Am nächsten Tag schien Burt noch eins
draufsetzen zu wollen. Die Europäer benähmen sich 'memmenhaft'
gegenüber den Terroristen, wurde er nach einem Vortrag vor dem
American Council on Germany von einer Nachrichtenagentur zitiert"
(Spiegel 18/1986)
Die Bundesrepublik läßt sich solche Fingerzeige natürlich nicht
zweimal geben: Da hatten nun die besten Freunde zugeschlagen, und
in Bonn setzte prompt das große Wehklagen ein, ob "wir" nicht
früher mitentscheidenden Einfluß auf die amerikanische Linie hät-
ten nehmen sollen, um als Mitgewinner des Massakers besser dazu-
stehen. Richard Burt hatte es jedenfalls beizeiten angeboten und
Franz Joseph Strauß es immer schon gesagt.
Scharfmacherei im Amt II: SDI
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Anzeichen von Laschheit hatten die Amerikaner bei ihren deutschen
Verbündeten auch im Fall SDI registriert und ihren Botschafter
mit den entsprechenden Instruktionen in Marsch gesetzt. Wenn der
sagte, er sei für das SDI-Programm seiner Regierung, weil es sich
hier um
"die Idee von einem vollkommenen, hundertprozentigen Schutzschirm
(handele), der nukleare Waffen unnütz werden läßt" (Spiegel,
4/1986) -,
dann schwafelt ein Kohl davon, Deutschland dürfe sich "technolog-
isch" nicht "abkoppeln" lassen, obwohl selbst er weiß, daß der
Partner in Übersee hier keine komplizierte Regenschirmvariante in
Arbeit hat, sondern ein System, das die russischen Raketen in
ihrem strategischen Wert mindern soll - weswegen ja auch (wie
zuletzt beim Gipfeltreffen in Island offenbart) keine einzige
amerikanische Rakete verschrottet gehört: schließlich brauchen
"wir" sie ja, um den Russen im Kreml das Licht auszuschießen.
Wieso wollen die deutschen Führer so eine klare Politik nicht
vorbehaltlos mittragen: Wo sie sie doch sowieso unterstützen! Ein
Burt bringt da kein Verständnis auf.
Auch hier hätten sich die Deutschen lieber die Kampfansage an die
Sowjetunion mit ein bißchen eigenständiger Koexistenzpolitik ver-
süßt - zumal sie gerade erst mit den schönen neuen Mittel-
streckenraketen ausgerüstet sind, mit denen sich denen im Osten
ganz eigene eurostrategische Bedrohungen hätten aufmachen lassen.
Nun sind die Dinger als Pluspunkte deutscher Ostpolitik durch SDI
relativ im Wert gemindert - "wir" sitzen auf dem Präsentier-
teller, wenn die helle gewordenen Kommunisten sich die Ent-
wicklung der Wunderwaffe SDI nicht gefallen lassen wollen. Hätte
man sie da nicht noch ein bißchen länger mit angeblichen
Abrüstungsangeboten hinhalten können, die von glaubwürdigen
deutschen Friedensbotschaftern zu überreichen gewesen wären?
Klagen pflegen die Freundschaft
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So ist der bundesrepublikanische Spielraum im "Ost-West-Konflikt"
ein Stück geringer geworden, was die Klagen, jetzt könne man
nicht mehr recht mit dem großen Verbündeten in Washington zu-
rechtkommen, aber offenbar nicht allzusehr befördert hat. Die
"Optionen" des deutschen Imperialismus sind zwar von der Reagan-
Administration ein wenig zurechtgestutzt und der amerikanischen
Hauptkampflinie angepaßt worden, deshalb weiß die BRD aber noch
immer, daß kein Bündnis ihren nationalen Anliegen besser zupaß-
kommt. "Wir" sind ja auch nicht plötzlich zu einem Niemand herab-
gestuft worden - das deutsche Potential schlägt auf Seiten des
Westens weiter voll zu Buche, und nationale Eigeninteressen kom-
men vielleicht demnächst in Afghanistan oder sonstwo im Zuge der
Verteidigung westlicher Freiheit nicht zu kurz.
Die "deutsch-amerikanischen Beziehungen" werden also weiter ge-
pflegt, auch und gerade wenn leicht säuerlich vermerkt wird, daß
es schon einmal zuvorkommendere Ami-Botschafter in der Bundes-
hauptstadt gegeben hat. An seiner Gestalt bleibt so ziemlich der
ganze Knatsch hängen, den die Deutschen im atlantischen Bündnis
schieben und der sich auf Fragen des politischen Stils reduziert.
Zur Klärung solch gravierender Kritik ist er auch immer noch der
richtige Mann am richtigen Ort. Wenn der Anti-Amerikanismus in
der Bundesrepublik sich darauf zusammenzieht, Herr Burt sei etwas
hemdsärmelig in seinen Bemerkungen zu den Bomben auf Gadafi, weil
er schlicht befand:
"Ronald Reagan hat doch bisher geradezu gemäßigt gehandelt...
Hätten Sie's lieber, wir hätten die Sowjetunion angegriffen?"
(Spiegel 18/1986),
so steht es gut und nicht schlecht mit der deutsch-amerikanischen
Waffenbrüderschaft. Und Richard Burt ist der erste, dies nachhal-
tig zu bestätigen. Was dieser Schreibtischtäter politisch in Bonn
auf die Tagesordnung setzt, wird dort schließlich Hauptthema. Da
kann er leicht seine Qualifizierung Genschers als "slippery man"
bei irgendeiner späteren Gelegenheit diplomatisch korrigieren und
sagen:
"Ich habe große Hochachtung vor dem Außenminister." (Spiegel,
4/1986)
Der amerikanische Freund
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Ebenso gehört es zur Diplomatie des US-Burt, die SPD der Nato-Un-
treue zu bezichtigen, nur weil sie gerade wieder einmal über eine
besondere deutsche Tour nachgedacht hat, wie mit dem Hauptfeind
umzuspringen sei. Solche politischen Klarstellungen werden als
etwas unpassende Entgleisungen eines in Deutschland noch nicht
ganz warmgewordenen jungen Mannes genommen und rasch hintange-
stellt, wenn sie von diesem dementiert werden. Außerdem hat
Richard Burt ja nicht nur die Demonstrationen in diesem Land kri-
tisiert und selten eine Gelegenheit ausgelassen, sich in öffent-
liche Debatten einzumischen, um von den Grünen und der
"allgemeinen Niedergeschlagenheit" der Leute nichts zu halten, er
hat dann auch wieder die Junge Union gut gefunden und Helmut Kohl
eine "Führungspersönlichkeit" genannt. Mit den an Richard Burt
aufgeworfenen Stilfragen der Politik lebt sich in der deutschen
Öffentlichkeit sichtlich ausgezeichnet.
Da wird zwar über seine amerikanische "Trivialkultur Baseball und
Bier" geschrieben, auch daß er lieber "Miami Vice" als die
"Schwarzwaldklinik" sieht, aber das tut seiner Wertschätzung
selbstverständlich nicht den geringsten Abbruch. Na klar, er
hätte sich manchmal wie sein Amtsvorgänger Burns etwas milde äu-
ßern können, aber die nationale Ehre ist auch hier schnell ver-
söhnt und weiß aus Burt einen Amerikaner zu stricken, aus dem die
deutschen Träume sind:
"Mit seinem Hang zur großen Schnauze und schnellem Spott könnte
er besser als John F. Kennedy glaubhaft machen, ein Berliner zu
sein." (Spiegel 18/1986)
So ist auch von deutscher Seite her nachdrücklich dementiert, daß
von Richard Burt der deutsche Frontgeist abgeschreckt werden
könnte. Dieser Junge gehört letzten Endes zu "uns" - so die ein-
hellige Meinung der Presse vom "Spiegel" bis zu "Bild". Gerade
wenn er sagt:
"Als Botschafter bin ich ein Symbol für Amerika. Dafür werde ich
bezahlt." (Bild, 1.6.86),
sind "wir" doch dankbar gerührt, daß so ein Mann hier in Deutsch-
land ist. Und immerhin: Er hat schon "ein deutsches Baby" in der
Mache, "liebt Currywurst", findet die GSG 9 "gut ausgebildet" und
"schießt im grauen Flanell mit Colt und Pistole auf Pappterrori-
sten" (ib.). Eine bei allen Irritationen doch sehr ausbaufähige
Beziehung.
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