Quelle: Archiv MG - USA AUSSENPOLITIK - 45 Jahre Weltherrschaft
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 32, 16.02.1981
Wochenschau
NEUES VON HAIG
Wenn Psychologen ein "Recht auf Angstfreiheit" beschwören, dann
mag man es ja noch irgendwie lustig finden, wie diese Leute es
fertigbringen, so gänzlich neben allen realen Dingern, vor denen
ein normaler Mensch Angst hat, weil sie ihm schaden, der Welt mit
einem "Recht" auf i n n e r e Harmonie zu kommen. Derselbe
Spruch aus dem Munde von US-Außengeneral Haig, und schon wird ei-
nem ganz anders zumute: dann dreht es sich um keine moderne Welt-
anschauung, sondern um ein p o l i t i s c h e s P r o-
g r a m m; dann bekämpft Haig keinen Ödipus in uns allen,
sondern den Hauptfeind Sowjetunion als Hindernis der Weltherr-
schaft, wofür diverse Heerscharen ihren inneren Schweinehund be-
kämpfen dürfen; dann handelt es dich bei Haig um keinen schlecht
sublimierenden Seelenkrüppel, der zufällig an einem berühmten
Knöpfchen sitzt (wer hat das bloß installiert?), sondern um einen
(gewählten) Machthaber einer Nation, deren Wahnsinn deshalb Impe-
rialismus heißt, weil die USA keinem Großmacht w a h n verfallen
ist, sondern tatsächlich die "ganze Welt in die Zuständigkeit der
NATO" (Haig) f ä l l t. Und dann bietet Haigs Ankündigung des
"Rechts auf Angstfreiheit", das "in den 80er Jahren rund um den
Globus mit all jenen" verwirklicht werden soll, "die unsere Werte
teilen", nichts Geringeres als die "Gesundung" der Welt an einer
amerikanischen Roßkur: Kann nur noch einer Angst und Schrecken
verbreiten, dann herrscht endlich F r e i h e i t.
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