Quelle: Archiv MG - USA INNENPOLITIK - Vom American Dream


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 69, 01.02.1983
       
       Wochenschau
       

RONALD REAGAN

hat letzte Woche in der State-of-the-Union-Message vor beiden Häusern des Kongresses die unverrückbaren Prinzipien seiner Poli- tik bekräftigt: Mehr Geld fürs Militär, weniger für Soziales und alles Erdenkliche fürs Kapital. Und alles dies im nationalen und weltweiten Interesse der USA: Die Vereinigten Staaten müßten vor allem wirtschaftlich stark sein, um international für den F r i e d e n arbeiten und das W o h l e r g e h e n und die S i c h e r h e i t der Verbündeten und Freunde sichern zu kön- nen." Nichts Neues also bei der Führungsmacht des Imperialismus: Frieden durch MX, Wohlergehen des Kapitals mit einer Hungersnot nicht nur in ausnahmslos allen Staaten der "Dritten Welt", son- dern, wenn es sein muß, auch mal in Detroit, und Sicherheit durch die Nachrüstung in Europa und US-Militärhilfe auch für so ziem- lich sämtliche amtierenden Faschisten auf der Welt. Als "Kurskorrektur" ist Reagan von der Presse ausgelegt worden, daß er sich zu seiner "Verantwortung für die Wirtschaft bekannte." Dabei hat der Präsident nur dem auch ihm nicht unbekannten Um- stand Rechnung getragen, daß die Politik sich ihrer Basis in der Ökonomie versichern muß, weil sie daraus ihre Mittel bezieht. Wenn Reagan jetzt verkündet, daß der "Zustand der Union gut, doch unsere Wirtschaft schlecht" sei, dann schlägt er damit allerdings neue, selbstkritische Töne an. Sein Antrittsprogramm, durch den größten Militärhaushalt aller Zeiten, die größte Staatsverschul- dung aller Zeiten, die härtesten Sozialsparmaßnahmen aller Zeiten und Steuererleichterungen und Investitionshilfen Amerika stark und die Wirtschaft "gesund" zu machen, erklärt er nur in seinem ersten Teil für erfolgreich durchgeführt. Damit streicht er die Gleichung durch, die weltpolitischen Fortschritte im Umgang mit dem Hauptfeind, der Aufbau des Waffenpotentials und die Durchset- zung dieser Linie in Europa und anderswo werde im Verein mit den staatlichen Angeboten an die Wirtschaftswelt den wirtschaftlichen Erfolg, der für Amerikas Stärke für angemessen gehalten wird, quasi automatisch nach sich ziehen. Das ist alles andere als eine neue Einsicht. Daß jetzt die "Beförderung der Wirtschaft" an- stünde ist nur der neue Titel für die Radikalisierung des alten Programms. Und dieser Titel pocht ja auch weiterhin auf die staatliche Macht, sich von den Erfolgen der eigenen Ökonomie nicht abhängig zu machen, sondern sie jenseits und gerade wegen der staatlichen Beanspruchung des Haushalts nach ihrer Tauglich- keit für die politische Finanzfreiheit zu begutachten und zu för- dern. Als Zugeständnis kann und will dieses Versprechen, sich auf das Wesentliche für Amerikas Stärke - Militaria, Kapitalförderung und Sozialsparmaßnahmen - weiterhin zu konzentrieren, deswegen auch nur denjenigen erscheinen, die nie etwas anderes gemacht haben, als diese Weltmachtpolitik demonstrativ an ihren eigenen Ansprü- chen zu messen und zu blamieren. Das ist einmal die amerikanische Opposition, die mit dem wohlfeilen Hinweis auf die unzufriedene Geschäftswelt und das soziale Elend mehr Anstrengung für Beschäf- tigung (auch drüben ein Synonym für Profit!) fordern, also mit dem konstruktiven Vorwurf für sich werben, für die Stärke Ameri- kas in der Welt werde die nationale Stärke Amerikas unnötig ge- schwächt. Für die Budgetverhandlungen im Kongreß deutet Reagan "Kompromißbereitschaft" an und die Kongreßgegner schlachten den Streit um Budgetmodalitäten wahlkampfträchtig aus. Das sind zum zweiten die journalistischen Beobachter, die ihren Lesern die E r f o l g e d e r M a c h t als Probleme der Mächtigen ans Herz legen wollen und die Methode der demokratischen Durchsetzung als Konzessionen an die "Gewaltenteilung", als politische Nieder- lage oder Sieg, als Wende in der Politik und als notgedrungene oder freie Einsicht besprechen. Diesen freien nationalen Mei- nungsbildnern ist ja nichts selbstverständlicher als die Übung, sich in Grundsatzfragen westlicher Politik wie eine nationale Un- terabteilung einer amerikanischen oder gesamtwestlichen Staats- partei aufzuführen und die amerikanische Führungsrolle sowie den jeweiligen nationalen Bündnispart dementsprechend zu problemati- sieren. zurück