Quelle: Archiv MG - USA INNENPOLITIK - Vom American Dream


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       Wochenschau
       

EIN "SCHWERER RÜCKSCHLAG" FÜR REAGAN

sollen die Midterm Elections in USA nach Auffassung nicht nur der "Süddeutschen Zeitung" vom 4. November gewesen sein. Wie das? Muß der Präsident etwa jetzt, geschlagen vom Wähler, seine Kon- frontationspolitik gegen den Osten aufgeben, Breshnew für bereits erlittene Unbill um Verzeihung bitten, das Rüstungsprogramm stop- pen und die Reaganomics in ein Wohltätigkeitsprogramm für Ar- beitslose umwandeln? Daran denkt schon deshalb niemand, weil d i e s e Kernstücke n a t i o n a l e r US-Politik im Wahl- kampf weder zur Debatte noch zur Abstimmung standen. Der "Rückschlag" für Reagan sieht lediglich so aus, daß jetzt im Re- präsentantenhaus 25 republikanische Abgeordnete durch Demokraten ersetzt werden und einige Gouverneursposten an die Opposinspartei fallen. Ein durchaus üblicher Vorgang bei den Wahlen in der Halb- zeit der Präsidentschaft: Die mit ihrem Geschäft verbundenen un- angenehmen Folgen für die Bürger dienen der Oppositionspartei als das Material, mit dem sie die Unzufriedenheit der Betroffenen in Stimmen für ihre Variante der Machtausübung verwandelt. Für die "Kontinuität" der Politik ist dies förderlich und ihrem Geschäft keineswegs abträglich: Die Arbeitslosen und die Opfer der gestri- chenen Welfare-Programme haben sich als W ä h l e r zu Wort ge- meldet und sich damit auch gleich wieder freiwillig abgemeldet. Ihr Los fungiert als P r o b l e m, mit dessen Besprechung sich eine Wahl gewinnen läßt. Der Vorwurf an den Präsidenten lautet dementsprechend: Er kümmere sich nicht ausreichend um die Opfer seiner Politik im eigenen Lande und dies schade der Nation insge- samt. Reaganomics ohne Arbeitslose, Steuersenkung ohne Kürzungen im Sozialen - das ist die Alternative der Demokraten, mit der sie sich dem Wähler als das k o m p e t e n t e r e Personal der Macht anbieten. Daß deren Erfordernisse die Rücksichtslosigkeit gegen die nicht lohnend anwendbaren Teile des Volks einschließen, ist das Reagan-Programm, dem Präsidenten die Mehrheit im Senat wert, womit selbst die These vom "beschränkteren Handlungsspiel- raum" des Präsidenten von den gleichen Kommentatoren, die ihn eben beschworen haben, relativiert wird. Daß Reagan bereits "Zugeständnisse" gemacht habe und dies jetzt vermehrt tun müsse, wie z.B. in der Steuerpolitik, ist nichts anderes als eine Ver- wechslung der Z i e l e der Politik mit den Modalitäten ihrer D u r c h s e t z u n g. Weil die Reagansche Embargopolitik, vermittelt über Arbeitslose bei betroffenen US-Firmen, sich in Stimmverlusten für Republikaner niedergeschlagen hat, entdeckt das SPD-MDB Karsten Voigt im amerikanischen Wähler einen Verbün- deten europäischer Interessen und hört "in der amerikanischen Be- völkerung Signale für eine als notwendig empfundenewirtschaftli- che Kursänderung", die demnächst dem westdeutschen Wähler bei seinem Votum zu denken geben sollen. In welcher Richtung, das braucht er gar nicht erst hinzuzufügen. Reagan selbst entdeckt im Wählervotum eine B e s t ä t i g u n g: Er habe mit diesen S t i m m verlusten gerechnet und er denke nicht daran, von "den Prinzipien, an die wir glauben" abzuweichen. Wäre ja auch ge- lacht, wenn sich ausgerechnet in den USA die Politik von den Mei- nungen im Volk abhängig machen wurde. Nur die P o l i t i k e r überlegen sich, wie sie m i t diesen Meinungen weiter ihre Posten behalten und auf ihnen in aller Freiheit regieren können. zurück