Quelle: Archiv MG - USA INNENPOLITIK - Vom American Dream
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Rassenkampf in Florida
ARMUT UND GEWALT IN DEN USA
Nach dem Ende der Rassenunruhen im Ghetto von Miami werden die
Toten gezählt und der Sachschaden beziffert. Folgt man offiziel-
len und journalistischen Erklärungen, so handelte es sich um
einen "Ausbruch von Gewalttätigkeit" vergleichbar etwa dem gewal-
tigen Ausbruch des Mount St. Helen, mit dem Unterschied, daß es
sich bei diesem um ein Schauspiel von großem touristischen Wert
und einer gewissen Einmaligkeit handelt, während Straßenschlach-
ten zwischen Schwarzen und der Nationalgarde saisonal im Sommer
wiederkehren, so daß sie auch manchmal aus der "Hitze der Nacht"
erklärt werden.
Daneben läßt es sich keine Zeitung nehmen, nachträglich etwas
background aufzubereiten, der klarmachen soll, daß so was mal
wieder passieren m u ß t e: die Rezession, die zunehmende Ar-
beitslosigkeit unter der schwarzen Jugend, die nach Florida ein-
strömenden Cubaner, die Kürzung von Wohlfahrtsprogrammen, die zu-
nehmende Brutalität der Polizei usw. Indem plündernde Neger und
herumballernde Polizisten zur W i r k u n g von Rezession, Ar-
beitslosigkeit oder gar von "Alltagsstreß im Ghetto" (FAZ) er-
klärt werden, ergibt sich als Fazit, mit dem dann die Akten ge-
schlossen werden, daß solche Ereignisse wie die von Miami irgend-
wie zu Amerika gehören, andererseits aber auch nicht, weil sie
als Entgleisungen eines Systems sich entschuldigen lassen, das
ohne Inflation, Rezession, Cubaner und Polizeiübergriffe sich
solche Unschönheiten eigentlich sparen könnte.
Burn, Baby Burn!
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Die Zugehörigkeit solcher Ghetto-Aufstände zum amerikanischen
Alltagsleben demonstriert zum einen, daß es Gründe genug für die
Schwarzen gibt, sich gegen ihre Lebensumstände zu empören, zum
anderen, daß ihre Empörung - in der periodischen Wiederkehr -
folgenlos und selbstzerstörerisch ist. Eigenartig sind schon die
A n l ä s s e: Diesmal war es wieder die Konstellation "Weißer
(Polizist) erschießt Schwarzen und wird von Weißen freigespro-
chen", die den Ghetto-Zorn zum Kochen brachte - es bedurfte der
Vorführung des offensichtlichen Herrschaftscharakters der ameri-
kanischen Rechtsprechung. Nicht aber, daß die Schwarzen da eine
überraschende Entdeckung gemacht hätten, im Gegenteil ist ihnen
diese Funktionalität des Rechts gegen sie eine Selbstverständ-
lichkeit, die sie hin und wieder - in krassen Fällen besonders -
zu nur einem Gedanken aufstachelt: Praktizieren wir einmal das,
was die Weißen tagtäglich mit uns veranstalten! Dies freilich,
o h n e die staatliche Absicherung hinter sich zu wissen und
ohne die Vorstellung, dadurch würde sich etwas verändern, gar
ihre absolut unterlegene Stellung verbessern. Die Eigentümlich-
keit, daß der amerikanische Staat es nicht für nötig hält, seinen
Bürgern die private Gewalt gänzlich zu entziehen, zementieren sie
doch so nur die Resultate der Konkurrenz, wie sie im Recht inten-
diert sind, daß er ihnen sogar das Recht als Mittel der Durchset-
zung des "american way of life" an die Hand gibt, erfahren die
Neger als ständig unterlegene. Umgekehrt, daß sie in der Konkur-
renz gebeutelt werden verdankt sich nicht zuletzt der Tatsache,
daß ihre weißen Konkurrenten sich noch jedesmal ganz legal der
staatlichen Gewalt bedienen. Der Schluß, den sie daraus ziehen,
ist ebenso einfach wie falsch: Das können wir auch! Sie veran-
stalten eine gewalttätige Demonstration der Unzufriedenheit, bei
der die alltäglichen kriminellen Formen der Überlebenssicherung
in aller Öffentlichkeit und ohne Hemmungen für ein paar Tage als
Aufstand praktiziert werden. Der Spruch von der "sinnlosen Zer-
störung", mit dem der Bürger kundtut, daß er sich schon sehr
sinnvolle Zerstörung vorstellen kann, erfährt hier schönsten Be-
leg, wenn die Neger nämlich außer sich geraten, zwar ganz und gar
nicht ohne Grund, aber ohne etwas damit bewirken zu können und zu
wollen. Der (weiße) Bürger - befriedigt - verweist auf die Zweck-
losigkeit ihres Tuns, um eben so jeden Grund zu leugnen, statt-
dessen die schwarze Triebnatur dingfest zu machen.
Nach dem Anlaß ist also auch der Ablauf des Aufstands ziemlich
normiert: Die Schwarzen machen Jagd auf zufällig herumlaufende
Weiße, überschreiten auch schon mal die Grenze des Ghettos und
dringen in weiße Bezirke ein, rauben einige Supermärkte aus, fan-
gen schließlich an, auf das Ghetto zurückgedrängt, die eigenen
Autos und Wohnblöcke niederzubrennen. Spätestens da zeigt sich,
daß auch nicht Rache Triebfeder ihres Handelns ist, sondern nur
die zeitweise scheinbare Umkehrung ihrer Ohnmacht angesichts der
Ungeheuerlichkeit ihrer Existenzbedingungen. "Rationeller" ver-
fahren da die Weißen, die sich aufgerufen fühlen, die Demonstra-
tion dessen durchzuführen, was Ordnung ist und bleiben muß, sich
also im wahrsten Sinne als Ordnungshüter aufführen, wozu einige
kleine Rachefeldzüge eben keinen Widerspruch darstellen:
"Am nächsten Tag veranstalteten Weiße in Pritschenwagen Überfälle
in schwarze Wohngegenden, schossen in die Menge und töteten min-
destens drei Personen." (US World an News Report)
Und die Jugend Amerikas benutzt die Gelegenheit, sich in den Tu-
genden ihres Landes zu erproben - sie zeigt Verantwortungsgefühl,
Geschäftssinn und Selbständigkeit, wenn es darauf ankommt:
"Einige weiße Teenager boten an, ein Antiquitätengeschäft zu ver-
teidigen, wenn sie Gewehre und je 100 Dollar bekämen. Der Ge-
schäftsinhaber: 'Sie waren phantastisch. Ich habe ihnen noch 50
Dollar Prämie gegeben'." (Time, 2.6.)
Eine gelungene Demonstration des amerikanischen Lebensprinzips -
sei deines Glückes Schmied unter a l l e n Umständen, indem du
den Konkurrenten mit allen Mitteln bekämpfst, solange er schwä-
cher ist als du selbst.
Die wirkliche Ordnungsmacht macht die Grenzen ums Ghetto dicht,
wartet derweil erst einmal ab, bis die Leidenschaften sich ausge-
tobt haben, um schließlich einzumarschieren und mit den letzten
Flammen den letzten Widerstand niederzuschlagen. Dies nun wirk-
lich ein rationelles Verhalten, wobei der Staat mit geringstem
Aufwand den Alltag in seinen eingefahrenen Bahnen im Ghetto wie-
derherstellt.
Natürlich gibt es unter den Schwarzen auch einen "besonnenen"
Teil, der sich mehr oder minder Hoffnungen auf eine ehrbare Kar-
riere macht: Diesen Leuten fällt angesichts der Ereignisse auch
nichts anderes ein, als an die Ideale Amerikas zu appellieren,
von denen sie dann auch regelmäßig enttäuscht sind. Da gehen sie
also hin und erinnern sich der alten Bürgerrechtsbewegung -
"Die Demonstranten sangen Parolen 'We shall overcome' und riefen
Parolen wie 'Keine weißen Polizisten in schwarze Wohngegenden'"
(Guardian) -
machen sich also noch Hoffnung auf eine friedlichere Ausgestal-
tung ihrer Not, um hinterher bis zum nächsten Mal wieder zu resi-
gnieren:
"America is a damned lie."
"Die vorherrschende Einstellung der Schwarzen spricht gegen
Krieg, eben aufgrund des Erlöschens des Funkens Hoffnung, der die
Leute einst glauben ließ, daß rioting das Gewissen Amerikas auf-
rütteln könnte." (Newsweek)
Da sind sich die beiden "Teile" der Ghetto-Bewohner aber auch
wieder gleich: An eine wirkliche Änderung ihrer Misere denken sie
nicht - sie muß ja auch ausgeschlossen bleiben, solange man alles
nur als Problem der Schwarzen betrachtet. Daß weder der Appell an
das "Gewissen" Amerikas, noch der Versuch, das rechtmäßige Ver-
hältnis sporadisch gewaltsam umzukehren, eine Absage an Amerika
ist, zeigt sich spätestens dann, wenn die Ghettojugend auf der
Aschenbahn oder in Vietnam Black Power einsetzt. Daß die schwar-
zen Amerikaner sich den n a t i o n a l e n Ansprüchen verwei-
gern würden, ist uns noch nicht zu Ohren gekommen. Indem sie das,
was ihnen die amerikanische Gesellschaft negativ als Grund für
ihre Misere vorführt, nämlich ihr Schwarz-Sein, als den tatsäch-
lichen Grund ansehen, täuschen sie sich entschieden über ihre be-
sondere Funktionalität für die amerikanische Ausbeutung. So glau-
ben sie doch tatsächlich, das weiße Amerika sei rassistisch, wo-
bei der Kapitalismus - aufgeklärt wie er ist - die alten men-
schlichen Vorurteile doch nur so gelten läßt, wie sie sich für
den Profit dienstbar machen. Nicht also Rassismus ist der Grund
des Negerelends - das tut ja gerade so, als wären die bescheuer-
ten weißen Lohnarbeiter an allem schuld -, sondern der für die
K o n k u r r e n z dienstbar gemachte R a s s i s m u s.
In the Ghetto
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Die Ghettos in den amerikanischen Großstädten sind nicht Ergebnis
dessen, daß die Farbigen von bewaffneten Weißen in bestimmten
Stadtvierteln zusammengetrieben wurden oder daß die Soulbrothers
und -sisters so gerne aufeinanderhocken würden, sondern Resultat
eines ökonomischen Zwangs, der die Schwarzen dazu bringt, sich
ganz freiwillig in diesen Ghettos anzusiedeln. Worin dieser Zwang
besteht ist an den Erscheinungsformen des Elends abzulesen:
- 50% Arbeitslosigkeit und eine dementsprechende Kriminalitäts-
rate
- keine oder nur sehr schlechte Schulen und dementsprechend kom-
pensierende Ausbildung in den Straßenbanden
- miserable Wohnverhältnisse und dementsprechend hohe Kinder-
sterblichkeit und Häufigkeit von Epidemien.
Die Konkurrenz in den USA hat sich genau dieses Reserveheer des
Abschaums geschaffen und siedelt es in gesellschaftlichen Enkla-
ven an, die ein Zerrbild der Great Society sind: Neben den dahin-
vegetierenden Massen gibt es eine Herrschaftshierarchie im
Ghetto, die an der Not und Hoffnungslosigkeit verdient, sei es
bei administrativen Jobs in der Black Community, bei der Betreu-
ung der "Asozialen" als Pfarrer, Lehrer, Arzt und "Streetworker".
Neben den Black Capitalists mit ihren Supermärkten, Tagelöhnerfa-
briken und Gelegenheitsarbeitsvermittlungen rangieren die Organi-
satoren der Rackets in Glücksspiel, Prostitution, Rauschgifthan-
del an der obersten Spitze der "Sozialstruktur" des Ghettos und
zählen zu den Honoratioren des ehrenwerten Black Establishment,
weil sie sich in der Konkurrenz mit den fürs Ghetto tauglichen
und üblichen Mitteln durchgesetzt haben. Die Abkapselung der von
der Konkurrenz Ausgestoßenen oder für sie immer Unbrauchbaren,
beschränkt die faux frais des Staates für die Verwaltung seines
Lumpenproletariats auf die Kosten für Polizei und die anderen
Einrichtungen des Gewaltapparats. Das Elend ist in genau umris-
sene Wohnbezirke eingepfercht und kein Problem für die amerikani-
sche Gesellschaft. Die Gruselstories von "Harlem bei Tag und
Nacht" taugen für Partys, und gegen eventuelle Übergriffe ist
eine Bürgerwehr schnell eingerichtet - ihre Gewehre braucht sie
ja nur aus dem Schrank zu holen.
Gehen andere Staaten hin, verwalten den sozialen Ausschuß und
lassen sich dies auch ein paar Steuergelder kosten, um ihn im
Griff zu behalten ("Sozialstaat" heißt sich das dann), so ver-
zichtet der US-Staat auf diese Veranstaltung und läßt dem erfolg-
reicheren Teil der Lohnarbeiterklasse das schöne Gefühl, materi-
ell doch bedeutend besser dazustehen - ein Gefühl, das seine
ganze Berechtigung aus der Betrachtung des Gegensatzes schöpft
und sich natürlich um so großartiger vorkommen kann, je größer
das kontrastierende Elend.
Die Konzentration des Pauperismus auf die farbigen Minderheiten
bzw. die Gleichsetzung von Rasse und mangelnder Konkurrenzfähig-
keit haben die Amis zwar besonders sauber herausgearbeitet, ist
aber ein Bestandteil aller Demokratien:
Die ganz gerechte Rassenkonkurrenz
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Dem Import billiger Lohnsklaven aus den Randzonen der kapitali-
stischen Metropolen, die gegenüber den einheimischen Arbeitern
die nützliche Funktion der Lohndrückerei erfüllen, beantworteten
die englischen Arbeiter des 19. Jahrhunderts ebenso mit Haß auf
die "dreckigen Iren", wie die Arbeiter in der BRD die ihnen vom
Kapital aufgeherrschte Konkurrenz mit den Gastarbeitem in einen
Vergleich gegensätzlicher Nationalcharaktere verwandeln, wobei
von vornherein feststeht, wer der bessere ist. Während dieser
Rassismus nützlich in die Konkurrenz eingebaut wird, haben ihn
die USA von Anfang an als Prinzip der Konkurrenz etabliert: Eng-
länder gegen Iren, Iren gegen Italiener, Italiener gegen Polen
und Juden, Juden gegen Chinesen und alle gegen die Neger. Seit
der Entlassung der Neger aus der Sklaverei in die Lohnarbeit,
wird die letztere auf zweierlei Weise organisiert: im Süden der
Staaten, wo das Kapital sich noch nie mit Gewerkschaften herum-
schlagen mußte, weil alle Versuche in dieser Richtung schon im
Ansatz zerschlagen wurden, läßt man die Neger für einen Hunger-
lohn die niedrigsten Jobs machen und hält die Weißen mit gering-
fügig besserer Bezahlung und dem Gefühl bei der Stange, immer
noch besser als die dreckigen Nigger zu sein. Das Ganze läßt sich
noch anheizen durch den regierungsamtlich zugelassenen Import il-
legaler Zuwanderer aus Mexiko, Haiti, Puerto Rico und anderen
schönen Landstrichen, die bereit sind, für weniger als die bun-
desstaatlich festgesetzten Mindestlöhne zu arbeiten. Im Norden
wurde der Neger als gleichberechtigte A r b e i t s k r a f t
anerkannt, wenn ihm auch alle anderen Einrichtungen des gesell-
schaftlichen Lebens versperrt blieben. So entzündete sich die Ci-
vil-Rights-Bewegung auch vor allem daran, daß selbst den ökono-
misch etwas besser gestellten Schwarzen der Aufstieg zu Macht und
Einfluß in der amerikanischen Gesellschaft durch allerlei zusätz-
liche Barrieren erschwert wurde: "Weiße" Universitäten und Schu-
len waren ihnen versperrt, ihr Zugang zu politischen Ämtern, Ver-
bänden und Vereinigungen und damit zum Einfluß auf die Verteilung
von ökonomischen Pfründen und Vorteilen verhindert. Mit dem Equal
Rights Amendment von 1964 war die rechtliche Voraussetzung dafür
geschaffen, daß Schwarze sich ihren Eintritt in die Konkurrenz
erkämpfen konnten, was sie auf durchaus amerikanische Weise ta-
ten: Sie "überzeugten" die ökonomisch und politisch Mächtigen,
daß die gleichberechtigte Zulassung der Neger zur Konkurrenz für
sie durchaus von Vorteil sein konnte. So z.B. mit der "Operation
Breadbasket", mit der in den Großstädten des Nordens Firmen durch
Boykottaufrufe bewegt wurden, ihre Filialen in schwarzen Vierteln
mit schwarzen Arbeitern zu besetzen. Das Ganze hieß nicht unbe-
zeichnenderweise "Black Capitalism" und wurde von "Time" damals
so kommentiert:
"Alle diese Anstrengungen dienen dazu, die Überzeugung der
Schwarzen zu festigen, daß sie schließlich einmal mit den Weißen
erfolgreich konkurrieren können." (6.4.70)
Das haben sie denn auch; mit dem Ergebnis, daß es jetzt ein Esta-
blishment von schwarzen Geschäftsleuten und Bankiers gibt, die
sich darauf spezialisieren, die Arbeitskraft von Leuten ihrer ei-
genen Hautfarbe auszubeuten, von Ghettobewohnern gewählte
schwarze Politiker - und eben den Rest.
Der Kampf um gleichen Z u g a n g zu öffentlichen Ämtern und
jobs vermehrt naturgemäß weder die Zahl der Ämter noch die der
jobs - wenn man einmal von denen in den schwarzen Lobbyorganisa-
tionen selbst absieht, von denen sich auch nicht schlecht leben
läßt. Die Integration schwarzer Arbeiter in die gewerkschaftlich
organisierte work force des Nordens beantwortete das Kapital auf
seine Weise:
"In den letzten Jahrzehnten hat Chicago mindestens 500.000 Ar-
beitsplätze an die Vororte und den Sun Belt verloren - meistens
solche, die ungelernte Arbeitskraft verlangen und die gerade die
Schwarzen aus dem Süden nach Chicago gezogen hatten." (Time,
16.6.)
Wie die Reservearmee des Südens in der Hoffnung auf Arbeit in die
Ghettos des Nordens zog, zog das Kapital in den Süden, in dem mit
dem Einsatz aller staatlichen und privaten Machtmittel die ge-
werkschaftliche Organisierung erfolgreich verhindert wird, und
schuf sich somit eine neue Reserve; und die Mobilität des Kapi-
tals über einen ganzen Kontinent hinweg, in der Sicherheit, über-
all die Arbeitskräfte zu finden, die es gerade braucht, schafft
den Pauperismus als seine dauernde Grundlage - getreu einer Ana-
lyse aus dem vorigen Jahrhundert:
"Die disponible Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen ent-
wickelt wie die Expansivkraft des Kapitals. Die verhältnismäßige
Größe der industriellen Reservearmee wächst also mit den Potenzen
des Reichtums. Je größer aber diese Reservearmee im Verhältnis
zur aktiven Arbeiterarmee, desto massenhafter die konsolidierte
Übervölkerung, deren Elend im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Ar-
beitsqual steht. Je größer endlich die Lazarusschicht der Arbei-
terklasse und die industrielle Reservearmee, desto größer der of-
fizielle Pauperismus. Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz
der kapitalistischen Akkumulation." (K. Marx, Das Kapital, Bd. 1)
Der modernisierte Rassismus in Amerika verwehrt seinen schwarzen
Bürgern also nicht mehr unbedingt, Restaurants durch die Vorder-
tür zu betreten oder die gleichen Schulen zu besuchen. Als Weißer
nimmt man dann allerdings seine Kinder von der Schule, so man es
sich finanziell leisten kann, weil mit den Negern das Ausbil-
dungsniveau sinkt nicht zulezt dank der vorsehungsreichen Bestim-
mung des amerikanischen Schulsystems, die Schulen aus der Grund-
steuer der jeweiligen Wohngegend zahlen zu lassen. Und im glei-
chen Häuserblock zu wohnen wie ein Schwarzer verbietet sich schon
deshalb, weil dadurch der Wert des mühsam erschufteten Eigenheims
sinkt - und das kann kein Verkäufer oder Vermieter - schon aus
finanziellem Eigeninteresse - seinen Kunden zumuten. So entschei-
det sich die Erziehungs- und Wohnlage von Weiß und Schwarz in den
Großstädten ganz gerecht nach den Kriterien der freien Konkur-
renz.
A fair shake and a fair play
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zu versprechen, war dem eingeflogenen Justizminister Civiletti
also eine leichte Übung. Wie schon sein Name ausdrückt, setzt der
amerikanische Staat gegenüber der schwarzen Triebnatur nur die
zivilisatorischen Errungenschaften der amerikanischen Gesell-
schaft durch. Dies mit um so mehr Berechtigung, als das Rassen-
problem r e c h t l i c h ja aus der Welt geschafft ist, indem
den Minderheiten mit den Civil Rights alle Möglichkeiten geschaf-
fen wurden, sich einzubürgern. Sich nun mit der Tatsache herumzu-
schlagen, daß die Ghettos nicht leerer werden, im Gegenteil die
Armut samt ihren Begleiterscheinungen dort ständig zunimmt, ist
nicht länger Sache des Staates. Die Besprechung dieser Armut in
der Öffentlichkeit dient also nurmehr der kritischen Konstatie-
rung, wie wenig es die Schwarzen Mitbürger geschafft haben, aus
gleichem Recht ökonomischen Vorteil zu schlagen.
"Politisch haben die Schwarzen in den letzten 10 Jahren wesentli-
che Fortschritte erzielt. Es gibt schwarze Bürgermeister in Los
Angeles, Washington, Detroit, Atlanta und New Orleans, und
schwarze Richter und Stadträte in ansehnlicher wachsender Zahl
quer durch die Staaten - insgesamt um die 4.600 gewählte Beamte.
Aber (!) die Wohnsituation ist nach wie vor schauderhaft, die Ge-
sundheitsfürsorge unzuverlässig, und trotz einiger Reformen be-
trachten zu viele Großstadtschwarze, besonders die Jugendlichen,
einen weißen Polizisten als ihren natürlichen Feind." (Time,
16.6.)
Anerkennend wird registriert, daß sich die rechtliche Gleichstel-
lung der Schwarzen in manchen Fällen positiv auf den "sozialen
Frieden" ausgewirkt hat -
Die Tatsache, daß wie z.B. in New York die Schwarzen bei der
städtischen Verwaltung Gehör finden, hat geholfen, manche häßli-
che Situation zu erleichtern." (Time, 16.6.) -
Und der Staat läßt es darum zu, sich für möglichst wenig Geld
möglichst viel sozialkosmetische Vorrichtungen auszudenken, auf
die die Neger - verslumt wie sie sind - womöglich hereinfallen.
Da gibt es dann einen Community Relations Service mit der auf-
schlußreichen Aufgabe, über "wachsende Spannungen zwischen loka-
ler Polizei und der Wohngemeinde, der sie dienen (!) soll" (Time)
zu wachen, und dieser Service hat dann passenderweise dem Poli-
zeichef von Miami schon frühzeitig mitgeteilt, daß sich die
"relations" zwischen Polizei und Schwarzen rapide verschlechter-
ten. Wenn die Ordnungshüter mal wieder kräftig zugelangt haben,
kann man sich jetzt bei irgendeiner Stelle beschweren, und die
Polizei selbst ist ehrlich genug zuzugeben, daß es sich bei ihr
um einen Verein handelt, der nicht extra Schläger einzustellen
braucht:
"An manchen Orten benutzen die Polizeibehörden psychologische
Tests, um Bewerber mit sadistischen Neigungen auszusondern" (US
News and World Reports).
Die Schläge werden also ganz ohne emotionale Exzesse verteilt,
woran sich die aufsässigen Neger im übrigen auch ein Beispiel
nehmen können.
Auch die Nützlichkeit schwarzer Politiker für die Besänftigung
ihrer brothers ad sisters ist mittlerweile voll eingesehen und
wird gerne in Anspruch genommen:
"Weiße Gemeindepolitiker sollten einen engen ständigen Dialog mit
Minderheitensprechern führen ... Sonst läßt sich in einer Krisen-
situation nicht mehr viel machen." (US News and World Report) -
doch niemand macht sich großartige Illusionen über die Wirksam-
keit einer solchen, wie auch aller anderen Maßnahmen. Das weiß
man ja inzwischen, daß sich die
"heutigen Unruhen in den Ghettos nicht mehr durch Führerpersön-
lichkeiten in konstruktive Bahnen lenken lassen",
und daß den dort aufkreuzenden Negerbossen ein
"The only time we see y'all socalled leaders is when you come
here trying to calm somebody down!"
entgegenschallt, ist sozusagen zwangsläufig, denn sonst wären sie
ja keine Neger p o l i t i k e r und dürften sich nicht zum bes-
seren Teil der amerikanischen Gesellschaft zählen.
Wenn solche Beispiele und staatlichen Reformmaßnahmen aufgezählt
werden, dann mit dem Gestus: Es wird alles getan, was sich nicht
ändern läßt, muß so bleiben! Alle gelinden Verbesserungen der
Ghetto-Zustände, die immer Verbesserungen der staatlichen Verwal-
tung sind, werden unter dem Gesichtspunkt betrachtet, daß man
sich über die Ghettos nicht weiter aufzuregen, sondern sie als
normal anzusehen hat. Und von schwarzen Politikern läßt man sich
bestätigen, daß man sie auch so behandeln kann. Diese "Rückkehr
zur Normalität" heißt für die USA wie in jedem anderen kapitali-
stischen Land auch:
Was aus einem wird, liegt an einem selbst und wenn man nichts
wird, ist dies noch lange kein Grund zur Unzufriedenheit - wer
sie dennoch verspüren und äußern sollte, hat entsprechender
staatlicher Korrekturmaßnahmen gewärtig zu sein. Die ganze Beson-
derbeit der USA liegt darin, daß der Staat - in Ü b e r e i n-
s t i m m u n g mit seinen Bürgern - diese kapitalistische
Lebensweisheit r a d i k a l durchsetzt, indem er zum einen die
Wirkungen der Konkurrenz am einzelnen drastisch zum Zuge kommen
läßt, und zum anderen dafür sorgt, daß Existenzgefährdung,
Gewalttätigkeit und Verrohung derer, die in dieser Konkurrenz
nichts zu bestellen haben, in gesellschaftliche Enklaven gebannt
werden. Der Erfolg gibt ihm recht. So jettet Jimmy Carter
wahlkämpfend nach Miami (immerhin verdankt er seinen Sieg zu ei-
nem Gutteil schwarzen Stimmen), aber nur um dem dortigen Wähler-
volk mitzuteilen, daß die amerikanische Regierung n i c h t s
an ihrer Lage zu ändern gedenkt - und wenn sie gute Amerikaner
sein wollten, müßten sie das wohl einsehen.
Es ist dies die öffentliche Bekundung, daß Barbarei zu einem an-
ständigen Kapitalismus dazugehört. Und daß dieser andere Sorgen
hat, als sich laufend darum zu kümmern.
"Heute ist der Optimismus der 60er Jahre verschwunden" (= es ge-
hört sich nicht mehr, irgendwelchen zu verbreiten), "und es gibt
wenig Hoffnung, daß die Probleme der Ghettos erneut angegangen,
geschweige denn gelöst werden... Breite unpersönliche (!) Trends
sind zusammengekommen, die Amerikas Aufmerskamkeit von seinen
Ghettos ablenkt. Die Energiekrise, die Drohung wachsender sowje-
tischer Militärmacht und Abenteurertums, der Verfall des Dollars
und der nationalen Produktivität, der wachsenden Verwundbarkeit
der Nation in einer komplexer werdenden Welt, die Zunahme der In-
flation und der Beginn der Rezession - alles hat zu einer Neuord-
nung der nationalen Prioritäten geführt." (Time, 16.6.)
Schluß und aus. So geht Innenpolitik in den USA.
***
Natur - amerikanisch
--------------------
Das "Vulkan-Baby" St. Helens bricht aus, sprengt von seiner bil-
derbuchhaft schönen Spitze 200m ab und überzieht seine nähere und
weiter Umgebung im Staate Washington mit Schutt und Asche, so daß
der Mittag zum High Noon wird. Unter den bisher 32 Toten auch der
84jährige Einsiedler Harry Truman mit seinen 16 Katzen, der die
Unbegrenztheit amerikanischer Möglichkeiten allzu wörtlich nahm:
"Keiner weiß mehr über diesen Berg als Harry und er wird es nicht
wagen, ihn umzublasen." Was Harry nicht wußte in seiner Verehrung
für die Heilige Helen - daß sie das auch gar nicht beabsichtigte,
als sie sich mal wieder als Vulkan betätigte.
Näher dran in puncto Möglichkeiten des american way of nature da-
gegen der Camper Nelson Crall, dem bei der Eruption der Gedanke
kam, er solle ein Foto machen, bevor er den Entschluß faßte,
erstmal Zuflucht zu suchen, als ringsum schon die Bäume umkrach-
ten und es heiße Asche regnete. Nur der President traf wieder mal
auf Anhieb den Nagel auf den Kopf, als er wahlkämpfend zum ausge-
brochenen Vulkan jettete. Auf seine Frage, was seine Gouverneure
bei dieser Katastrophe b e s o n d e r s benötigten, war ihm
die Antwort sofort klar:
"Leute von überall auf der Welt werden kommen, um sich von der
Kraft der Natur beeindrucken zu lassen. Ich möchte sagen, es
könnte - sie entschuldigen den Ausdruck - eine Touristenattrak-
tion werden wie der Grand Canyon." (Time)
Für Dixy Lee Ray, der Vulkanasche abgepackt pfundweise als Souve-
nir verhökerte, gab es nichts zu entschuldigen, er hatte den Wink
verstanden. Genau, Naturbeherrschung als Geschäftssache ist das
eine. Und wo man sich vor ihrem Wirken nicht schützen will, macht
man das auch lohnend.
***
Vielleicht möglicherweise doch (k)ein Klassenkampf?
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Die hiesige Linke läßt sich in ihrer Hoffnung, die amerikanischen
Neger könnten sich im Laufe des Sommers noch ein paar mehr blu-
tige Köpfe holen und damit den Beweis antreten, daß es mit dem
Widerstand à la USA doch nicht ganz vorbei ist, nicht unterkrie-
gen. Die TAZ z.B. bietet ihren Lesern gleich zwei Interpretatio-
nen der Ereignisse von Miami. Auf der Vorderseite ist der
"Aufstand" die "Antwort der schwarzen Bevölkerung auf das Wirt-
schaftsprogramm Carters - höhere Ausgaben für die Rüstungsindu-
strie auf Kosten der Mehrheit der Bevölkerung". Zwar war von sol-
chen Anliegen nie die Rede, aber was soll's - i r g e n d-
j e m a n d in den USA muß doch gegen die imperialistischen
Machenschaften Jimmy Carters was haben!
Auf den hinteren Seiten wagt sich dann ein gewisser Peter Ter-
geist an eine mögliche Interpretation: Unter der Überschrift "Wo
bleibt die schwarze Revolution?" stellt er sich die sinnige
Frage, warum in aller Welt die Neger dauernd Ghettoaufstände ma-
chen, obwohl
"sämtliche schwarze Organisationen, die bürgerlichen, die separa-
tistischen, die marxistischen, gegen diese Kampfform (!) sind".
"Woran liegt es eigentlich, daß das farbige Subproletariat immer
wieder spontan und massenhaft (toll!) rebelliert, sich aber nicht
in die Organisationen des schwarzen Radikalismus einbringen (!!)
läßt, die sein Rebellionspotential ideologisch strukturieren und
stärker auf das politische Gesamtsystem richten möchte?"
Ja woran mag das bloß liegen, lieber Peter! Vielleicht solltest
du mal diesem Haufen blöder Subproleten einen Brief schreiben, in
dem du ihnen mitteilst, daß es wirklich nicht angeht, immer so
unstrukturiert herumzulaufen, wo man schon so spontan und auch
massenhaft ist. Aber vielleicht läßt du es auch lieber - schließ-
lich ist durch zuviel Struktur schon so manche schöne Spon-
taneität draufgegangen, oder? Und das vor allem, wo die Organisa-
tionen gegen diese Kampfform sind, also sie noch - im Unterschied
zu dir - gar nicht als "Angriff auf das Warensystem per se" be-
griffen haben! Am besten, man läßt alles, wie es ist.
Der "Arbeiterkampf" des KB mag sich dagegen gar nicht recht an
eine Einschätzung heranwagen, sondern läßt einfach die Ereignisse
für sich selbst sprechen, getreu dem Motto, daß wo Unterdrückung
ist, da ist auch Widerstand, und das sieht man schließlich, oder?
Zum Glück hat er auch ein paar Neger aufgetrieben, die das auch
so sehen:
"Die Menschen kämpften mit dem Rücken zur Wand. Sie beschlossen
zu kämpfen und eine Methode zu benutzen, die 1960 sehr effektiv
war, um gehört zu werden." (Die Resultate sind bekannt) Oder:
"Wir müssen die Masse unseres Volkes organisieren, um effektiver
zu protestieren..." ( Aussagen von "Organisatoren und Aktivisten
an den Wurzeln der Bewegung", laut Arbeiterkampf vom 2.6.80)
Wen das nicht überzeugt, der braucht sich dann nur noch den hi-
storischen Rückblick über 26 Jahre Kampf anzusehen. So schlecht
wie heute ging es den Negern wirklich noch nie.
***
Angeschossen: Vernon Jordan, Amerikaner, 45, schwarz
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Als Opfer eines Attentats zu enden, ist für einen amerikanischen
Politiker durchaus nichts Ungewöhnliches. Sein eigener Weg zum
Erfolg ist stets mit ausreichend Leichen im wörtlichen wie über-
tragenen Sinne gepflastert, und so gibt es immer jemanden, dem
sein Tod Vorteile bringt oder der sich an ihm rächen will. Trotz-
dem ist es nicht pure Heuchelei, wenn die amerikanische Öffent-
lichkeit sich anläßlich des Attentats auf den "black leader" Ver-
non Jordan fragt: Warum?
Die Frage müßte natürlich eigentlich heißen: Warum jetzt noch? In
den 60er Jahren hätte ihm dies ebenso gut passieren können, wie
M.L. King, der ja auch ein "eher gemäßigter Negerführer" war. Da
er überlebt hat, gehört er jetzt zu den "großen einigenden Kräf-
ten des Landes". Kurz, er ist einer von denen, denen die Bürger-
rechtsbewegung ökonomischen Erfolg und politischen Einfluß ge-
bracht hat. Seine Parteinahme für die Sache der Schwarzen bot ihm
als jungem Rechtsanwalt die Möglichkeiten, von denen ihn das
weiße Amerika ausschloß. Er kämpfte nach einander um die Öffnung
der Universitäten für Schwarze, die Öffnung der Wählerlisten im
Süden und um jobs für Schwarze im Ghetto:
"Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, daß je mehr Leute in
dieser Gesellschaft arbeiten, desto besser ist es." (Jordan)
Er selbst arbeitet inzwischen als Direktor von sieben Aktienge-
sellschaften, hat ein Appartement in der Fifth Avenue, einen Mer-
cury mit Chauffeur (schwarz?), teure Anzüge, Weine und Zigarren
und obendrein die Frechheit, diese Vorzüge als das Mittel auszu-
geben, die Sache seiner schwarzen Brüder voranzubringen:
"Black power wird nur ein Schrei in der Wüste bleiben, wenn sie
nicht in konstruktive Bemühungen gelenkt wird, politische Macht
auszuüben und die etablierten Institutionen der amerikanischen
Politik zu beeinflussen."
Und wann hätten die schon mal auf einen mittellosen Schwarzen ge-
hört!
So kann denn wirklich keiner recht verstehen, wer ein Interesse
haben könnte, dieses Symbol schwarzen Erfolgs umzunieten. Außer
dem Klu Klux Klan natürlich, dessen Mitglieder gleich von der Po-
lizei verhört wurden. Von denen hätte sich nämlich einer daran
stoßen können, daß Jordan auch gewissen anderen Privilegien nicht
abhold war, für die sich seine schwarzen Mitamerikaner in einigen
Teilen der Staaten noch mindestens einen blutigen Kopf holen
dürften: Er befand sich in Begleitung einer attraktiven Blondine,
viermal geschieden, mit der er vorher zwei Stunden in ihrem Ap-
partement verbracht hatte, "kaffeetrinkend und schwätzend, teilte
Frau Coleman der Polizei mit". (Time, 9.6.) Der Leser denkt, was
er denken soll - die schleimigeren Seiten des Rassismus hat noch
der aufgeklärteste Ami intus.
Jedenfalls eine schöne Gelegenheit, Einigkeit zu demonstrieren:
Carter befand, daß dem Attentat eine gewisse Ironie zukäme, "weil
Jordan sein Leben im Kampf gegen die Gründe der Gewalt verbracht
hätte" - als ob ausgerechnet das in den USA oder sonstwo auf der
Welt eine Lebensgarantie wäre. Jesse Jackson nutzte die Gelegen-
heit, um sich als besonnener Negerführer zu profilieren und rief
nicht vorhandene unmutige Schwarze zu Ruhe und Besonnenheit auf.
"Wir wollen kein neues '68. Wir (?) brauchen Führung. Wir müssen
auf diese Krise mit Arbeitsplätzen und Gerechtigkeit reagieren."
Womit die Krise auch schon vorbei war. Jordan kann übrigens schon
wieder aufstehen.
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