Quelle: Archiv MG - USA INNENPOLITIK - Vom American Dream

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       Wochenschau
       

"SUPER SAVEMAN" REAGAN

Mr. President ist "nahezu genesen zum Auftrag der Wähler zurück- gekehrt" und hat aus seinem Steckschuß ein Argument für seine na- tionale Wirtschaftspolitik verfertigt: "eine kranke Gesellschaft produziert keine Männer wie die pflichtbewußten Sicherheitsbeam- ten, die mich mit ihrem Körper schützen" (FAZ, 30.04.81). Ein klarer Ausdruck jener Gesinnung, die der Präsident seinem Volke zur Erfüllung seiner nationalen Pflicht befiehlt: "Das ame- rikanische Volk verlangt und verdient eine umfassende und totale Anstrengung, um das wirtschaftliche Durcheinander gründlich auf- zuräumen." Daß das Volk nach dem, was sein Präsident durchsetzen will, "v e r l a n g t", und es deswegen auch "v e r- d i e n t", ist eine hochoffizielle Lüge: Die amerikanischen Wähler haben mit dem Staatsprogramm, das sich seine Führer haben einfallen ln, nur das eine zu tun, sie haben sich ihm u n t e r w o r f e n. Weswegen die angekündigte umfassende und totale Anstrengung ein "kaum Genesener" locker vollbringen kann, schließlich verordnet er dieselbige nicht sich und seinesglei- chen. Die Ausrichtung des Staatshaushalts am Bündniszweck Nr. 1, der Aufrüstung gegen den Hauptfeind, sieht vor: - die geplante Inflation zwecks progressiver Aufstockung des Rü- stungsetats, - die Gewährleistung dessen, daß sich der Beitrag des US-Kapitals hierzu rentiert: binnen drei Jahren werden reine Steuern um 30% gesenkt und seine Refinanzierungsmöglichkeiten via fiktiver Ab- schreibungsbeträge erhöht, - sowie die Versicherung, daß die Kompensationsmaßnahmen für die Dienste der arbeitenden Klasse zukünftig, weil überflüssig für den staatlichen Zweck, entfallen. Man sieht: im Gegensatz zu denen, für die eine "gesunde Gesell- schaft" lauter vorgesehene Anschläge auf Subsistenz und Gesund- heit bereithält, kann ein Präsident aus einem unvorhergesehenen Anschlag eine lohnende Sache machen. "Hundert-Tage-Reagan-Chaos." ---------------------------- Bei soviel Klarheit über ein Programm, zu dem den Berichterstat- tern jenseits des Atlantiks nicht umsonst der Vergleich mit dem vorhergehenden wirtschaftlichen Vorkriegspramm, dem "New Deal" des Mr. Roosevelt einfällt, braucht es eindeutig d e u t s c h e Journalisten, denen da - anläßlich "100 Tage Reagan" - allerlei "Unklarheiten der US-Politik" auffallen wollen. All die Anwürfe von wegen "bescheidenem geistigem Sturmgepäck", "simples durch wenig Auslandserfahrung getrübtes Weltbild vom guten Amerika" usw. tragen eine Besorgnis vor: "Da verkürzt sich die Weltpolitik zum Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion" (Stern) - weil es um die Verlängerung geht, daß der BRD-Imperialismus verant- wortlich mitmischt bei der Bündnispartnerschaft. Die Arbeitstei- lung funktioniert: der dicke Genscher trifft sich mit dem "simplen", "unreflektierten", "naiven" Haig zur NATO-Frühjahrsta- gung in Rom, um die Fortschritte in Sachen Betätigung des B ü n d n i s s e s als Rüstungsoffensive des Westens auszuhan- deln, und die freie Presse verfertigt aus diesem Umstand eine ex- tra-verantwortliche Rolle der d e u t s c h e n Politiker, die darin bestehen soll, für "Klarheit" zu sorgen. Ein typisches "geistiges Sturmgepäck"! zurück