Quelle: Archiv MG - WESTEN KOMMUNISMUS - Kommunismus tot?


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KOMMUNISMUS TOT?

Die gute Nachricht ------------------ Die Erleichterung ist groß. Verspürt wird sie fast überall auf der Welt und von den unterschiedlichsten Charakteren. Das Ge- spenst, von dem im Manifest des Jahres 1848 die Rede ist, hat seinen Geist aufgegeben. Als Arbeiterbewegung in den Gesellschaf- ten kapitalistischer Produktionsweise ist es schon lange nicht mehr in Erscheinung getreten, obwohl dies seine ursprüngliche Art war, sich unangenehm bemerkbar zu machen. Zu tun hatten alle Men- schen guten Willens - von den Humanisten im Pentagon bis zu den Realos in grünen Parlamentsfraktionen - mit dem Kommunismus aus- schließlich in Gestalt einer Abart; und die konnten sie gar nicht leiden. Ausgerechnet als g u t g e r ü s t e t e r S t a a t mit ein paar "Satelliten" kam der Kommunismus daher, und sein In- nenleben bestand in einem "System". Dem war schon von weitem an- zusehen, wie u n m e n s c h l i c h es zugeht, wenn man aus den an sich schönen Ideen eine Staatsraison macht und sie in die Praxis umsetzt. Damit nicht genug - im Unterschied zu allen ande- ren Systemen auf der Welt, die eine Struktur haben und deswegen funktionieren, litt der Kommunismus ewig daran, daß er n i c h t f u n k t i o n i e r t. Jetzt, gerade rechtzeitig zum 2000. Ge- burtstag von Jesus - einem Politökonomen, der als Kind nur knapp einer Volkszählung entging - geht er kaputt. Seine Bau- und Haus- meister geben es zu und ihr System auf, ihre Kritik am Kommunis- mus holen sie bei der Kapital und Demokratie GmbH ab. So ist die Welt wieder in Ordnung, der Kapitalismus hat den Beweis in der Tasche, daß es zu ihm keine Alternative gibt und er über jede Kritik erhaben ist - und die paar gewaltigen Veränderungen, die noch erledigt werden müssen, damit es im Osten keinen Rückfall gibt, bringen die Zuständigen schon hin. Der Lauf der Geschichte schreibt die Entwicklung vor: Die Aufforstung der zeitweilig vom Kommunismus verschandelten Landschaft mit gutem Geld und unter Aufsicht freiheitlicher Gewalt steht an. Die schlechte Nachricht ----------------------- Die Erleichterung ist unbegründet. Denn die Meldung feiert einen Erfolg, bei dem für viele Millionen Leute kein Vorteil auszuma- chen ist. Sie erwartet überhaupt kein besseres Leben, wenn sich der prächtig funktionierende Kapitalismus als die überlegene "Wirtschaftsweise" erweist - weil sie in der erfolgreichen Staatsraison des 20. Jhdts. ohnehin nur die Rolle einer Manö- vriermasse spielen und als Opfer vorgesehen sind bei den wirt- schaftlichen, politischen und militärischen Siegeszügen. Der Nut- zen des sozialen Friedens, der "herrscht", wenn es keinen Klas- senkampf gibt, fällt ja auch recht eigenartig aus. Die Unterneh- men suchen sich ihre Standorte aus, rationalisieren und entlas- sen, veranstalten die Tarifrunden mit den Gewerkschaften und Wirtschaftsministern als riesiges Medienspektakel; Politiker mah- nen zum Verzicht, erinnern an die ausländische Konkurrenz, mit der dann die einheimischen Geschäftsleute fusionieren, und lassen für die Sozialkassen mehr bezahlen, um hinterher weniger heraus- zurücken; dazu lesen sie ihren Bürgern den Bundeshaushalt, die Arbeitslosen- und Umweltstatistiken vor, vermelden Preissteige- rungsraten und Waffenkäufe - kurz: Die Handlungsfreiheit der einen Seite, auf der Geld und Macht versammelt sind, steigert sich mit jedem Tag. Die andere Seite, auf der der Kommunismus durch Abwesenheit glänzt, kann mit Spannung an seinem Geldbeutel wie an seiner Gesundheit beobachten, wie "sich" das Lohn-Lei- stungsverhältnis verändert. Und die Beliebtheit des Vergleiches mit auswärtigen Hungerleidern zeigt, wie nötig er ist. Wo die Ar- mut nicht nützlich ist, fällt sie doch tatsächlich noch wuchtiger aus, was man an den Arbeitslosen ebenfalls sieht! Was den Machtverfall der kommunistischen Parteien im Osten an- geht, so gilt erst einmal dasselbe. Wenn die drüben ihren bishe- rigen Laden für gescheitert ansehen und reformieren, daß es kracht, so möchte man dem Triumphgeschrei doch wenigstens einen Hinweis darauf entnehmen, was daran so schön ist Von der Wirkung der Perestrojka auf die Lebenslage des sowjetischen Normalbürgers ist nichts Gutes in Erfahrung zu bringen. Die berüchtigten Re- gale, in denen nichts ist, wg. System, weisen jetzt noch mehr freien Platz auf. Die Freiheit, die ebenfalls schrittweise Einzug hält, wird von Nationalisten aller Sorten so genossen, daß sie sich gegenseitig die Köpfe einhauen. In Polen ist dieselbe Frei- heit unter der ersten nicht-kommunistischen Regierung so ausge- fallen, daß sich kaum jemand mehr was kaufen kann - und ziemlich viele Polen im Ausland herumgurken, in der BRD schwarz arbeiten, um von den Niedriglöhnen aus den Übergang zum internationalen Kleinstschwarzhändler zu schaffen. Die Ungarn, denen die frei- heitlich orientierte Regierung die Last des roten Sterns an Ge- bäuden und Polizeimützen genommen haben, stellen sich auch ein bißchen schlechter - obwohl es jetzt eine Börse gibt. W a s kann w e m an alledem gefallen? Hat wenigstens der Bürger im Westen was davon? - Für i h n wird ja die gute Nachricht, die inzwischen auch die DDR und die Tschechoslowakei betrifft, täglich sechshundertmal verbreitet! Haben i h n die alten, noch nicht reformwilligen Kommunisten womöglich schikaniert? Ihm die Freude am Leben im besseren System versaut? Das ganz bestimmt nicht. Aber nach der Lesart seiner de- mokratischen Regierungen, über deren außenpolitisches Wirken al- lein auch ein Bauhilfsarbeiter oder Kleinbauer mit denen im Kreml zu tun bekommt, war da schon was. Immerhin ging ja jahrzehntelang jeder militärische Konflikt, ja sogar die Gefahr des ganz großen Krieges auf das Konto der auswärtigen Kommunisten. Deshalb mußte jedes NATO-Parlament immerzu die Anschaffung von Panzern, Flie- gern und Raketen beschließen - und davon sind schließlich die Steuerzahler betroffen. Wer sich diese Deutung zueigen gemacht hat und von den russischen Abrüstungsbemühungen hört, von der Selbstkritik des neuen Denkers, demzufolge die Sowjetunion tatsächlich zu viel gerüstet und mit dem Militär versucht haben soll, kann sich schon wieder nichts ausrechnen. Denn die Erfolgs- meldung über das auch auf diesem Feld geständige System gilt hier erst recht dem eigenen Tun. So richtig die Einsicht des Ostens ist, der seine Anstrengungen in Sachen militärisches Kräftemessen für verfehlt hält, so korrekt erweist sich die Unerbittlichkeit des W e s t e n s. Daß er auf überlegener Rüstung besteht, ist jetzt erst recht nötig. Denn nur weil er immerzu darauf bestanden hat, sind die Russen ins Zweifeln gekommen. Bewährte Rezepte ge- ben "wir" nicht auf, zumal ein "Rückfall" der anderen Seite nicht ausgeschlossen ist. Für den Fall wird eben jetzt weitergerüstet, damit die Sicherheitsinteressen ein für allemal gewahrt werden können. Das Material für diese Folgerung kann der geneigte Bürger der Tagespresse entnehmen, in der die Anschaffungen der NATO- Streitkräfte Woche für Woche erwähnt werden. Die Wahrheit ------------ Auf ein Prüfungsverfahren, das ein mit der guten Nachricht be- glückter Zeitgenosse durchführen könnte, ist diese offensichtlich gar nicht berechnet. Weder befaßt sie sich mit dem Kommunismus und seinen Fehlern, noch geht sie auf die Leistungen des Kapita- lismus ein. Insofern stellt sie - in ihren tausendfachen Wieder- holungen in Fernsehtalkshows, in Feuilleton-Artikeln und Politi- ker-Reden - nur die konjunkturgemäße Aufbereitung einer Unsitte dar, die Tradition hat. Sie nennt sich S y s t e m v e r- g l e i c h und entscheidet ideell die Frage, welche der beiden Gesellschaftsordnungen die bessere sei. Ohne sich groß um die Eigentümlichkeiten der beiden Produktionsweisen und der jeweiligen Staatsraison zu kümmern, legen Systemvergleicher die Komplimente, die sie dem westlichen System zueignen wollen, als Maßstab an den Osten an - und gelangen zum Befund der Minderwertigkeit des realen Sozialismus. Damit ist über Jahr- zehnte von politischen Wissenschaftlern und Moderatoren die gar nicht gemäßigte Politik des Westens gegenüber dem eigentlich nicht "lebensfähigen", schon gleich gar nicht existenzberechtig- ten Osten "begründet" worden. Die ganze Veranstaltung diente dem Schein, als wäre die dem realen Sozialismus angetragene F e i n d s c h a f t die Folge eines gewissenhaften Warentests, der nach der besten aller möglichen Ordnungen fahndet. Die gute neue Mär vom erledigten Kommunismus erweitert diese Zur- schaustellung einer weltpolitischen Parteilichkeit um den Rück- griff auf eine Berufungsinstanz, die es in sich hat. Die Anklage- bank selbst wendet die Vorwürfe der Richter in Sachen "Effizienz und Menschenrechte" gegen sich. An die Stelle der durch manches Geschäft und manchen Krieg untermauerten F o r d e r u n g, sich endlich geschlagen zu geben, tritt der schlichte F i n g e r z e i g auf die Bankrotterklärung der anderen Seite. Leute, die Kommunisten jedes Verbrechen zutrauen und ihnen anson- sten kein Wort glauben, zitieren sie plötzlich, wenn diese neuen Denker westliche Doktrinen übernehmen. Dabei könnten sie der be- flissenen Nachahmung des Systemvergleichs, mit der Politiker aus dem Osten ausgerechnet die Produktivkräfte des Westens loben, die sie zuvor - "Fäulnis" war das Stichwort - geleugnet hatten, etwas gar nicht Unbedeutendes entnehmen: U m K o m m u n i s t e n k a n n e s s i c h b e i d e n e n n i e u n d n i m m e r h a n d e l n! Aber wo es sich nur um die billige Genugtuung darüber dreht, daß die Verwalter des feindlichen Sy- stems die eigenen Maßstäbe des erfolgreichen Produzierens und Re- gierens k o p i e r e n möchten und d a b e i nach eigenem Bekunden v e r s a g e n, ist das auch schon egal. Man weiß sich endgültig ins Recht gesetzt und verspricht, ganz genau dar- auf aufzupassen, daß die Reformen sich möglichst schnell als Ka- pitulation in "unserem" Sinne erweisen. Insofern löst sich das ganze Gerede vom sterbenden bzw. gestorbe- nen Kommunismus in die schamlose Behauptung auf, daß auch und schon gleich d e m K a p i t a l i s m u s d e r E r f o l g r e c h t g i b t. Alles, was unter dem Schutz westlicher Waf- fen und unter Einsatz westlichen Geldes in der Welt angerichtet wurde und noch wird, geht in Ordnung - denn etwas Gleichrangiges, "Vergleichbares" schafft sonst keiner. Umgekehrt gilt: Wer sich am freien Westen, seinen Techniken von Geschäft und Gewalt mißt und scheitert, belegt nur die Sinnlosigkeit und Unmöglichkeit je- der Alternative. So wie die Beendigung der Arbeiterbewegung "beweist", daß die Arbeiter Kapital und sonst nichts brauchen, zeigt das Zurückstecken der Russen und das Überlaufen ihrer "Satelliten"-Nationen, daß die Leistungen des Kapitalismus un- übertrefflich sind. Alle, die das Reich der Freiheit auf die Ko- sten hin befragen, die es seinen Statisten bereitet, haben ihr R e c h t a u f K r i t i k v e r w i r k t. Die Widerlegung des Kommunismus ist das nicht, wohl aber ein Beleg für einen Zeitgeist, dessen ganze Mühe darin besteht, der überlegenen und durchschlagskräftigen Staatsraison "der Zeit" auch jede Menge Vernunft und Moral dazu zu attestieren. Ein kommunistisches Dogma und seine aktuelle Gültigkeit ------------------------------------------------------- Der billige Triumph von Leuten, die auf den geschädigten Ostblock deuten und dessen Selbstkritik genießen, ist eine Sache. Eine ganz andere ist es, wenn ihnen niemand widerspricht. Nochmals zu denen, die an ihrer Diagnose des toten Kommunismus ihren Narren gefressen haben. Sie finden Gefallen an der "Entwicklung", die sie als ihrer "Erkenntnis" voll entsprechende Konsequenz ausgeben. Von der politischen Ökonomie des realen So- zialismus, die ihnen als Mittel der Selbstbehauptung des anderen Lagers lange Zeit viel zu gut funktionierte, wissen sie jetzt endgültig, daß es sich um ein marodes Wirtschaften handelt. Wenn Gorbatschow "Markt", "Investition" und "Demokratie" sagt, bemer- ken sie, daß sich da einer all der Titel bedient, die längst jede westliche Praxis in den Rang eines Sachzwangs erheben und jede Schweinerei zur Ehrensache. Sie kommen sich vor wie Wahrsager, die der Geschichte Notwendigkeiten erfaßt haben. Sie, das sind dieselben Ideologen, die die Reform u n f ä h i g k e i t für ausgemacht hielten; die Volksaufstände, an deren Wirkung sie jetzt schmarotzen, im Osten für unmöglich - weil Unterdrückung und keine Demokratie - erklärten. Also Dichter und Denker, die aus dem westlichen System umstandslos ein V o r b i l d machen, dem sich niemand ungestraft entziehen kann. Was den Maßstäben des guten Geldes nicht gewachsen ist - so ihre großartige Einsicht -, ist wert, daß es zugrunde geht. In bezug auf das nach "unseren" Maßstäben gescheiterte System ist bei solcher Zielstrebigkeit strengstens Nichtbefassung angesagt. Das Bild von der "unbeweglichen Planwirtschaft" könnte ja nur ge- trübt werden, wenn man sich die sozialistische Kombination von "Plan und Markt" aus der Nähe betrachtet und feststellen müßte, daß die östliche Art, einen N a t i o n a l reichtum in sozialer Absicht herbeiproduzieren zu lassen, wenig Kommunismus verrät. Da könnte ja am Schluß noch herauskommen, daß die Alternative zum Kapitalismus darin besteht, ihn zu verbessern. Das Verfahren, denen drüben vorzurechnen, daß sie es nicht so wie "wir" treiben und deswegen auch nicht zu einem gescheiten Bruttosozialprodukt kommen, ist da viel tauglicher. So kann man den Nationen, die über den Osthandel schon von unserer "Hilfe" abhängig geworden sind und nach tatkräftiger Einmischung verlangen - also gleich gar nichts vom Kommunismus wissen wollen - wenigstens interes- sante Vorschläge unterbreiten. Das Lob kapitalistischer Effizi- enz, auf die man in Moskau und Warschau, Budapest und Ost-Berlin so scharf ist, trägt sich da sehr eindeutig vor; wer zu höheren Lebensmittelpreisen und einem Arbeitslosensockel rät, u m einer Volkswirtschaft auf die Sprünge zu helfen, versteht zwar auch nichts vom Kapitalismus. Mit seinem Rezept will er aber immerhin darauf hinweisen, daß die Leistungsfähigkeit des Kapitalismus nicht mit sozialen Rücksichten vereinbar ist. Daß solche Blüten der freiheitlichen Diskussion über die Notwendigkeit der Rückkehr zum Kapitalismus nicht als peinliche Parteinahme für die Opfer, die er schafft, genommen wird, hat seinen Grund. Die systemver- gleichstheoretischen Konstruktionen von der Überlegenheit westli- chen Regierens und Wirtschaftens sind gar k e i n e U r t e i l e über Kapitalismus und realen Sozialismus, sondern idelle B e k r ä f t i g u n g e n d e s p r a k t i s c h e n Z u g r i f f s, der befürwortet wird. Sie dringen auf die Zu- richtung der östlichen Wirtschaft und Politik für Bedürfnisse, die schon in den ökonomischen und politischen Erpressungen - höf- lich: Konditionen - des Osthandels zum Zuge kamen. Darauf einge- gangen sind nicht K o m m u n i s t e n, sondern N a t i o n a l i s t e n neuen Typs. Und d i e gehen zur Zeit betteln, nicht "der Kommunismus"! Die Rede ist von der i m p e r i a l i s t i s c h e n Qualität der Kampagne "Kommunismus tot!". Die alberne Bescheidwisserei, die immer nur den Bedarf von Land und Leuten drüben in "Marktwirtschaft und Demokratie fällig" übersetzten, verbirgt diese Qualität auch gar nicht. Von der eintönig dummen Litanei, vom "Wir w i s s e n, was die brauchen", zum Befund, daß die Macher des erfolgreichen Systems z u s t ä n d i g sind und i h n e n p r a k t i s c h v e r p a s s e n, was fehlt, ist der Übergang auch ganz leicht. Die Erben der realsozialistischen "Mißwirtschaft" haben die Verkehrsformen in ihren Landen so zu verändern, daß das überlegene System einzuführen geht. "W i r" fordern und befürworten R e f o r m e n, halten sie - ohne zu sagen, welche und wofür - für "dringend erforderlich", (miß-) billigen sie nach den strengen Maßstäben "unseres" Interesses. Das alles taufen wir, damit es einen Namen hat, "Bereitschaft zur Hilfe", und die Bedingungen für diese guten Taten legen wir auf den Tisch. Wer sich nicht gleich darauf einläßt, wer Vorbehalte gegen diese institutionalisierte Einmischung hat und den Verlust an politischer Souveränität fürchtet, der da droht, ist ein "Betonkopf", der das Versagen des Kommunismus nicht wahrhaben will. Wie gesagt - im deutschen Europa des Jahres 1989 machen die scharfsinnigen Analytiker des überfälligen Kommunismus nicht viel Aufhebens um diesen Übergang. Sie haben die D i a g n o s e gestellt, und die m a ß g e b l i c h e n H e r r e n aus Politik und Wirtschaft sind aufgerufen, zu h a n d e l n. Kein Problem beim Bekenntnis, daß sie nur die "I d e e n d e r H e r r s c h e n d e n" zum Besten geben und auspinseln, haben die personifizierten Sprachrohre der neuesten Geschichte! Ihnen gilt es nachgerade als Vorzug ihrer einfältigen Entdeckung, daß sie einem politischen Willen das Wort reden, der die Mittel zu seiner Durchsetzung längst einsetzt, sie kalkuliert und im Vormarsch begriffen ist. Damit aus den "Ideen der Herrschenden " auch die "h e r r s c h e n d e n I d e e n" werden, braucht es nicht viel. Gefragt ist lediglich eine breite Zustimmung zum Prinzip, daß in der Welt nun einmal der Erfolg dem recht gibt, der ihn hat. Seine Vorhaben und Programme sind dann nämlich die "Realität", an die man sich zu halten hat. Oder einfacher gesagt: Man und frau dazu müssen einsehen, daß g ü l t i g e I n t e r e s s e n den Willen zur Mitwirkung und zum Mitdenken verdienen. Auch und gerade Kritik gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn sie sich "realistisch" an den Maßstäben orientiert, nach denen der Lauf der Dinge diktiert wird. Nur so eröffnen sich "Gestaltungsmöglichkeiten". Das Erlernen dieser einfachen Regeln, die sich zugegebenermaßen etwas abstrakt ausnehmen, war für die Mehrheit der sich über den Wahlsonntag hinaus äußernden Bundesbürger nie ein Problem. Nur eine Minderheit, die sich "Linke" nennt, mußte sich etwas an- strengen. Sie hat diese Aufgabe blendend gemeistert und ihren Beitrag zum Tod des Kommunismus geleistet. Und zwar in der Abtei- lung "Inneres", wo sie zu Hause ist und inzwischen der Nation al- ternative Wege ans Herz legt, sich imperialistisch bemerkbar zu machen. Für "Reformen" i m O s t e n ist sie sowieso, weil sie - ganz wie die Bundesregierung - darin eine C h a n c e sieht. Das Thema gebietet daher einen Exkurs, der die N o t w e n d i g k e i t d e s K o m m u n i s m u s erkennen läßt: D e r B e d i n g u n g s s o z i a l i s m u s. Die Gründe für den Kommunismus ------------------------------ finden sich ebenfalls in der nächsten Nummer der MSZ. zurück