Quelle: Archiv MG - WESTEN KOMMUNISMUS - Kommunismus tot?


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KOMMUNISMUS TOT

Was alle wissen: Der Kommunismus ist tot, weil hoffnunglos ge- scheitert. Die drüben sagen es ja selber. Wie aber kann etwas gescheitert sein, das es noch nicht gab? Of- fenbar will keiner wissen, was Kommunismus ist. Deshalb einige Legenden über den Kommunismus und einmal die Wahrheit. Legende Nummer 1: ----------------- Kommunisten wollen wirklich soziale Verhältnisse schaffen. ---------------------------------------------------------- 1. Der Ruf nach dem Sozialen hat seine Heimat in Produktionsver- hältnissen, wo sich als Ergebnis des Ökonomischen Agierens nicht allgemeiner Wohlstand einstellt. Wo der Gang der Wirtschaft viel- mehr systematisch Leute p r o d u z i e r t, die über die Mit- tel der Lebensführung nicht verfügen. Diese Armut nehmen Leute mit sozialer Ader als B e t r e u u n g s f a l l ins Visier. Ihre Anklage lautet, die Gesellschaft nehme sich der anfallenden Armut unzureichend an: Es werde zu wenig getan für Arbeitslose, gegen Wohnungsnot, Altersarmut... Was die Wirtschaft anrichtet möchten sie e r g ä n z t haben um kompensatorische Maßnah- men.Die Fortexistenz der Q u e l l e für Hilfsbedürftigkeit ist bei dieser Kritik als selbstverständlich unterstellt, ihre Besei- tigung also nicht vorgesehen. Das wäre ja glatt Kommunismus! 2. Mit dem F e h l e r dieser Sozialkritik haben die Pseudokom- munisten drüben radikal e r n s t g e m a c h t: Im Kapitalis- mus scheitere die soziale Betreuung der Menschen, so meinten sie. D a f ü r haben sie die ganze Wirtschaft umgekrempelt: Sie haben die Ökonomie der privaten Verfügung entzogen- nicht um sie für den Zweck Versorgung zu organisieren. Daß die Produktion für einen in Geld gemessenen Überschuß da ist, dem die Produzenten als K o s t e n f a k t o r e n unterkommen, d a s wollten sie nicht beseitigen. Die "E i n h e i t von Wirtschafts- und Sozialpolitik" haben sie in Abgrenzung zum Kapitalismus verwirk- licht. In ihre Ökonomie, die die Klassenlage des Lohnarbeiters r e p r o d u z i e r t, sind K o n z e s s i o n e n an diese Lage m i t e i n g e b a u t. Also müssen Arbeiter drüben er- stens von Lohn leben, und werden zweitens mit einem System von Sozialpreisen für alles Lebensnotwendige bedacht. Damit gestehen die Revisionisten ein: Auch ihre Wirtschaftspolitik hat nicht den Wohlstand der Produzenten zum Zweck, sondern macht sie auf die B e r ü c k s i c h t i g u n g ihrer Armut a n g e w i e- s e n. 3. Heute erklären die Realsozialisten ihr Projekt eines echt so- zialen Staates für gescheitert. Das entspricht zwar nicht der Wahrheit. Sie hätten so weitermachen k ö n n e n, wie bisher. Sie w o l l e n sich ändern: Mit ihrer sozialen Korrektur der Ökonomie hätten sie glatt das Wachstum der Gewinne b e- h i n d e r t, so lautet jetzt als V o r w u r f an die eigene Adresse, worauf sie einmal s t o l z waren: Daß bei ihnen der Gewinn nicht der e i n z i g regierende Gesichtpunkt war. Aber selbst wenn das Programm drüben gescheitert wäre: Was geht den Kommunismus das Mißlingen eines Projekts an, das mit Kommu- nismus sowieso nichts zu tun hat? 4. Die bürgerliche Welt nimmt diese östliche Selbstkritik begie- rig auf. Genau dieselben Stimmen, die dem Realen Sozialismus mit Hinweis auf Billigstmieten einen Sinn fürs Soziale konzediert ha- ben, sind richtiggehend erleichtert, seitdem drüben mit Pe- restroika alle Härten der Marktwirtschaft Einzug halten. Und warum das ? Endlich gestehen ausgerechnet die, die den Kapitalis- mus auf dem Feld des Sozialen blamieren wollten, ein, was man hierzulande i m m e r s c h o n wußte: Zur sozialen Marktwirt- schaft gibt es k e i n e A l t e r n a t i v e. Endlich bestä- tigen auch die drüben das bürgerliche Dogma, das Soziale sei im- mer noch da am besten aufgehoben, wo es k e i n e Maxime der Wirtschaft ist. So lautet die zufriedene Bilanz, die sich heute gern auf die Sozialisten drüben beruft, denen man gestern noch kein Wort glauben durfte. Und woher wissen diese Sozialismusexperten, daß mit einem Kotau vor den marktwirtschaftlichen Verfahrensweisen enden muß, wer sich kapitalistischen Klassenverhältnis zu schaffen macht ? Woher haben sie denn dieses Naturgesetz allen Wirtschaftens, daß Reich- tum nur zu haben ist, wenn man Armut als ständige Begleiterschei- nung in Kauf nimmt? Woher wissen sie denn, daß nur allgemeinen Mangel anrichten kann, wer die Wirtschaft für Volkswohlstand ein- spannen will? Dieses "Naturgesetz" haben sie niemandem anderen als dem Kapita- lismus selbst abgeguckt: Wo es um die Vermehrung eines in Geld gemessenen Kapitalreichtums geht, d a und n u r da l e i d e t nämlich der Reichtum wirklich unter dem Wohlstand seiner Produzenten: Da bilanziert sich jeder Zugewinn an proleta- rischer Lebensqualität als gestiegene Kost, die den Gewinn be- schränkt. Und wenn der Sozialismus drüben für die immerwährende Gültigkeit dieses Sachgesetzes als Kronzeuge taugt, dann nur aus einem Grund: Diese Pseudokommunisten haben mit der kapitalisti- schen Rechnungart nie wirklich gebrochen. N a t ü r l i c h ist daran gar nichts. Und das könnte man noch am Kapitalismus selbst bemerken: Dort wird mit jeder Rationalisierung der Güterreichtum gesteigert, den eine Stunde Arbeit hervorbringt. Wenn das nicht zu ständig wachsendem Wohlstand bei den Produzenten führt, dann also gewiss nicht, weil die Mittel dafür f e h l e n würden. Daß Produktivkraftsteigerung im Kapitalismus wachsende Armut (nicht nur) in Gestalt von Arbeitslosen schafft, liegt einzig am Zweck der Sache. Und weil dieser Zweck alles andere als natürlich ist, braucht es auch zur Absicherung dieses Produktionsprinzips hier wie drüben eine ganze S t a a t s g e w a l t. Wenn "Kommunisten", die nie mehr sein wollten als eine soziale A l t e r n a t i v e zur Marktwirtschaft, heute dem real exi- stierenden Kapitalismus den Zuschlag erteilen, dann beweist das nur eines: Kommunismus ist nicht überholt, sondern nötiger denn je. Legende Nummer 2: ----------------- Kommunisten wollen den solidarischen Menschen schaffen: ------------------------------------------------------- Gemeinsinn statt Ellenbogenmentalität ------------------------------------- 1. Die Diagnose, den Menschen fehle es an einer echt solidari- schen Einstellung, blüht in gesellschaftlichen Verhältnissen, wo sich die Leute als K o n k u r r e n t e n unterkommen. Diesem gesellschaftlichen Gegeneinander wollen Kritiker der "Ellenbogenmentalität" mit Miteinander kommen: Vorsicht, Rücksicht, Nachsicht heißt ihre De- vise. Denn wenn jeder mehr Rücksicht auf den anderen nehmen würde, statt immer nur an sich zu denken, dann könnte alles har- monischer sein. Diese Auffassung will von der E i g e n a r t der Interessen, die sich mit so schöner Regelmäßigkeit in die Quere kommen nichts wissen. Aus dem Interesse, sich die M i t t e l s e i n e r B e d ü r f n i s s e zu beschaffen, folgt nie und nimmer ein Gegensatz zu anderen, die dasselbe wollen. Eher schon eine Ge- meinsamkeit. Wenn alle zusammenarbeiten, kommt für jeden mehr raus. Das Interesse, P r i v a t e i g e n t u m zu vermehren, schließt dagegen n o t w e n d i g Gegeneinander ein. Denn die- ses Interesse zielt darauf, die a u s s c h l i e ß l i c h e Verfügung über ein Stück gesellschaftlichen Reichtum zum E r p r e s s u n g s m i t t e l gegen andere Privatsubjekte zu machen, um immer mehr Geldreichtum zu monopolisieren. Daß Inter- essen der ersten Sorte in der Welt der bürgerlichen Konkurrenz nichts zählen, weil ausschließlich Interessen der zweiten Art gültig gemacht sind - darüber sehen die Prediger gegen das Ellen- bogendenken vornehm hinweg. Eher geißeln sie unerverantwortliche Profit g i e r, als einmal einen Gedanken auf die Frage zu ver- schwenden, ob es nicht vielleicht am Gewinn p r i n z i p liegt, daß die die ihn erarbeiten müssen immer alt aussehen. Aber das wäre ja glatt eine kommunistische statt pfäffische Kritik der Konkurrenz. 2. Die Pseudokomminsten haben mit dem antikritischen Programm ei- ner Besserung des Menschen hin zu mehr Gemeinsinn und Solidarität auf ihre Weise ernst gemacht. Pfäffische Moralappelle an die Menschheit als Ergänzung der Konkurrenz waren ihnen zu wenig. Ihre Alternative hieß: Man muß die Verhältnisse so ändern, daß sich Moral lohnt, dann läßt sie sich auch kräftig f r e i s e t z e n. Und das ist nicht gut, sondern v e r r ä t e r i s c h. Wo nämlich w a h r ist, daß alle ge- meinsam und deshalb produktiver für die Bedürfnisbefriedigung aller arbeiten, da ist eine moralische Haltung völlig über- flüssig. Wo es umgekehrt auf Leute ankommt,die sich u n e i- g e n n ü t z i g für das Gemeinwohl reinhängen, da arbeiten die Leute eben schon wieder für einen Reichtum, der nicht der i h r e ist. Da b l e i b t deshalb auch das Versprechen, solcher Gemeinsinn nütze letzlich allen, ein Versprechen. Und Ap- pelle an die Verzichtsmoral werden nie überflüssig. 3. Heute halten die Pseudokommunisten drüben ihr Programm, den neuen Menschen" zu schaffen, für gescheitert. Faulheit und Schma- rotzertum statt verantwortlichen Initiativgeist wollen sie sich rangezogen haben. Neidisch schielen sie nach Westen und entdecken viel gutes an den Sachzwängen der Konkurrenz: Hilft nicht ein bißchen drohende Arbeitslosigkeit der Einsatzbereitschaft fürs Ganze besser auf die Sprünge, als das Setzen auf und Appelieren an die Verantwortung aller? Zwang scheint ihnen heute allemal als das beste Mittel der moralischen Hebung der Menschheit. 4. Mit alledem haben Kommunisten nichts am Hut. Denn gegen Ver- hältnisse, in denen Einsatz für das Gemeinwohl eine Tugend, also eine Verlogenheit ist, richtet sich ihre Kritik. Sollten die drü- ben mit ihrem Erziehungsprogramm also gescheitert sein - was geht das den Kommunismus an? Kommunisten wollen die Moral ja gar nicht freisetzen, sondern überflüssig machen. 5. Das ist unmöglich - so weiß jedes bürgerliche Kind. Und das hätte man denen drüben immer schon sagen können! Und warum ? Der Mensch ist nun mal eine faule und habgierige Sau, die notorisch auf Kosten anderer lebt, wenn sie nicht den harten Wind der Kon- kurrenz zu spüren kriegt. Sehr interessant, diese Menschennatur: Für Verhältnisse, in denen es die Mehrzahl mit lebenslangem Fleiß zu nichts bringt ist der menschliche Egoismus offenbar wie ge- schaffen! Aber kaum setzt man den Menschen unter Umstände, in denen ihm seine Arbeit endlich mal was einbringt, schon scheitert man am Egoismus! Dann legt sich der Gierlapp auf die faule Haut und verspachtelt immerzu die süßen Trauben, die kein Mensch pro- duziert hat? Der Menschennatur haben die Bürger diesen Unfug si- cher nicht abgelauscht. Eher schon wird sich hier die Lohnarbeit o h n e den zu ihr g e h ö r i g e n ökonomischen Zwang vorge- stellt. Und siehe da: Freiwillig täte d i e keiner! Und das soll gegen den Menschen und für den "heilsamen Zwang" zur Konkur- renz und Lohnarbeit sprechen? Fazit: Wenn "Kommunisten", die ausgerechnet zur Hebung der Moral eine Revolution gemacht haben, heute den Zwang der Konkurrenz als Stachel für einen gemeinnützigen Einsatz des Egoismus wiederent- decken, dann beweist das nur eines: Kommunismus ist nicht über- holt, sondern nötiger denn je. zurück