Quelle: Archiv MG - WESTEN KOMMUNISMUS - Kommunismus tot?


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KARL MARX 1983: EIN TOTER HUND, DER STÄNDIG NEU BEGRABEN WIRD

Was haben sie bloß alle mit dem alten Karl MARX? Rund um seinen 100. Todestag (zuletzt sogar anläßlich seines 165. Geburtstags) wurde dieser antibürgerliche Wissenschaftler und Revolutionär von allen Medien mit großem Tamtam aus seinem Grab gezerrt - und das nur, um noch einmal im Chor bescheinigt zu kriegen, daß er ein ganz und gar toter Hund ist, der endgültig eingebunkert gehört. Was stört sie so an ihm, daß sie die verdächtige Prozedur nicht scheuen, einem, der nicht mehr aktuell ist, immer auf's Neue zu versichern, daß sich kein Schwein mehr für ihn interessiert und zu interessieren braucht. Gegen Marx wissen sie Folgendes - und verraten dabei mehr über sich, als über den toten Alten: - MARX e i n e m o r a l i s c h e S a u: Er war seiner Frau nicht treu und seinen Förderern nicht geistig verpflichtet; er hat das Geld analysiert, anstatt es zu sparen, und die Lage der Arbeiter erklärt, anstatt sich solidarisch unter sie zu mischen; er hat sich von seinem Freund Engels aushalten lassen und seine Bücher geschrieben, anstatt einer ehrlichen Arbeit nachzugehen. Da braucht man MARX nie gelesen zu haben und nichts von der "freien Marktwirtschaft" zu verstehen, um zu wissen: dieser Mann ist PFUI! Man braucht bloß den Anstand aller normalen Arschlöcher zusammenzunehmen, um zu wissen, daß es sich gehört, zu arbeiten und zu sparen, sich nichts schenken zu lassen und dankbar zu sein; und daß sich für die unvermeidlichen Opfer der Gesell- schaft, die Minderbemittelten und Arbeitslosen, Mitleid gehört und nicht Kritik. Nur - könnte diese Berufung auf die weitver- breitete Anerkennung und Befolgung solcher moralischer Gebote nicht den Verdacht aufkommen lassen, daß es die arbeitsamen armen Massen immer noch gibt, deren miese Lage MARX aus den Gesetzen des Kapitals erklärt und denen er das Gegenteil einer Demutshal- tung anempfohlen hat? - MARX d e r Z i e h v a t e r S t a l i n s: Oder nicht? Da braucht man ebenfalls weder MARX zu kennen, noch Ökonomie und Po- litik des "Realen Sozialismus"; der gewöhnliche deutschnationale Russenhaß ist die allgemeine Basis, auf der sich rechte und linke Fernsehdiskutanten darüber streiten konnten, ob MARX ganz so schlimm war wie die Russen, oder als harmloser Philosoph des 19. Jahrhunderts noch gar nicht wissen konnte, was da alles raus- kommt. - MARX ein a m M e n s c h e n g e s c h e i t e r- t e r H u m a n i s t: Wie man ihm die im Osten stattgefundene Revolution vorwirft, so im Westen das Ausbleiben derselben: MARX hat sich im Menschen getäuscht. Der alte Depp mag es gut gemeint haben, aber drüben ist der "neue Mensch" nicht geschaffen worden, und hüben soll es derselbe Egoismus sein, der die Arbeiter lieber in die Fabrik rennen als sich die Sorgen der Gesellschaftsordnung machen läßt. Wo MARX über die kapitalistische Wirtschaftsweise nachwies, daß sie für die Lebensinteressen der Arbeiter nicht taugt, wissen die Vertreter unserer humanen Gesellschaft, ganz ohne Betrachtung der Ökonomie, daß "der Mensch" wegen seiner materiellen Interessen für eine "humanere" Gesellschaft nicht taugt und eine starke Hand über sich braucht. Eine schlechte Meinung vom Menschen gehört unbedingt zu einer guten über die staatliche Gewalt und ökonomische Armut. - MARX e i n g e s c h e i t e r t e r P r o p h e t: Partei- isch ist schon die Betrachtung von MARX als Propheten: Kein In- teresse daran, was er über die freie Marktwirtschaft zu sagen hatte, großes Interesse dagegen an angeblichen Untergangsprogno- sen: Nein! Der Kapitalismus ist stärker als MARX glaubte, und weil die "Prognose" der Revolution sich nicht erfüllte, kann es auch angesichts Millionen Hungertoter in der dritten Welt und knapp 3 Millionen arbeitsloser Paupers in der BRD mit der Vorher- sage der "Verelendung" nicht weit her sein - zumal kein anständi- ger Deutscher die gewöhnliche Armut im Arbeiterhaushalt mehr als eine solche bezeichnen möchte. A l l e i n im Ausbleiben kommunistischer Umtriebe haben die of- fiziellen Meinungsmacher ihren Triumph über MARX und ihre Stärke, die sie auch noch für ein Argument dafür halten, daß es so blei- ben muß. Ein Grund für uns, einmal die wenigen grundsätzlichen Einsichten von MARX zu erläutern, die auch heute noch eine Revolution wert sind, und um deretwillen er immer wieder von neuem für tot er- klärt wird. Auf der Veranstaltung der MG wird also einiges zu hören sein über Geldwirtschaft, Lohnarbeit, das Wachstum von Reichtum und Armut, Zins, Krise und moderne Fabrik. Daneben soll durchaus auch zur Sprache kommen, wo sich unser Na- menspatron Schnitzer geleistet hat; und auch die Frage, ob er da- mit verantwortlich ist für seine Ausschlachtung als Entfremdungs- philosoph, Geschichtsautomatist. Volksstaatstheoretiker u.ä. zurück