Quelle: Archiv MG - WESTEN NATO RUESTUNG - Rüsten für die Vorneverteidigung


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SCHON WIEDER EIN STÜCK AUFRÜSTUNG: DIESMAL MIT CHEMISCHEN WAFFEN

Die USA produzieren neue Giftgasgranaten und -bomben; die NATO nimmt sie in ihre Planung auf; und die Bundesregierung hat aus- drücklich ihre Zustimmung dazu erklärt. Und schon wieder soll es nur gut für Abrüstung sein! ---------------------------------------------------- Das behaupten Wörner und Konsorten ganz unverfroren. Nur so könnte man nämlich die alten, in der BRD gelagerten C-Waffen be- seitigen. Dummdreister geht es wirklich kaum mehr: Daß die USA ihre alten Bestände, die durchrosten, also ohnehin nicht mehr kriegstauglich sind, irgendwann mal auch verschrotten, soll man für einen großartigen Abrüstungsschritt halten - u n d darüber gleich die zweite Hälfte der Entscheidung vergessen, daß mit Zu- stimmung der Bundesregierung die Produktion von neuen, viel ef- fektiveren C-Waffen anläuft. "BRD giftgasfrei!" verkünden die re- gierungsamtlichen Lügner und unterschreiben gleich am nächsten Tag die NATO-Pläne für Produktion, Lagerung und Einsatz der neuen C-Munition. Das macht aber auch gar nichts, versichern sie einem treuherzig. "Die C-Waffen sollen auch gar nicht eingesetzt werden", sagt Wör- ner. Klar, genauso wie das ganze Waffenarsenal der NATO das sie ständig aufstockt, differenziert, verbessert und vervielfältigt, alles bloß - um es garantiert nicht einzusetzen. Das soll man sich immerzu einleuchten lassen, während nebenbei - siehe Libyen - schon einmal ein bißchen Einsatz geübt wird. Das macht aber auch nichts, das ist Wörner selber ziemlich wurscht, wie es um die Glaubwürdigkeit seiner Sprüche bestellt ist. Schon im nächsten Satz ist er nämlich bei dem Einsatz, für den "unsere Soldaten" das Zeug unbedingt "brauchen": "Unsere Sol- daten müssen sich mit entsprechenden Ausrüstungen dem Kampf mit solchen Waffen stellen können." Na klar, das kennt man auch schon wieder: Weil die Russen so etwas haben, brauchen wir das auch! Bloß warum eigentlich, das darf man da nicht mehr fragen. Nur um sich dem zu "stellen", haben die NATO-Truppen doch längst ihre Schutzausrüstungen usw. Beim "Stellen" denkt der oberste deutsche Waffenbeschaffer an etwas ganz anderes: S e l b e r die Mittel für einen entscheidenden Giftgasangriff auf den Feind in der Hand haben! Das "hilft" zwar keinem von Giftgas erwischten Soldaten, aber selber damit hantieren können, ist unter Garantie auch ein nützlicher Beitrag für unseren Sieg. Und fürs "gleichwertige Zu- rückschlagen" hat die NATO auch ohne chemische Waffen ein ganz ordentliches Arsenal beieinander. Die NATO-Kriegsminister wollen aber nun einmal j e d e Waffen- gattung für ihre Einsatzpläne zur Verfügung haben. Nicht deshalb, w e i l der Feind sie a u c h hat, sondern um den Feind auch auf diese Weise bekämpfen zu k ö n n e n, wenn man will. Und der Beschluß, sich auch modernere Nervengasmunition zuzulegen, wird jetzt ausgeführt. Anlaß zu nationaler Begeisterung soll die- ser Aufrüstungsbeschluß zuguterletzt auch noch deshalb sein, weil die waffenstarrende BRD damit schon wieder ein Stück souveräner geworden ist. Die Kohl-Regierung brüstet sich mit ihrem Erfolg, daß die US-Regierung sie bei der Stationierung der neuen C-Waffen erst um Erlaubnis fragen muß - eine Erlaubnis, die sie jetzt schon einmal mit der NATO-Zukunftsplanung erteilt hat. Ihr "Jawohl" ist souverän und ein "Nein" zieht sie sowieso nicht in Betracht. Die Begeisterung der Regierung über ihren Erfolg und Souveränitätszuwachs ist also ernstzunehmen: Zug um Zug fallen die wenigen, noch existierenden Beschränkungen, die daran erin- nern, daß Deutschland beim letzten Krieg auf der Verliererseite war; und die Zuständigen betreiben den Ausbau ihrer Machtmittel immer energischer mit der hoffnungsfreudigen Berechnung, daß sie beim nächsten Mal auf der richtigen Seite sind. Damit Deutschland endlich wieder ganz groß wird. zurück