Quelle: Archiv MG - WESTEN NATO RUESTUNG - Rüsten für die Vorneverteidigung
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 11, 17.02.1982
Wochenschau
LETZTE MELDUNGEN VOM "WAR THEATRE"
Mit der Vorlage des Verteidigungshaushalts - in der Höhe von 215
Milliarden Dollar und damit genau innerhalb des Rahmens der 16
Bill., die in den nächsten fünf Jahren für diesen Zweck ausgege-
ben werden sollen - hat US-Verteidigungsminister Weinberger die
Ankündigung verbunden, wie sich die aktuelle Weltlage auf ameri-
kanisch neu buchstabiert. Vorbei sind die Zeiten, in denen der
Glaube an die russische V o r rüstung geboten war, der der We-
sten durch entschiedene Nachrüstung auf allen nur denkbaren Ebe-
nen begegnen mußte. Heute ist es der Stolz eines Weinberger, daß
dabei nur noch eine Seite - die eigene - gewaltig zulegen kann
und es wäre ein "tragischer Fehler", auch nur kleinste Abstriche
bei der "obersten Priorität der Reagan-Regierung", "der Wieder-
aufüstung Amerikas" zu machen. Auf den Vergleich mit dem östli-
chen Waffenarsenal, bislang als Kriegsdrohung tauglich, ist da
leicht zu verzichten, wo es gilt, den Kriegseinsatz aller militä-
rischen Machtmittel startklar zu machen. Die einzige Schwäche,
die per "Wiederaufrüstung" zu beseitigen ist, besteht darin, die
Existenz der UdSSR zu lange geduldet zu haben - Schuld eines
sehlappen Carter. Statt des Erschreckens vor der Aggressivität
eines Feindes, der in Cuba und Afghanistan das Lager der Freiheit
weltweit eingekreist haben soll, gilt die Verteidigung des We-
stens heute höchstoffiziell dem Zweck, die "A u f r e c h t-
e r h a l t u n g der Sowjetunion als einer totalitären
Diktatur" nicht noch weiter zuzulassen. Dafür kommen ganz neue
Gleichgewichte zum Zug: "Sie (die neue Strategie) soll es
ermöglichen, der Sowjetunion auch in geographischen Bereichen
entgegenzutreten, in denen die Russen militärisch als weniger
stark gelten" - es ist das Ideal des Feldherren, auf dem
S c h l a c h t f e l d überall und mit allen Mitteln zuschlagen
zu können.
Mit der Gewißheit, alle vormilitärischen Erfolge über den Feind
errungen zu haben, konstatiert Weinberger das "Winseln" des Geg-
ners, um zum "großen Knall" überzugehen und dementsprechend macht
sich die USA von allen diplomatischen und politischen Kalkulatio-
nen mit der UdSSR unabhängig, da nur noch der eigene Wille, die
Kriegsentscheidung unausweichlich zu machen, zählt.
Während die Kürzung des Sozialhaushalts zur Gesundung der Lebens-
verhältnisse in den Slums beiträgt, feiert Reagan als Ergebnis
westlicher Handelspolitik, daß Moskau seine Bevölkerung bereits
auf "Sägemehldiät" gesetzt habe und gerade das beweist Weinberger
die Erfolglosigkeit und die jetzt fällige Beendigung des Osthan-
dels. Der Ruin der östlichen Wirtschaft und der Hunger in Polen
ist eben so lange kein Erfolg, so lange die Waffen des Gegners
nicht abgeräumt sind. Noch sitzt Moskau am "längeren Hebel",
"wenn die Wirtschaft des Sowjetimperiums durch westliche Kredite
gestützt wird, sind die Sowjets imstande, andere Mittel zum Bau
von Waffen zu verwenden, welche den Westen bedrohen". Das heißt
zwar nichts anderes, als daß der Westen die Gegenwehr des Feindes
mit seinen Krediten bereits in der Hand hat und bestimmen würde,
aber gerade deshalb hat die Erpressung aufzuhören, weil die Exi-
stenz des Erpreßten schon untragbar ist.
Mit den im laufenden Haushaltsplan veranschlagten Mitteln für die
Produktion chemischer Waffen - 700 Mill. Dollar -, beweist die
US-Regierung, "daß es kein echtes Verbot" dieser Waffen gibt. So
vereinfacht sich die Moral am Vorabend des Weltkriegs und ebenso
wie jede neue Sanktion des Westens der fällige Beweis dafür ist,
daß sich die Lage in Polen verschlimmert hat, steht die Entschei-
dung Reagans, Gift und Nervengase einzusetzen - mit diesen Din-
gern kann man nur auf dem Kampffeld drohen - für den Nachweis,
daß die Russen diese Waffen auch haben müssen - ihre Dummheit,
wenn sie sie nicht angeschafft haben. Vor dem fälligen showdown
verblaßt eben auch das Schaugeschäft, die Russen in Madrid "vor
aller Weltöffentlichkeit auf die Anklagebank zu setzen" - weshalb
der KSZE ein kurzes Ende beschieden ist. Der Bevölkerung von El
Salvador wird mehr als ein Vietnam, also mehr als eine Steinzeit
versprochen. Befreit vom Schein moralischer Rechtfertigung und
politischer Kalkulation mit dem Gegner marschiert der Westen in
Riesenschritten der Meldung entgegen: "Seit fünf Uhr wird zurück-
geschossen!" Dazu passen die folgenden Meldungen, die sich an ei-
nem Tag auf einer halben Seite der "Süddeutschen Zeitung" (vom
12. Februar") finden ließen:
"Außerdem ist geplant, statt der ursprünglich vorgesehenen 3400
Cruise Missiles jetzt 4000 in Produktion gehen zu lassen. Die er-
ste mit Marschflugkörpern ausgerüstete Trägerstaffel soll im De-
zember einsatzfähig sein."
"Im Frieden sollen 1.200 Bundeswehrsoldaten und 800 Zivilbedien-
stete, im Kriegsfall 93.000 deutsche Reservisten Unterstützungs-
aufgaben für die US-Truppen wahrnehmen."
"Die von Präsident Reagan verfolgte umfassende Militärstrategie
enthält nach Ansicht des Stabschefs der US-Armee, Edward Meyer,
'gewaltige Risiken', weil die US-Streitkräfte vermutlich zu deren
Durchsetzung zu klein sind ... vor zwei Jahren sei man vor allem
darauf eingestellt gewesen, Europa zu verteidigen. Dann habe sich
die Regierung jedoch auch für den Einsatz am Persischen Golf und
in anderen von der Sowjetunion oder deren Verbündeten bedrohten
Regionen entschieden. Dies berge jedoch angesichts des bestehen-
den Umfangs der Streitkräfte enorme Risiken."
"Positionen in Genf weit auseinander ... Aus der Erklärung, mit
der ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums die am
Dienstag in Moskau veröffentlichten, erstmals in Einzelheiten ge-
henden russischen Grundideen zurückgewiesen hat, zeigt sich eine
klare Unvereinbarkeit der beiden Standpunkte."
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